Norman Familie

Die Norman Familie gehört seit dem 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Familien der britischen Finanzelite. Sie waren/sind mit vielen alten britischen Bankiersfamilien und Adelsfamilien verbunden. Ihr bekanntester Vertreter war Montagu Norman (1871-1950).

1. Generation

George Warde Norman (1793-1882) war der Sohn eines englischen Kaufmanns, der im norwegischen Holzhandel tätig war. Von 1821 bis 1872 war George Direktor der Bank of England, welche bis heute die britische Zentralbank ist, aber zeitweise auch privatwirtschaftlich aktiv war. Er leitete damit ein halbes Jahrhundert lang die mächtigste Zentralbank der damaligen Zeit. Die Bank of England wurde 1694 gegründet und untersteht seither der britischen Krone. Von 1830 bis 1864 war er auch Direktor der Sun Insurance (heutige RSA Insurance), ein britisches Versicherungsunternehmen. Einer ihrer Vorgänger wurde 1710 gegründet und gilt damit als das älteste Versicherungsunternehmen der Welt. Der andere Vorgänger wurde von der Rothschild und der Montefiore Familie gegründet.

2. Generation

Einer seiner Söhne war Charles Norman (1833-1889). Dieser war von 1853 bis zu seinem Tod Partner bei der britischen Barings Bank, die zu der Zeit eine der grössten Banken der Welt war. Er kannte somit ziemlich sicher die Baring Familie, die damals zu den reichsten und mächtigsten Bankiers der Welt gehörten und in den britischen Adel aufgenommen wurden.

Charles Bruder war Frederick Norman (1839-1916). Dieser war Direktor der britischen Bank Brown Shipley, welche von der britischen Brown Familie gegründet wurde, die in den britischen Adel aufgenommen wurde. Sie gründeten im Jahr 1800 „Alex. Brown & Sons“, die erste Investmentbank der USA. 1818 gründeten sie die US-Bank Brown Bros. & Co., die älteste noch existente Privatbank der USA. Diese fusionierte 1931 mit der Bank der Harriman Familie zu „Brown Brothers Harriman & Co.“, die seither eine der grössten Privatbanken der USA ist. Frederick war auch Partner der nicht mehr existenten Martins Bank, die von der Martin Familie gegründet wurde, die zu den frühen Londoner Goldschmieden gehörten und im 16. Jahrhundert im Londoner Finanzwesen aktiv wurde. Frederick heiratete die Tochter des Barons Mark Collet, der Partner der Bank Brown Shipley war und von 1887 bis 1889 der Gouverneur der Bank of England war.

Die beiden Schwestern der Norman Brüder heirateten in die Bonham Carter Familie, die seit dem 19. Jahrhundert mehrere britische Politiker und Bankiers hervorbrachte. Die Familie heiratete in mehrere schottische Clans. Sie heirateten auch in die Bankiersfamilie Baring.

3. Generation

Einer der Söhne Fredericks war Montagu Norman (1871-1950), der zu den wichtigsten oder zumindest verhaltensauffälligsten Akteuren der britischen Elite gehörte. Er spielte eine sehr wichtige Rolle in der Zeit vor und während des 2. Weltkrieges. Von 1920 bis 1944 war er Gouverneur der Bank of England. Der Gouverneur ist die höchste Postion bei der Bank of England. Wie bereits erwähnt war sein Onkel bereits Gouverneur und sein Grossvater Direktor der Bank of England. Das Wall Street Journal bezeichnete Montagu Norman als „Währungsdiktator Europas“. Er arbeitete wie sein Vater für die Martins Bank und Brown Shipley. Er arbeitete zudem für die US-Bank „Brown Bros. & Co.“. 1923 wurde Montagu in den Privy Council aufgenommen, welcher der Geheimrat der britischen Königsfamilie ist. 1944 wurde er zum Baron geadelt.

Montagu Norman war ein enger Freund des deutschen Zentralbankpräsidenten Hjalmar Schacht, der zwischen 1934 und 1937 in Hitlers Regierung als Präsident der Reichsbank und als Wirtschaftsminister tätig war. Schacht war bereits in den 20 Jahren vor der Machtübernahme Hitlers eine führende Persönlichkeit im deutschen Finanzwesen. Montagu war der Pate eines Enkelkindes von Schacht.

Hjalmar Schacht war ein wichtiger Förderer Hitlers. Er war 1932 einer der Unterzeichner der Industrielleneingabe, ein an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gerichteter Brief, der von 20 führenden Vertretern der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft unterzeichnet war. Darin forderten sie den Reichspräsidenten auf, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Schacht war am „Geheimtreffen vom 20. Februar 1933“ anwesend. Bei dem Treffen spendeten deutsche Industrielle 3 Millionen Reichsmark an die NSDAP, welche die finanziellen Probleme der Partei löste. Er gehörte auch zum Keppler-Kreis, eine Gruppe von deutschen Industriellen und Bänkern mit dem Ziel, Einfluss auf die Wirtschaftspolitik des dritten Reiches zu nehmen.

Montagu Norman und Schacht gehörten zwischen 1933 und 1945 zum Leitungsgremium der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), welche eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des deutschen Naziregimes spielte und am Goldraub der Nazis beteiligt war. Schacht nahm 1929 bereits an einer Expertenkommission Teil, die die Gründung der BIZ plante. Die BIZ ist bis heute eine der einflussreichsten Instanzen der Finanzelite und gilt als Zentralbank aller Zentralbanken. Neben Montagu und Schacht war zu der Zeit auch Kurt Freiherr von Schröder in der Leitung der BIZ. Dieser gehörte ebenfalls zu den wichtigsten Förderern Adolf Hitlers und stammte aus der deutsch-britischen Bankiersfamilie Schröder, die traditionell mit dem britischen Königshaus verbunden ist. Kurt Freiherr von Schröder war wie Schacht Mitglied des Keppler-Kreises und gehörte ebenfalls zu den Unterzeichnern der Industrielleneingabe.

Die Bank of England, die damals von Montagu Norman geleitet wurde, half beim Verkauf von Nazigold, das von den Nazis aus der damaligen Tschechoslowakei geraubt wurde. Dies geschah gegen die Anordungen der britischen Regierung, die alle tschechischen Besitztümer eingefroren hatte, die sich zur betreffenden Zeit in London befanden. (Quelle)

Montagu Norman und Schacht waren beide Mitglied der Anglo-German Fellowship, eine britische Organisation die von 1935 bis 1939 bestand. Sie diente dem diplomatischen Austausch der britischen Regierung und dem deutschen Naziregime, aber auch dem Austausch der Wirtschafts- und Finanzelite der beiden Länder. Auch für Unternehmen war eine Mitgliedschaft möglich. Grosse britische Unternehmen und Banken traten der Organisation bei und unterstützten sie. Auch die traditionell jüdische US-Bank Lazard war Mitglied in der Organisation sowie die britischen Grossbanken Barclays und Lloyds.

Die deutsche Schwesterorganisation der Anglo-German Fellowship war die Deutsch-Englische Gesellschaft. In dieser waren der deutsche Adel und die deutsche Wirtschafts- und Finanzelite sowie einzelne NSDAP Mitglieder vertreten. Joseph Goebbels war Ehrenmitglied. Auch der bereits erwähnte Bankier Kurt Freiherr von Schröder war Mitglied. Ehrenvorsitzender und Präsident der Gesellschaft war der deutsche Adlige Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, der einer der wichtigsten Förderer Hitlers und der NSDAP war. Er war ein Enkel der britischen Königin Victoria. Er war zudem der Gründer der „Gesellschaft zum Studium des Faschismus“ in der auch Hjalmar Schacht Mitglied war. Die Gesellschaft wurde 1931 gegründet und hatte sich das Ziel gesetzt eine faschistische Diktatur in Deutschland zu errichten. Schacht war übrigens mütterlicherseits ebenfalls adliger Abstammung.

Hjalmar Schacht gehörte zu den Angeklagten im Nürnberger Prozess, wurde aber in allen Anklagepunkten freigesprochen. Schacht war Freimaurer und wurde 1906 in die Berliner Freimaurerloge „Urania zur Unsterblichkeit“ aufgenommen. Auch nach der zwangsweisen Auflösung der Freimaurerlogen im Dritten Reich bekannte er sich öffentlich zum Freimaurerei. 1949 (also nach dem Krieg) trat er der Hamburger Freimaurerloge „Zur Brudertreue an der Elbe“ bei. Ausserdem war er 1930 der „Gesellschaft der Freunde“ beigetreten, die aus der jüdisch-deutschen Elite bestand. Auch Bankiers aus den jüdischen Familien Oppenheim, Goldschmidt, Stern und Bleichröder waren Mitglieder. Die Mendelsson Familie war mit mindestens 11 Mitgliedern am zahlreichsten vertreten und gehörte zu den Gründern der Gesellschaft. Die Gesellschaft bestand von 1792 bis zu ihrem Verbot 1935. Obwohl Hitler und die NSDAP-Führung die Freimaurer und die jüdischen Bankiers als ihren Erzfeind betrachteten, nahm Hjalmar Schacht bis 1937 führende Positionen im Naziregime ein. Dass er persönlichen Kontakt zu wohlhabenden Juden und Freimaurern sowie Kontakte zur britischen Finanzelite hatte, in der ja traditionell Freimaurer und Juden vertreten sind, scheint die Nazis erst nicht gross gestört zu haben und sie vertrauten ihm gar die Leitung des deutschen Finanzsystems und der deutschen Wirtschaft an. Schacht wurde erst 1944 von der Gestapo verhaftet, weil er angeblich Kontakt zu den Attentätern des Attentats vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler hatte.

Montagu Norman war Mitglied der Pilgrims Society, ein angloamerikanisches Elitenetzwerk das von der britischen Königsfamilie geführt wird. Über die Gesellschaft kannte er auch elitäre Familien wie Rockefeller, Morgan und Astor, aber auch jüdische Bankiersfamilien wie Rothschild, Warburg, Schiff und Speyer. Rockefeller und Morgan unterstützten definitiv die Pläne von Montagu Norman und Hjalmar Schacht. Ob die jüdischen Bankiersfamilien die Aktivitäten ihrer nichtjüdischen Bekannten in Deutschland gut hiessen oder ablehnten ist leider nicht bekannt. Vor, während und nach dem Krieg verurteilten diese zwar die Kriegsverbrechen und die Judenverfolgung der Nazis, äusserten sich aber nie zu den Aktivitäten der angloamerikanischen Elite in den 1930er Jahren (die sie ja bestens kannten). Die Ereignisse des 2. Weltkriegs haben das Verhältnis der jüdischen Bankiers zur angloamerikanischen Elite scheinbar nicht verschlechtert, obwohl die Juden eigentlich gute Gründe gehabt hätten auf diese Sauer zu sein. Nach dem Krieg übergab der britische Adel seine Kolonie Palästina dem jüdischen Volk. Dies wurde schon 1917 beschlossen (Balfour-Deklaration), aber erst 1948 umgesetzt. Anfangs gab es einfach viel zu wenig Juden in Palästina und sie hätten sich niemals wirtschaftlich, militärisch und politisch in der (muslimischen) Region über längere Zeit halten können. Mit den jüdischen Flüchtlingen des 2. Weltkrieges hatte sich das Problem gelöst. Viele europäischen Juden sahen vor dem Aufstieg Hitlers auch keinen Grund in ein fernes Land zu ziehen, während nach dem Krieg viele Juden das Vertrauen in die Europäer verloren haben und gar nicht dorthin zurückkehren wollten. Antisemitismus wurde in den 1920er und 1930er Jahren in ganz Europa und Nordamerika von elitären Kreisen gefördert wie z. B. von Herny Ford, der mit seinem Buch „Der internationale Jude“ der Theorie der „jüdisch-kommunistischen Weltverschwörung“ zu grossem Aufschwung verhalf, die grossen Einfluss auf die spätere NSDAP Führung hatte. Henry Ford war Freimaurer. Er war Mitglied in den Freimaurerlogen Zion No 1 in Michigan, USA und Palestine Lodge No. 357 in Detroit, USA (Quelle). Den Namen nach könnten es jüdische Logen sein. Ein weiterer wichtiger Förderer des Antisemitismus waren die deutsche Mohn Familie, die wichtigsten Verleger im dritten Reich. Liz Mohn erhielt 2008 einen Preis für ihr Engagement bei der Förderung der deutsch-israelischen Beziehungen. Der Preis bekam sie von der Antlantik-Brücke, ein einflussreicher deutscher Think Tank der vom jüdischen Finanzier Eric M. Warburg gegründet wurde. Aber auch Teile des britischen Adels förderten in den 1930er Jahren über die „British Union of Fascists“ mit Unterstützung des geadelten Mediemoguls Harold Harmsworth den Antisemitismus, obwohl der britische Adel eigentlich der judenfreundlichste Adel der letzten 300 Jahren war. Harolds Bruder Alfred Harmsworth kannte einige Rothschilds. Der niederländische Öl-Oligarch Henri Deterding, der zu den reichsten Menschen der Welt gehörte, war ebenfalls Unterstützer des Faschismus. Über den Ölkonzern Shell arbeitete er eng mit dem jüdischen Unternehmer Marcus Samuel zusammen. Der adlige Bernhard zur Lippe-Biesterfeld, der in die niederländische Königsfamilie heiratete, war ebenfalls mit der NSDAP verbunden. Er ist der Hauptgründer der Bilderberg-Treffen und des 1001 Trusts, wo auch jüdische Familien wie Rothschild vertreten sind. Ob und was das zu bedeuten hat, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Montagu Norman hatte keine Kinder. Sein Bruder war der Bankier Ronald Collet Norman (1873-1963). Ronald war 4 Jahre lang Vorsitzender der BBC, einer der wichtigsten Fernsehsendern der Welt. Ronald heiratete in die englische Adelsfamilie Bridgeman und seine Kinder hatten somit Blut mehrerer Adelsfamilien und schottischer Clans in sich. Die Schwester der beiden war Gertrude Norman (1877-1970). Sie heiratete in den schottischen Balfour Clan (Graf Arthur Balfour war an der Planung der Gründung Israels beteiligt).

4. Generation

Einer der Söhne von Ronald war der Bankier Mark Norman (1910 – 1994). Mark war Geschäftsführer der traditionell jüdischen US-Bank Lazard Brothers. Er war auch Vorsitzender des britischen Tabakkonzerns Gallaher, der heute Teil von Japan Tobacco ist. Seine Schwester Sibell Margaret Norman (1908-2010) heiratete in den englischen Adel.

5. Generation

David Norman (*1941), der Sohn von Mark Norman, war als Unternehmensberater und Geschäftsmann tätig. Er arbeitete für die Investmentholding- und Verwaltungsgesellschaft Norman Resources, die in erneuerbaren Energien, unedle Metallminen, Edelmetallminen sowie in Exploration und Förderung von Öl und Gas investiert. Dem Namen nach könnte sie von David Mark Norman gegründet worden sein. Seine Frau kommt aus einer Adelsfamilie und ist eine Cousine von Baron Reginald Sheffield, welcher der Schwiegervater des britischen Premierministers David Cameron ist.

Patricia Margaret Norman, eine Cousine von David Norman, heiratete in den englischen Adel.

Zur Liste der mächtigsten Familien der Welt

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