Thyssen Familie

Die Thyssen Familie gehörte zu den reichsten und mächtigsten deutschen Industriellen des 20. Jahrhunderts. Über Heiraten gehören heute Teile der Familie zum Adel und sind unter anderem mit dem österreichisch-ungarischen Adel verbunden. Durch die Heiraten waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Hauptaktionäre des Thyssenkonzerns zugleich ungarische Adlige.

Friedrich Thyssen (1804-1877) ist der Stammvater der Unternehmerdynastie. Er gründete mit Bekannten eine Drahtfabrik. Später gehörte er zu den Mitgründern des Bergbau- und Metallunternehmens Stolberger Zink AG. Zu dessen Gründern gehörte auch die Bank der Oppenheim Familie sowie die Familien Suermondt und Cockerill. Die beiden letzteren waren erfolgreiche Unternehmerfamilien, die auch familiär miteinander verbunden waren. Beide heirateten in die Unternehmerfamilie Haniel, die schon seit über 100 Jahren zu den reichsten Deutschen gehört.

Friedrich Thyssens Söhne wurden zu einflussreiche Industriellen. Sie machten ein Vermögen in der deutschen Stahl- und Kohleindustrie. Die Familie gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den reichsten Familien Deutschlands (Quelle). Früher war Stahl wertvoller als heute und die führenden Stahlunternehmer gehörten zu den reichsten der Welt. Stahl ist aber nach wie vor systemrelevant, allein schon wegen der Rüstungsindustrie.

Thyssen und die NS-Diktatur

Fritz Thyssen

Fritz Thyssen (1873-1951) war ein Förderer der NSDAP:

  • Er war bereits 1923 mit Hitler und der NSDAP verbunden und förderte diese finanziell, also bereits 10 Jahre vor der Machtübernahme Hitlers.
  • 1931 nahm er am am Treffen der Harzburger Front teil, ein profaschistisches Bündnis.

(Quelle)

  • Zu den Teilnehmern der Harzburger Front gehörte auch Carl Eduard von Sachsen-Coburg-Gotha. Er war ein Enkel der britischen Queen Victoria. Sein Vater, Prinz Leopold, war Freimaurer und Provinzial-Grossmeister von Oxfordshire sowie Senior Grand Warden der englischen Grossloge (Quelle). Wenige Wochen nach dem Treffen gründete Carl Eduard die „Gesellschaft zum Studium des Faschismus“. Diese Organisation hatte sich das Ziel gesetzt, die Erfahrungen des italienischen Faschismus auf Deutschland zu übertragen und eine Einheit der politischen Rechten zu organisieren. Fritz Thyssen wurde Mitglied der Gesellschaft sowie auch der Industrielle Günther Quandt und der Bankier Hjalmar Schacht (Freimaurer und Freund des britischen Zentralbankenchefs Montagu Norman).

(Quelle)

  • Fritz Thyssen ermöglicht es Hitler, 1932 im Industrieklub Düsseldorf eine Rede zu halten vor den führenden Repräsentanten der Wirtschaft, um für sein politisches Programm zu werben.
  • Er war einer der Unterzeichner der Industrielleneingabe, ein an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gerichteter Brief, der von 20 führenden Vertretern der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft unterzeichnet war. Darin forderten sie den Reichspräsidenten auf, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Zu den Unterzeichnern gehörten auch Hjalmar Schacht, Kurt von Schröder und Erwin Merck.
  • Er war Mitglied des Generalrats der Wirtschaft, ein kurzlebiges Gremium das nur einmal tagte (am 20. September 1933). Es bestand aus hochrangigen deutschen Bankiers und Industriellen, welche die NSDAP Führung und Hitler bei ihren Zukunftsplänen beriet. Zu den Teilnehmern gehörten auch Schröder, SiemensBosch, Krupp und Finck.

(Quelle)

Bereits nach der Machtübernahme verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Fritz Thyssen und Hitler. 1939 wandte sich Fritz Thyssen endgültig von Hitler ab. 1940 wurde er verhaftet und war bis Kriegsende interniert. Anschliessend wurde er noch bis 1948 von den Alliierten gefangen gehalten und wurde dann bei der Entnazifizierung als Minderbelasteter eingestuft.

Vereinigte Stahlwerke

Die Thyssen Familie gehörte 1926 zu den Gründern der Vereinigte Stahlwerke AG und besass 26% des Konzerns. Ab den 1930er Jahren gehörten die Vereinigte Stahlwerke zu den grössten deutschen Unternehmen und wuchsen zum weltweit zweitgrössten Stahlkonzern heran. Sie gehörten zugleich zu den grössten Kohleproduzenten Deutschlands. Als Stahl- und Kohlekonzern profitierten die Vereinigten Stahlwerke von der Aufrüstungspolitik der Nazis (die Nazis stellten Treibstoff aus Kohle her, da sie kaum Öl hatten).

Fritz Thyssen war von 1926 bis 1939 Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns. Sein Bruder Heinrich war ebenfalls im Aufsichtsrat. Der Vorstand wurde in der NS-Zeit von Albert Vögler und Ernst Poensgen geführt. Ernst kam aus der Poensgen Familie, die bereits seit dem 15. Jahrhundert als Eisenhersteller tätig war. Albert Vögler war ein Naziunterstützer:

  • 1919 wurde er Mitglied der „Wirtschaftsvereinigung zur Förderung der geistigen Wiederaufbaukräfte“. Die nationalkonservative Wirtschaftsvereinigung bestand aus Stahl- und Bergbauunternehmern. Sie finanzierten massgeblich den Medienkonzern von Alfred Hugenberg, der ebenfalls Mitglied war. Sein Medienkonzern kontrollierte die Hälfte der deutschen Presse. Mit seiner nationalistischen und antisemitischen Propaganda gilt Hugenberg als einer der wichtigsten Förderer der Nazis zur Zeit der Weimarer Republik.
  • Albert Vögler war im Vorstand des 1922 gegründeten Vereins Gäa. Dieser bestand zum Grossteil aus deutschen Adligen. Auch Alfred Hugenberg war Mitglied. Der Verein finanzierte rechte Propaganda. Er wurde nach Hitlers Machtübernahme aufgelöst.
  • Ab 1931 spendete Albert Vögler persönlich an die NSDAP.
  • Er gehörte zum Keppler-Kreis, eine Gruppe von deutschen Industriellen und Bänkern mit dem Ziel, Einfluss auf die Wirtschaftspolitik des dritten Reiches zu nehmen. Auch der Bankier Kurt von Schröder war Mitglied, der ebenfalls ein wichtiger Förderer Hitlers war.
  • Er nahm am Geheimtreffen vom 20. Februar 1933 teil. Bei dem Treffen spendeten deutsche Industrielle 3 Millionen Reichsmark an die NSDAP, welche die finanziellen Probleme der Partei löste. Zu den Teilnehmern gehörten die wichtigsten (nicht jüdischen) Akteure der damaligen deutschen Wirtschaftselite, darunter auch Krupp, Quandt, von Finck, Flick, von Opel, von Schnitzler sowie Hjalmar Schacht (bekennender Freimaurer der unter Hitler die deutsche Zentralbank leitete und mit Montagu Norman befreundet war, dem damaligen Gouverneur der britischen Zentralbank). Auch Ludwig von Winterfeld gehörte zu den Teilnehmern (er war im Vorstand von Siemens und hatte in die Siemens Familie geheiratet).
  • Von 1941 bis 1945 war er Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. In dieser Zeit betrieb die Gesellschaft Rüstungsforschung und war in die Menschenversuche in den Konzentrationslagern involviert (Quelle).

Albert Vögler beging 1945 zu Kriegsende Suizid.

Die Vereinigte Stahlwerke AG wurde wie gesagt von Fritz Thyssen, Albert Vögler und Ernst Poensgen geführt. Die drei gehörten zur Ruhrlade, einer Vereinigung der zwölf einflussreichsten Ruhrindustriellen. Sie existierte von 1928 bis 1939.

Die Vereinigte Stahlwerke AG sowie Thyssens eigenes Unternehmen beschäftigten Zwangsarbeiter. Die Anzahl ist scheinbar unbekannt (ich hab zumindest keine zahlen gefunden). Bei den anderen Grosskonzernen ist die ungefähre Anzahl Zwangsarbeiter bekannt. Die Vereinigte Stahlwerke AG war damals eines der grössten deutschen Unternehmen, daher erscheint es seltsam das es keine genaue Zahlen gibt. Auf den Werksgeländen von Thyssen in Duisburg gab es 22 „Ausländerlager“ (Quelle).

RWE

August Thyssen (1842-1926) arbeitete viel mit Hugo Stinnes zusammen, der als einer der mächtigsten Industriellen der Weimarer Republik gilt. Gemeinsam gründeten sie 1898 ein Elektrizitätswerk, aus dem sich der heutige Energieversorgungskonzern RWE entwickelte. Hugo Stinnes war ein enger Vertrauter des oben erwähnten Albert Vöglers, der auch zum Aufsichtsrat des RWE-Konzerns gehörte.

RWE beschäftigte Zwangsarbeiter und profitierte von der Aufrüstungspolitik der Nazis.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört RWE zu den grössten deutschen Unternehmen.

Bremer Vulkan

Von 1919 bis in die 1970er Jahren war die Thyssen Familie Aktionär des deutschen Schiffbaukonzerns „Bremer Vulkan“. Das Unternehmen bestand bis 1997 und stellte auch Schiffe fürs Militär her. In den 1930er Jahren besass Heinrich Thyssen-Bornemisza 80 Prozent der Vulkan-Aktien. Bremer Vulkan stellte Kriegsschiffe und U-Boote für die Nazis her. 1943 erklären die Nazis das Unternehmen zum „nationalsozialistischen Musterbetrieb“, das zu der Zeit auch Zwangsarbeiter beschäftigte. (Quelle)

Verbindungen in die USA

Fritz Thyssen gehörte 1926 zu Hauptgründern eines Wirtschaftskartells der Stahlindustrie, das als Internationales Stahlkartell bekannt wurde und bis zum Kriegsausbruch 1939 bestand. Zum Kartell gehörten auch die führenden Stahlkonzerne der USA.

Die Thyssen Familie hatte in den 1930er Jahren engen geschäftlichen Kontakt zur Union Banking Corporation (UBC), eine US-amerikanische Bank. Zur dessen Führung gehörte in dieser Zeit Prescott Bush. Sein Sohn und Enkel waren die beiden US-Präsidenten aus der Bush Familie. Prescott Busch kannte die US-amerikanische Harriman Familie und gehörte zur Führung ihrer Privatbank „Brown Brothers Harriman & Co.“ (BBH), die mit der UBC verbunden war. Ausschnitte aus einem 2004 erschienen Artikel im Guardian:

Der Guardian hat Beweise dafür gesehen, dass Bush der Direktor der in New York ansässigen Union Banking Corporation (UBC) war, die Thyssens US-Interessen vertrat, und er arbeitete nach dem Kriegseintritt Amerikas weiter für die Bank. Bush war auch im Vorstand von mindestens einem der Unternehmen, die Teil eines multinationalen Netzwerks von Frontunternehmen waren, damit Thyssen Vermögenswerte auf der ganzen Welt bewegen konnte. Thyssen besaß das größte Stahl- und Kohleunternehmen in Deutschland und wurde reich an Hitlers Bemühungen, sich zwischen den beiden Weltkriegen wieder zu bewaffnen. Eine der Säulen im internationalen Unternehmensnetz von Thyssen, UBC, arbeitete ausschließlich für eine von Thyssen kontrollierte Bank in den Niederlanden und war im Besitz dieser. Verlockender sind Bushs Verbindungen zur Consolidated Silesian Steel Company (CSSC) mit Sitz im mineralreichen Schlesien an der deutsch-polnischen Grenze. Während des Krieges nutzte das Unternehmen die Sklavenarbeit der Nazis aus den Konzentrationslagern, einschließlich Auschwitz. Das Eigentum an CSSC wechselte in den 1930er Jahren mehrmals den Besitzer, aber Dokumente aus dem im letzten Jahr freigegebenen US-Nationalarchiv verbinden Bush mit CSSC, obwohl nicht klar ist, ob er und UBC noch in das Unternehmen involviert waren, als Thyssens amerikanische Vermögenswerte 1942 beschlagnahmt wurden.

Margit von Batthyány

Gräfin Margit von Batthyány (1911-1989) kam väterlicherseits aus der Thyssen Familie. Wie ihr Vater heiratete sie in eine ungarische Adelsfamilie. In ihrem Schloss in Österreich beherbergte Gräfin Margit im Zweiten Weltkrieg Mitglieder der Waffen-SS zur Erholung. Sie hatte Affären mit ranghohen Nazis. Vom 24. auf den 25. März 1945 veranstaltete sie eine Party. Mehrere Partygäste beteiligten sich noch in der selben Nacht persönlich am Massaker von Rechnitz. Sie ermordeten etwa 200 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter in der Nähe des Schlosses (Quelle).

Thyssen in den letzten 70 Jahren

Auch in der Nachkriegszeit gehörte die Familie zu den führenden Stahlunternehmern Deutschlands. Seit 1997 war ihr Stahlkonzern (Thyssen AG) unabhängig von der Familie. 1999 fusionierte die Thyssen AG mit der Friedrich Krupp AG. Diese wurde von der Krupp Familie kontrolliert, die im 20. Jahrhundert neben der Thyssen Familie die mächtigsten deutschen Stahlunternehmer waren. Durch die Fusion entstand Thyssenkrupp, der heute der grösste Stahlhersteller Deutschlands ist. Er ist nach Produktion der fünfgrösste europäische Stahlkonzern. Derzeit besitzt die Stiftung der Krupp Familie 21% der Anteile und ist somit Hauptaktionär des Konzerns.

Heinrich Thyssen (1875-1947) heiratete in die ungarische Adelsfamilie Bornemisza de Kászon. Er liess sich von seinem Schwiegervater adoptieren, nahm dessen Familiennamen an und war ab da Baron. So entstand der Familienzweig Thyssen-Bornemisza.

Die letzten beiden Familienmitglieder, die an der Thyssen AG beteiligt waren (Frederico und Claudio), kamen väterlicherseits ebenfalls aus dem ungarischen Adel. Somit wurde die Thyssen AG in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von ungarischen Adligen kontrolliert.

1987 wurde Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemiszas (1921-2002) Vermögen auf 1 bis 2 Milliarden US-Dollar geschätzt und er gehörte damit zu den reichsten Deutschen. Damals besass offiziell noch niemand mehr als 20 Milliarden US-Dollar (Quelle). Er lebte seit 1950 in der Schweiz.

Von 1987 bis 2002 war die Familie Thyssen-Bornemisza als Milliardäre auf der Reichenliste des Forbes Magazin.

1959 gründete die Familie die „Fritz Thyssen Stiftung“. Diese gehört heute zu den reichsten deutschen Stiftungen und besitzt ein Vermögen von 537 Millionen Euro (Quelle).

Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza (1921-2002) war Mitglied der Stiftung „The 1001: A Nature Trust“, welche den WWF kontrolliert. Zum 1001 Club gehörten oder gehören noch immer Mitglieder der Familien Rockefeller, Rothschild, Loudon, Oppenheimer, Agnelli, Astor, Ford, Siemens, Hoffmann, Bin Ladin und weitere superreiche sowie einige Königsfamilien. (Quelle)

Die August-Thyssen-Bank, die bis 1961 existierte, war 1956 Mitgründer der DWS Group, die heute zu den grössten Vermögensverwaltern Deutschlands gehört. Zu den Mitgründern gehörten auch die Deutsche Bank, Oppenheim, Metzler, Donner, Delbrück und Schröder.

Baron Georg Thyssen-Bornemisza (*1950) ist Vorsitzender der schweizerischen Holding „Thyssen-Bornemisza Group“ (TBG), die Wetter- und Datenanalyseunternehmen besitzt.

Baron Lorne Thyssen-Bornemisza (*1963) führt ein eigenes kleines Ölunternehmen (Thyssen Petroleum) mit Sitz in Texas (Quelle). Er lebt in Grossbritannien.

Heiraten und Verbindungen zum Adel

Die Familie heiratete in mehrere Adelsfamilien. Sie sind vor allem mit dem österreichisch-ungarischen Adel verbunden.

Heinrich Thyssen (1875-1947) heiratete, wie bereits erwähnt, in die ungarische Adelsfamilie Bornemisza de Kászon.

Francesca Thyssen-Bornemisza (*1958) war mit Karl Habsburg-Lothringen verheiratet, dem derzeitigen Oberhaupt der österreichischen Königsfamilie.

Bodo Thyssens (1918-2004) Stieftochter Gabriele (*1963) heiratete erst Prinz Karl Emich von Leiningen-Romanov. Väterlicherseits stammt er aus der Uradelsfamilie Leiningen und mütterlicherseits aus der Uradelsfamilie Oldenburg. Leiningen und Oldenburg gehören zum Hochadel. Er ist ein Nachkomme der russischen Zarenfamilie. Karl Emich und der russische Politiker Anton Bakow haben sich das Ziel gesetzt in Russland die Monarchie wiedereinzuführen mit Karl Emich als König (Quelle). Gabriele heiratete in zweiter Ehe Karim Aga Khan IV., der derzeit das geistliche Oberhaupt der Nizariten ist (die weltweit zweitgrösste schiitische Glaubensgemeinschaft). Gabriele besuchte zusammen mit ihrer Mutter Renate Thyssen-Henne den 70. Geburtstag des deutschen Medienunternehmers Hubert Burda. Auf der Geburtstagsparty waren auch Kanzlerin Angela Merkel sowie die Milliardäre Wolfgang Porsche, Ferdinand Piëch und Friede Springer. (Quelle: Auf den Fotos)

Gabriella Thyssen-Bornemisza (*1915) heiratete in die niederländische Uradelsfamilie Bentinck. Ihre Tochter Henrietta (1949-2010) heiratete erst den britischen Markgrafen Spencer Compton. Dieser war Freimaurer und Pro-Grossmeister der Freimaurergrossloge von England, die als die älteste Grossloge der Welt gilt. Ein Pro-Grossmeister wird ernannt wenn der Grossmeister aus der Königsfamilie kommt. Der Pro-Grossmeister übernimmt die Rolle des Grossmeisters, wenn dieser aufgrund seiner königlichen Pflichten nicht zur Verfügung steht. Spencer Compton war somit der Stellvertreter von Prinz Edward von Kent, der noch heute der Grossmeister der englischen Freimaurer ist (Quelle). Henrietta heiratete auch in die niederländische Boissevain Familie, die von Hugenotten abstammt und mehrere Bankiers hervorbrachte. Henriettas Bruder Carel (*1957) heiratete in die Picciotto Familie. Diese lebt in der Schweiz, kommt ursprünglich aus dem Libanon und Syrien und hat sephardisch-jüdische Wurzeln. Die Picciotto Familie ist schon seit 400 Jahren (10 Familiengenerationen) im Finanzwesen tätig (Quelle). Sie sind Milliardäre und führen die schweizer Privatbank Union Bancaire Privée (Quelle).

Hedwig Thyssen (1878-1960) heiratete in die niedersächsische Adelsfamilie Berg. Ihre Tochter Mignon (1917-1958) heiratete in die österreichische Uradelsfamilie Wurmbrand-Stuppach. Die Tochter Maximiliane (1908-2004) war viermal verheiratet. Sie heiratete in die österreichische Adelsfamilie Sessler. Sie heiratete zudem Ernst Cassinone. Dessen Mutter Marie heiratete in zweiter Ehe in die Siemens Familie, die zu den wichtigsten deutschen Industriellenfamilien gehört. Maximiliane heiratete in vierter Ehe Adalbert Orgovanyi-Hanstein. Ihre Enkelin Diana heiratete den Sohn des tschechischen Politikers Karel (Karl VII.) Schwarzenberg. Karel war Aussenminister der Tschechischen Republik. Von 2009 bis 2015 war er Vorsitzender der 2009 gegründeten Partei TOP 09, die 2010 die drittstärkste Partei Tschechiens war. Karel kommt aus dem böhmisches Uradelsgeschlecht Schwarzenberg (Quelle). Das ist daher interessant, da das Königreich Böhmen das heutige Tschechien ausmacht. Der böhmische Adel ist traditionell mit dem österreichischen Hochadel verbunden, der früher über Böhmen herrschte.

Margit Thyssen-Bornemisza (1911-1989) heiratete einen Grafen aus der ungarischen Uradelsfamilie Batthyány. Ihr Grossneffe ist der Schweizer Journalist und Autor Sacha Batthyany. Er war Redaktor bei der NZZ, eine der wichtigsten Zeitungen der Schweiz. Er arbeitete auch für den Tages-Anzeiger und für die Süddeutsche Zeitung.

Anita Thyssen (1909-1990) heiratete einen Grafen aus der ungarischen Adelsfamilie Zichy. Anita war Hauptaktionärin der Thyssen AG. Ihre Söhne (somit ebenfalls Adlige) waren die letzten Familienmitglieder, die an der Thyssen AG beteiligt waren.

Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza (1921-2002) heiratete in erster Ehe in die Uradelsfamilie Lippe. In zweiter Ehe heiratete er das britische Model Nina Dyer. Nina heiratete in zweiter Ehe in die persische Milliardärsfamilie Aga Khan. Diese sind die geistlichen Oberhäupter der Nizariten (die weltweit zweitgrösste schiitische Glaubensgemeinschaft) und sind traditionell mit der britischen Elite verbunden. Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza heiratete in dritter Ehe das Model Fiona Frances Elaine Campbell-Walter. Ihr Grossvater mütterlicherseits war ein Baron aus dem schottischen Campbell Clan. Hans heiratete in vierter Ehe die Tochter eines brasilianischen Bankiers. In fünfter Ehe heiratete er Carmen Cervera, die heute noch zu den reichsten Frauen Spaniens gehört (Quelle).

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