Agnelli Familie

Die Agnelli Familie gilt als die wichtigste Familiendynastie der italienischen Wirtschaftselite. Italien gehört zu den 10 grössten Exportländern der Welt und hat eine international vernetzte Wirtschafts/Finanzelite. Die Agnelli Familie hat in viele italienische Adelsfamilien geheiratet und ist dadurch inzwischen inoffiziell Teil des italienischen Adels. 2014 wurde das Familienvermögen der Agnellis auf 13,5 Milliarden Dollar geschätzt und sie gehört somit zu den reichsten Familien Italiens (Quelle).

Ihre Holdinggesellschaft Exor hat ihren Sitz in den Niederlanden. Die Niederlande besetzten übrigens 2020 Platz 8 auf dem Schattenfinanzindex und entwickelte sich in den letzten 10 Jahren immer mehr zu einer Steueroase (Quelle).

2018 war Exor das viert grösste Familienunternehmen der Welt. 2017 war Exor das sechst grösste Unternehmen Europas.

Giovanni Agnelli (1921-2003) und Umberto Agnelli (1934-2004) gehörten zum Lenkungsausschuss der Bilderberg-Treffen (Quelle). Giovanni Agnelli hatte zudem persönlichen Kontakt zu David Rockefeller, John F. Kennedy und André Meyer von der Lazard Bank (Quelle).

John Elkann (*1976), ein Enkel und Erbe von Giovanni Agnelli, ist der derzeitige Vorstandsvorsitzende und CEO von Exor. Er ist zurzeit auch Mitglied des Lenkungsausschusses der Bilderberg-Treffen. (Quelle: Screenshot vom 6.6.2020 der offiziellen Bilderberg-Website)

Über Exor hielt die Familie 2019 Anteile an folgenden Unternehmen:

  • Fiat Chrysler Automobile (28,67% Anteil und 42,44% Stimmrechte). Der Automobilkonzern gehört zu den grössten Autohersteller der Welt. Er entstand 2014 durch die Fusion von Fiat und Chrysler. Der italienische Automobilkonzern Fiat wurde 1899 von Giovanni Agnelli (1866-1945) gegründet und wird seither von der Agnelli Familie kontrolliert. Der US-Automobilkonzern Chrysler wurde 1925 von Walter Chrysler gegründet und gehört seither zu den grössten Fahrzeughersteller der USA. Walter Chrysler war Freimaurer (Quelle). Auch die italienischen Automobilkonzerne Lancia und Alfa Romeo sind inzwischen Teil von Fiat Chrysler Automobile.
  • Ferrari (22,91% Anteil und 35,80% Stimmrechte). Der italienische Automobilkonzern wurde 1939 von Enzo Ferrari gegründet. Sein Sohn Piero Ferrari ist immer noch am Konzern beteiligt und Milliardär.
  • GEDI (60,9% Anteil und 63,21% Stimmrechte). GEDI ist eines der wichtigsten Medienunternehmen Italiens. Die Agnelli Familie besitzt dadurch mehrere italienische Zeitungen, Magazine und Radiosender.
  • Economist Group (43,40% Anteil und 20% Stimmrechte). Das Medienunternehmen besitzt die Wochenzeitung „The Economist“ an der auch die Rothschild Familie beteiligt ist (Quelle).
  • PartnerRe (100% Anteil und 99,72% Stimmrechte). PartnerRe ist eines der grössten Rückversicherungsunternehmen der Welt und hat seinen Sitz auf den Bermuda Inseln (Steueroase).
  • CNH Industrial (26,89% Anteil und 42,22% Stimmrechte). Produziert Nutzfahrzeuge wie Landwirtschaftsfahrzeuge und Baumaschinen. Gehört zu den 10 grössten mit der Agrarindustrie verbundenen Unternehmen der Welt (Quelle).
  • Das italienische Fussball-Unternehmen Juventus F.C. (63,77% Anteil und 63,77% Stimmrechte).

Rüstungsindustrie

Der italienische Automobilkonzern Fiat wurde 1899 von Giovanni Agnelli (1866-1945) gegründet. Seither besetzen Familienmitglieder leitende Positionen bei Fiat und halten Anteile. Giovanni Agnelli war Anhänger des italienischen Diktators Benito Mussolini. 1923 wurde er vom faschistischen Diktator in den Senat berufen. Agnelli war vor und während dieser Zeit ein Hauptmobilisierer der italienischen Kriegsindustrie. Im April 1945 entfernte ihn das italienische Komitee für nationale Befreiung jedoch von der Kontrolle über Fiat. Die Kontrolle kehrte erst 1966 zur Familie Agnelli zurück (Quelle).

Der Fiat-Konzern bzw. die Agnelli Familie spielte eine wichtige Rolle beim Aufbau der italienischen Rüstungsindustrie. 1912 gründeten sie das Luftfahrtunternehmen Avio, das infolge des 1. Weltkrieges auch Militärflugzeuge und Motoren für Marineschiffe produzierte. Das Unternehmen ist heute in der Raumfahrtindustrie tätig (Quelle). Hauptaktionär von Avio ist der italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Leonardo, der auch ein bedeutender Rüstungskonzern ist. Mehr als die Hälfte der Einnahmen des Unternehmens stammen aus dem Rüstungssektor. Leonardo belegte 2018 Platz 10 der grössten Verteidigungsunternehmen (Quelle) und Platz 9 der grössten Waffenhändler der Welt (Quelle). Der wichtigste Vorläufer von Leonardo ist auf Fiat bzw. die Agnelli Familie zurückzuführen: Giovanni Agnelli gründete 1908 den Flugzeughersteller Fiat Aviazione, der sich hauptsächlich auf Militärflugzeuge konzentrierte. Durch eine Fusion mit einem kleineren Unternehmen wurde Fiat Aviazione 1969 zu Aeritalia (Quelle). Die Agnelli Familie übergab das Unternehmen der Holdinggesellschaft Finmeccanica, welche der heutige Leonardo-Konzern ist. Damals gehörte auch der Autokonzern Alfa Romeo zu Finmeccanica/Leonardo, der 1986 an Fiat verkauft wurde bzw. an die Agnelli Familie (Quelle). Ab da erwarb Finmeccanica weitere Unternehmen, die mit Aeritalia zusammengelegt wurden, die den heutigen Leonard-Konzern ausmachen.

Der Aufstieg der Familie und ihre Kontakte zum italienischen Adel

Giuseppe Francesco Agnelli (1789-1865) war italienischer Unternehmer und Bankier in Turin. Er war im Gewürz- und Zuckerhandel sowie in der Landwirtschaft tätig. So fand er Anschluss an die gesellschaftliche Elite Turins, welche damals noch vom piemontischen Adel (der Adel vom heutigen Nordwesten Italiens) dominiert wurde.

Seine Sohn Edoardo Agnelli (1831-1871) heiratete Aniceta Frisetti aus einer befreundeten, wohlhabenden Familie. Aniceta verkehrte mit dem piemontischen Adel, unter anderem mit der Gräfin Sofia Cacherano von Bricherasio (Quelle). Diese stammte aus der piemontischen Adelsfamilie Cacherano, die später zusammen mit der Agnelli Familie Fiat gründete. Die Adelsfamilie Cacherano gehörte spätestens seit dem 12. Jahrhundert zur piemontischen Elite. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts führten sie einige Bankhäuser, die zu den sogenannten Casane Astigiane gehörten. Diese von Adligen geführten Bankhäuser waren im 12. und 13. Jahrhundert im Kredithandel tätig. Sie hatten ihren Sitz in der piemontischen Stadt Asti. Gegen Ende des 13. Jahrhundert wurden sie europaweit aktiv. Danach entwickelte sich die Stadt Turin zum wichtigsten Finanzplatz Piemonts, der von der Hochadelsfamilie Savoyen geführt wurde. Das Haus Savoyen ist vermutlich die wichtigste italienische Adelsfamilie. Sie gründeten 1861 das Königreich Italien und besetzten dessen Thron bis 1946. Ende des 15. Jahrhunderts zog die Cacherano Familie nach Turin, wo sie am Hof des Hauses Savoyen verkehrten. Seither gehören sie zusammen mit der Savoyen Familie zur Turiner Elite, zu der später auch die Agnelli Familie gehören sollte.

Edoardo Sohn Giovanni Agnelli (1866-1945) gründete 1899 zusammen mit Graf Emanuele Cacherano das Automobilunternehmen Fiat, durch das die Agnelli Familie zu ihrem Reichtum und Einfluss kam. Graf Emanuele Cacherano hatte weniger Glück. Er starb unter seltsamen Umständen. Ein frei übersetzter Auszug von der Website der italienischen Stiftung „Fondazione Emanuele Cacherano di Bricherasio“ (welche von der bereits erwähnten Sofia Cacherano gegründet wurde):

„Unter den Augen von Emanuele Cacherano wuchsen schmutzige Geschäfte bei Fiat. (…) Nachdem er angekündigt hatte, er wolle „alle Karten sehen“ und begangene Straftaten melden, wurde er zum Haus von Herzog Tommaso von Savoyen-Genua (Cousin des Königs) gerufen, wo er sich laut offizieller Version mit einer
Pistole umbringt und sich selbst in den Kopf und den Hals (!) schiesst.

Es gab keine Autopsie, keine Untersuchung und keine öffentliche Erklärung.

Federigo Caprilli, der einzige, der seinen Körper vor der Beerdigung sah, berichtete, dass das Gesicht und die Schläfen des Grafen intakt waren.

Die Schwester des Grafen Emanuele Sofia (wurde oben bereits erwähnt), die mehrmals von mysteriösen „hohen Beamten“ besucht wurde, hatte Angst und Sorge und fürchtete vielleicht um ihre eigene Sicherheit. Sie vertraute Caprilli die Papiere ihres toten Bruders an, um sie zu schützen.

Drei Jahre später wird der berühmte Ritter auch ohne Zeugen sterben. Sein Schädel wird nachts durch einen unwahrscheinlichen Sturz vom Pferd in einer Straße im Zentrum von Turin gebrochen.

Auch für Caprilli wird es keine Autopsien, Untersuchungen und Erklärungen geben: nur eine hastige Beerdigung.

Inzwischen war die Handhabung in Fiat zu offensichtlich geworden. In dem Bericht der Behörde für öffentliche Sicherheit von 1908 wurden betrügerische Börsenmanöver gemeldet, die den gesamten Wertpapiermarkt gestört und den Aktionären erheblichen Schaden zugefügt hatten.“

(Quelle)

Eine weitere Quelle die das Thema behandelt.

Da könnte man schon auf den Gedanken kommen, dass Graf Emanuele Cacherano ermordet wurde, auf Geheiss von Giovanni Agnelli und Angehörigen des Haus Savoyen. Das Haus Savoyen war auch in den letzten 50 Jahren mehr als verhaltensauffällig. Viktor Emanuel von Savoyen war Mitglied der illegalen Freimaurerloge P2 und hatte dadurch Kontakte zu Kreisen (unter anderem zur Mafia), die ihm Verdacht stehen Auftragsmorde angeordnet zu haben. Viktor Emanuel von Savoyen hat gar selbst mal jemanden erschossen (Quelle). Er wurde allerdings freigesprochen, weil es „ein Versehen“ war. Mehr dazu im Beitrag zum Haus Savoyen. Giovanni Agnelli erhielt übrigens fünf Orden vom Haus Savoyen verleiht.

Edoardo Agnelli (1954-2000) beging angeblich Selbstmord. Auch bei ihm gab es keine Obduktion (Quelle). Nach Angaben des Journalisten und Schriftstellers Antonio Parisi starb auch Giorgio Agnelli (1929-1965) unter mysteriösen Umständen (Quelle). Edoardo Agnelli (1892-1935) starb bei einem Flugzeugabsturz. Seine Frau starb 10 Jahre später als sie in Italien bei einem Autounfall mit einem Lastwagen des US-Militärs (es war 1945 zur US-Besatzungszeit) zusammenprallte.

Familiäre Verbindungen zum Adel

Edoardo Agnelli (1892-1935) heiratete Virginia Bourbon del Monte. Väterlicherseits stammte sie aus der Adelsfamilie Bourbon del Monte Santa Maria. Diese gehört seit 1000 Jahren zu den wichtigsten Adelsfamilien der Toskana (Teil von Italien). Die Toskana war mit ihrer Stadt Florenz lange Zeit der führende Finanzplatz Europas. Im 14. und 15. Jahrhundert dominierten florentinische Bankiersfamilien den europäischen Kredithandel. Die wichtigste war die Medici Familie, die zudem 3 Päpste hervorbrachte. Sie galt als die reichste Familie ihrer Zeit und wurden in den Adel aufgenommen. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der spanischen Kolonialisierung in Lateinamerika. Francesco Maria Bourbon Del Monte stand im Dienste der Medici Familie. Gemeinsam finanzierten und unterstützten sie den berühmten Galileo Galilei, der Hofmathematiker der Medicis war. Die Medicis waren auch die wichtigsten Förderer Leonardo Da Vincis. Das Haus Savoyen heiratete übrigens in die Medici Familie. Florenz blieb führend im Kredithandel, bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden die ersten Aktiengesellschaften und die erste Zentralbank gegründet wurde. Darauf wurden die Niederlanden zur führenden Weltmacht und zum Finanzzentrum der Welt (Goldenes Zeitalter).

Edoardo Agnellis Frau stammte zudem mütterlicherseits aus dem schottischen Clan Campbell und zu den Vorfahren sowie deren Ehepartnern gehörten die schottischen Clans Matheson, Sutherland, MacKay, Munro, MacLeod und weitere. Zum familiären Umfeld im 17. Jahrhundert gehörten auch mehrere Clan-Chefs. (Ihr Stammbaum ist auf Geni). Der schottische Adel ist meiner Meinung nach der wirtschaftlich einflussreichste Kreis von Aristokraten, da er über ein familiäres Netzwerk verfügt, das mit zahlreichen Grossbanken und auch einigen Grosskonzernen verbunden ist (unter anderem mit den Grossbanken HSBC, Barclays, Lloyds, Royal Bank of Scotland, Standard Chartered, Royal Bank of Canada, Bank of Montreal, Commonwealth Bank, Australia and New Zealand Banking Group sowie mit den Grosskonzernen BP, BHP, Rio Tinto, Cargill, Aviva und Jardine Matheson).

Clara Agnelli (1920-2016) heiratete Tassilo Fürstenberg, der ebenfalls aus einer Adelsfamilie mit 1000 Jahren Geschichte stammte. Seine Grossmutter mütterlicherseits stammte aus dem schottischen Hamilton Clan. Später heiratete er die US-Amerikanerin Cecil Amelia Blaffer. Deren Vater Robert Lee Blaffer gehörte zu den Gründern des US-Ölunternehmen Humble Oil, das später von der Rockefeller Familie übernommen wurde. Ihre Grossvater mütterlicherseits war ein Mitgründer des Ölkonzerns Texaco, der zu einem der grössten der Welt wurde. Die Grosseltern trugen die Familiennamen Campbell und Turnbull. Dies sind die Namen schottischer Clans, aber ob sie mit diesen verwandt waren ist unklar.

Angehörige der Agnelli Familie heirateten auch in die italienischen Adelsfamilien Brandolini d’Adda, Caracciolo, Nasi und di Campello. Sie heirateten auch in die italienische Adelsfamilie Borromeo, die im 14. und 15. Jahrhundert eine bedeutende Bankiersfamilie war. Die bedeutendste Adelsfamilie in die sich einheirateten war die Caetani/Gaetani Familie. Sie gehört auch zum päpstlichen Adel und stellte zwei Päpste sowie mehr als 10 Kardinäle. Die Familie lässt sich bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen.

Zur Liste der mächtigsten Familien der Welt

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