Hamilton Clan

Der schottische Clan ist über 700 Jahre alt und gehört zu den wichtigsten britischen Adelsfamilien. Seit dem Jahr 1643 stellt ein Zweig der Familie Herzöge und steht somit in der britischen Adelshierarchie direkt unter der Königsfamilie. Die Herzöge sind auch gleichzeitig die Clan-Chefs des Hamilton Clans.

Der Hamilton Clan ist traditionell mit dem britischen Königshaus verbunden und viele wurden in den Privy Council aufgenommen, welcher der Geheimrat der britischen Königsfamilie ist. Sie stellten auch Barone, Vizegrafen, Grafen und Markgrafen. Graf George Hamilton-Gordon (1784-1860) war von 1852 bis 1855 britischer Premierminister und Mitglied des Privy Councils. Mehrere Hamiltons waren in der britischen Politik und beim Militär. Dieser Beitrag konzentriert sich aber auf die Verbindungen des Clans zur Wirtschafts- und Finanzelite sowie zur Freimaurerei.

Durch den in Nordamerika eingewanderten Alexander Hamilton (1755-1804) entstand der amerikanische Zweig der Hamiltons, der seither zur US-Elite gehört.

Der amerikanische Zweig

Alexander Hamilton (1755-1804) war einer der Gründerväter der USA und deren erster Finanzminister. Er gründete die erste Zentralbank der USA und gilt als der Gründer des nationalen Finanzsystems der USA. Er wurde in Britisch-Westindien geboren und emigrierte 1772 nach Nordamerika. Sein Grossvater war ein Laird (Landadel) in Schottland und seine Grossmuter war die Tochter eines Barons aus dem schottischen Pollock Clan. Bereits in den ersten Jahren nach seiner Ankunft in Nordamerika begann er Kontakte zur Elite der 13 britischen Kolonien in Nordamerika zu knüpfen. Darunter auch zu William Livingston, der später ebenfalls zu den Gründerväter der USA gehörte und von schottischen Adligen aus dem Livingstone Clan abstammte und zudem Blut des Hamilton Clans in sich hatte.

Ab dem Jahr 1782 gehörte Alexander Hamilton zum Kontinentalkongress, der aus der Elite der 13 Kolonien bestand, die sich ab dem Jahr 1774 von Grossbritannien unabhängig machen wollte, worauf der amerikanischen Unabhängigkeitskrieg begann. Die vom Kontinentalkongress gesteuerte Armee gewann mit der Hilfe von Frankreich den Krieg. Mitglieder des Kontinentalkongress, darunter Alexander Hamilton, gründeten daraufhin die USA. Wie weitere Gründerväter war auch Hamilton Freimaurer. Es wird angenommen, dass 9 der 56 Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung Freimaurer waren und dass 13 der 39 Unterzeichner der US-Verfassungen ebenfalls Freimaurer waren (Quelle).

Hamilton wurde der erste Finanzminister der USA. Er gründete drei bedeutende Banken, deren Aktien die drei ersten waren die an der New Yorker Börse gehandelt wurden:

  • 1791 gründete er die „First Bank of the United States“, welche die erste richtige Zentralbank der USA war und die „Bank of North America“ ersetzte
  • Die „Bank of North America“ wurde 1781 vom Kontinentalkongress als Notenbank gegründet, damit sie nicht mehr von der britischen Zentralbank abhängig waren. Zu den Aktionären gehörten die Gründerväter Alexander Hamilton, Thomas Jefferson und Benjamin Franklin.
  • 1784 gründete Hamilton die „Bank of New York“, die bis heute existiert und damit die älteste noch existierende Bank Amerikas ist. Die Bank fusionierte 2007 mit der Mellon Bank und ist seither eine der grössten US-Banken.

Alexander Hamilton gehörte 1783 zu den Gründern der „Society of the Cincinnati“ und war ihr zweiter Präsident. Die Gesellschaft ist eine der elitärsten der USA. Neben 15 US-Präsidenten waren auch Rockefeller, Du Pont, Vanderbilt und Hochadlige in der Gesellschaft vertreten. Die Nachfahren der Gründer haben Anspruch auf eine Mitgliedschaft, was demnach auch für Alexander Hamiltons Nachfahren gelten sollte.

Trotz der erlangten Unabhängigkeit unterhielt die US-Elite von Anfang an engen diplomatischen und geschäftlichen Kontakt zur britischen Elite. Das liegt ziemlich sicher daran, dass viele Mitglieder der US-Elite verwandte in der britischen Elite hatten, die von der Kolonialisierung Nordamerikas finanziell profitierten. Alexander Hamilton stammte zwar aus einem schottischen Clan, es ist allerdings nicht bekannt ob er Kontakt zum Clan und dessen Oberhäuptern hatte. Über den Kontinentalkongress kannte er aber mehrere schottische Clans wie Livingstone, Huntington, Middleton, McDougall, Montgomery, Armstrong, Paterson, Scott und noch weitere. Nachkommen von Alexander Hamilton heirateten in den Livingstone Clan.

Alexander heiratete Elizabeth Schuyler, deren Mutter aus der Van Rensselaer Familie kam. Schuyler und Van Rensselaer gehörten zu der Zeit zu den mächtigsten und reichsten Familien Nordamerikas. Alexanders Nachfahren heirateten später in die Familien Van Rensselaer, Schuyler und Van Cortlandt. Diese gehören zu den niederländischen Kolonialfamilien der US-Elite. Diese Familien emigrierten Anfang des 17. Jahrhunderts aus den Niederlanden nach Nordamerika und gehören seither zur nordamerikanischen Elite. Die Niederlanden waren im 17. Jahrhundert führende Kolonialmacht und das Handels- und Finanzzentrum der Welt.

Hamilton kannte auch Mitglieder der Familie Lee, die 1639 von England nach Nordamerika auswanderte, wo sie zu den einflussreichsten Familien gehörte. Richard Henry Lee war der (inoffiziell) führende Kopf der Unabhängigkeitsbewegung (Lee-Resolution). Die Lees waren im Kontinentalkongress vertreten, gehörten zu den Gründervätern und nahmen auch danach eine führende Rolle in der US-Elite ein. Sie heirateten in europäische Adelsfamilien und Nachkommen von ihnen heirateten in den letzten 50 Jahren in die Königsfamilien von Lichtenstein und Österreich. Mehrere Nachfahren von Alexander Hamilton heirateten Mitglieder und Nachkommen der Lee Familie.

Weitere erwähnenswerte Heiraten:

  • William Pierson Hamilton (1869-1950), ein Urenkel von Alexander Hamilton, heiratete die Tochter von JP Morgan, der damals der vermutlich mächtigste Bankier der USA war. So entstand der Familienzweig Morgan Hamilton.
  • Helen Morgan Hamilton (1896-1985) heiratete in zweiter Ehe Warren Randolph Burgess. Dieser war Banker und US-Diplomat. Er arbeitete für die FED (heutige US-Zentralbank) und war Vorsitzender der Citibank, eine der grössten US-Banken. Er war Präsident der „American Bankers Association“, eine der einflussreichsten Finanz-Lobbyorganisationen der USA. Er diente zudem als US-Botschafter bei der NATO und nahm am Bilderberg-Treffen teil.
  • Pierpont Morgan Hamilton (1898-1982), ein Generaloffizier des US-Militärs, heiratete die Tochter des Investmentbankers Clinton Ledyard Blair. Dieser war Direktor mehrerer Eisenbahnunternehmen und leitete Blair & Co, die Bank der Blair Familie. Die Bank arbeitete eng mit der Gould Familie zusammen, die eine führende Rolle in der damals sehr wichtigen Eisenbahnindustrie einnahm, mehrere Bänker hervorbrachte und in den britischen Adel einheiratete. Die Blair Bank war an Fusionen von Ölfirmen der Rockefeller Familie beteiligt. Blairs Grossvater gehörte ausserdem zu den reichsten Männer des 19. Jahrhunderts.
  • Mary Eliza Hamilton (1825-1887), eine Enkelin von Alexander Hamilton, heiratete Charles Augustus Peabody. Dieser heiratete auch in den Livingstone Clan und einer seiner Söhne war Charles A. Peabody Jr., der Direktor mehrerer Grossbanken und Eisenbahnunternehmen war. Er war ein Freund der Astor Familie, einer der reichsten Familien des 19. Jahrhunderts, die später in den britischen Adel aufgenommen wurde.

Der Hamilton Clan war aber auch bereits vor Alexander Hamilton in Nordamerika aktiv. Andrew Hamilton (????-1703) war ein schottischer Kaufmann, der in die britische Kolonie New Jersey geschickt wurde. Dort wurde er Kolonialgouverneur von New Jersey und stellvertretenden Gouverneur der Kolonie Pennsylvania. Er hatte freundschaftlichen Kontakt zu den Quäkern (christliche Minderheit) der Kolonie East Jersey. 1682 wurde die Kolonie von einer Gruppe von quäkerischen Geschäftsleuten erworben, angeführt von Robert Barclay aus dem Barclay Clan. Robert Barclay war eine der wichtigsten Persönlichkeiten des frühen Quäkertums und seine Nachfahren gründeten und führten die Barclays Bank, eine der ältesten und mächtigsten Banken der Welt.

Der britische Zweig

Auch wenn man es bisher nicht sicher sagen kann, so entstand die Freimaurerei vermutlich in Schottland. Die älteste bekannte Freimaurerloge wurde 1599 in Schottland gegründet. 1736 gründeten die schottischen Freimaurer die Grossloge von Schottland. Der grösste Teil der Grossmeister der Grossloge stammten aus schottischen Clans und waren Adlige. Auch der Hamilton Clan stellte mehrere Grossmeister der schottischen Grossloge (Quelle):

  • Charles Hamilton Gordon
  • Herzog Alexander Hamilton (1767-1852) und später sein Sohn Herzog William Hamilton (1811-1863). William heiratete in die deutsche Hochadelsfamilie von Baden. Seine Tochter heiratete in die monegassische Königsfamilie.
  • Graf George Baillie-Hamilton-Arden (1827-1917). Er war Gouverneur der Bank of Scotland, die seit 1695 besteht und damit zu den ältesten Banken der Welt gehört.
  • Lord Robert Hamilton-Udny (1871-1950)

Graf James Hamilton (1686-1744) war Grossmeister der Premier Grand Lodge of England (Quelle), welche die erste Freimaurer Grossloge war und 1717 gegründet wurde. 1813 wurde sie zur heutigen Grossloge von England umgewandelt. Graf James Hamilton wurde in den Privy Council aufgenommen, welcher der Geheimrat der britischen Königsfamilie ist.

1725 gründeten die irischen Freimaurer die Grossloge von Irland. Die Grossmeister waren meist irische Adlige, aber auch schottische Clans waren vertreten, darunter auch zwei Hamiltons (Quelle):

  • James Hamilton, Herzog von Abercorn (1811-1885). Er wurde in den Privy Council aufgenommen und heiratete in den Russel Clan.
  • Sein gleichnamiger Sohn Herzog James Hamilton (1838-1913). Er war Mitglied im irischen Privy Council und ein enger Vertrauter von Prinz Edward VII., der Grossmeister der Grossloge von England war. Zudem war Hamilton Vorsitzender der 1889 gegründeten British South Africa Company (BSAC). Die BSAC nahm eine führende Rolle in der afrikanische Bergbauindustrie sowie im afrikanischen Eisenbahnbau ein. Das Kolonialunternehmen erhielt eine Royal Charter und stand somit unter dem Einfluss des britischen Hochadels. Zudem wurde die BSAC von Freimaurern wie Cecil Rhodes, Baron Ellis Robins und eben Herzog James Hamilton geleitet.

Der Hamilton Clan war im 18. Jahrhundert in der schottischen Freimaurerloge Canongate Kilwinning Lodge, No 2. vertreten (Quelle). In dieser Loge waren sehr viele schottische Clans vertreten, unter anderem Murray, Forbes, Douglas, Hope, Sutherland, Drummond und Fraser. Die Loge wurde 1677 gegründet und gehört damit zu den ältesten Freimaurerlogen der Welt (Quelle).

Adlige aus dem Hamilton Clan waren bereits im 17. Jahrhundert freimaurerisch aktiv und gehörten somit zu den frühen Freimaurern. Zusammen mit anderen schottisch-adligen Clans waren sie mit den Freimaurerlogen Mary’s Chapel und Mother Kilwinning verbunden, die als die beiden ältesten noch existenten Logen der Welt gelten. (Quelle)

Markgraf Frederick Hamilton-Temple-Blackwood (1826-1902) war zu seiner Zeit einer der wichtigsten Diplomaten der britischen Elite. Er wurde Generalgouverneur von Kanada (Kolonialherr) und Vizekönig von Indien. Er wurde in den Privy Council aufgenommen.

Markgraf John Hamilton-Gordon (1847-1934) war ebenfalls Generalgouverneur von Kanada und Privy Council Mitglied.

Baron Arthur Hamilton-Gordon (1829-1912) war ein bedeutender Kolonialverwalter:

  • Er war Vizegouverneur der kanadischen Provinz New Brunswick.
  • Er war Gouverneur der Inseln Trinidad, Fidschi und Mauritius.
  • Er war Gouverneur von Neuseeland.
  • Er war Gouverneur von Ceylon (heutiges Sri Lanka).

Alexander MacDonald „Alistair“ Hamilton (1925-2012) war stellvertretender Vorsitzender der Royal Bank of Scotland, die seit 1727 besteht und somit zu den ältesten noch existierenden Banken der Welt gehört. Sie ist bis heute eine der grössten Banken der Welt.

Vizegraf Gustavus Hamilton-Russell (1931-1995) war Direktor der National Westminster Bank, eine der grössten britischen Banken, die seit dem Jahr 2000 zur Royal Bank of Scotland gehört.

Sir Denis Hamilton (1918-1988) wurde 1959 Herausgeber der Sunday Times und später Chefredakteur und Vorsitzender der Times. Er war sechs Jahre lang Vorsitzender von Reuters, der grössten Nachrichtenagentur der Welt. Zudem war er fünf Jahre lang Präsident des International Press Institute, einer global agierenden Medienorganisation, bestehend aus Redakteuren und hochrangigen Journalisten. Es ist aber kein Stammbaum vorhanden und daher ist unklar, ob er aus dem Hamilton Clan kommt. Er war Mitglied der Pilgrims Society, ein angloamerikanisches Elitenetzwerk, in der auch schottische Clans vertreten sind. Die Gesellschaft wird von der britischen Königsfamilie geführt, die auch familiär mit den schottischen Clans verbunden ist. Denis Hamilton wurde zum Ritter geschlagen.

Baron Archie Hamilton (*1941) ist ein britischer Politiker, der in den Privy Council aufgenommen wurde. Er war Mitglied des Intelligence and Security Committee, ein gesetzlicher Ausschuss des britischen Parlaments, der damit beauftragt ist, die Arbeit der britischen Geheimdienste zu überwachen. Er heiratete in den schottischen Napier Clan.

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