Schröder Familie

Die deutsch-britische Schröder Familie gehörte im 19. Jahrhundert zu den reichsten und mächtigsten Bankiersfamilien der Welt.

Die Bank Schroders in London gehörte im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den weltweit grössten Banken. Die Bank befindet sich bis heute in Besitz der Familie Schröder (stand 2019). Heute liegt der jährliche Umsatz der Bank bei nur noch zweieinhalb Milliarden US-Dollar und sie gehört somit nicht mehr zu den führenden Banken. Sie ist aber einer der grössten britischen Vermögensverwaltern und verwaltete 2019 mehr als eine halbe Billion US-Dollar an Kundengeldern. Im Jahr 2011 erstellten Wissenschaftler der ETH Zürich ein Liste der mächtigsten Unternehmen, die den Kern der Weltwirtschaft bilden. Darauf belegte die Schroders Bank Platz 32 und lag somit höher im Ranking als die meisten Grossbanken der Welt (Quelle).

Johann Heinrich Schröder (1784-1883) wurde als Sohn eines Kaufmanns und Bürgermeisters von Hamburg geboren. 1804 zog Johann nach London zu einem Bruder und gründete dort 1818 eine eigene Bank. 1819 folgte eine weitere Bank in Hamburg, wohin Johann schliesslich zurückzog. 1868 wurde er zum preussischen Freiherrn geadelt. Sein Bruder Christian Matthias Schröder (1778-1860) war ebenfalls Kaufmann und zudem Senator von Hamburg. Er gründete zusammen mit anderen deutschen Kaufleuten den „Colonisations-Verein von 1849“, mit dem Ziel eine deutsche Kolonie (das heutige Joinville) in Brasilien zu finanzieren und organisieren. Die Kaufleute durften dem portugiesischen Hochadel Land in Brasilien abkaufen. Unter den Kaufleuten waren auch einige mit britischen Verwandten oder britischen Wurzeln.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich in Hamburg eine Community aus britischen Geschäftsleuten gebildet, während sich in London eine aus Hamburger Geschäftsleuten bildete. Eine wichtige Rolle nahm dabei John Parish ein. Der Schotte emigrierte 1756 nach Hamburg und wurde dort als Kaufmann tätig. Er förderte erst den Handel zwischen Hamburg und England. Nach der Gründung der USA wurde er dort geschäftlich aktiv und förderte die amerikanisch-deutschen Handelsbeziehungen. John Parish wurde zu einem der reichsten Männern der Welt. Seine Kontakte nach England und Nordamerika eröffneten der Hamburger Elite neue Möglichkeiten zu diesen Ländern Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Zudem war seit dem Jahr 1714 eine deutsche Adelsfamilie (Haus Hannover) auf dem britischen Thron, die zugleich den Thron von Hannover besetzte. Dies verbesserte sicherlich die geschäftlichen Beziehungen der deutschen Bankiers zur Kolonialweltmacht Grossbritannien. Im 18. und 19. Jahrhundert zogen viele deutsche Bankiersfamilien nach Grossbritannien sowie Nordamerika und begannen rasch die dortige Finanzindustrie zu dominieren.

John Henry Schröder (1825-1910) war der Sohn von Johann Heinrich Schröder. Er leitete die britische Bank seines Vaters weiter. Durch den erblichen Adelstitel seines Vaters war er ebenfalls preussischer Freiherr. 1892 wurde er von Queen Victoria zum Baron geadelt, aufgrund seiner Dienste zugunsten des königlichen Haushaltes.

Emilie Schröder (1819-1909) aus Hamburg heiratete in die deutsche Bankiersfamilie Donner. Die Donner Familie gründete 1798 die Hamburger Banco, die sich zu einer der führenden Banken Deutschlands entwickelte. Heute firmiert die Bank unter dem Namen Donner & Reuschel und konzentriert sich auf wohlhabende Privatkunden.

Kurt von Schröder und das Naziregime

Kurt Freiherr von Schröder (1889-1966) war ein Urenkel von Johann Heinrich Schröder. Der Bankier war 1932 einer der Unterzeichner der Industrielleneingabe, ein an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gerichteter Brief, der von 20 führenden Vertretern der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft unterzeichnet war. Darin forderten sie den Reichspräsidenten auf, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Am 4. Januar 1933 arrangierte Schröder ein Treffen zwischen Adolf Hitler und dem adligen Politiker Franz von Papen, bei dem Schröder auch dabei war. Bei einem mehrstündigem Gespräch zu dritt einigte man sich auf eine Reichskanzlerschaft Hitlers. Somit kann man das Treffen als die Geburtsstunde des Dritten Reiches betrachten. (Quelle)

Kurt Schröder war Mitglied des Generalrats der Wirtschaft, ein kurzlebiges Gremium das nur einmal tagte (am 20. September 1933). Es bestand aus hochrangigen deutschen Bankiers und Industriellen, welche die NSDAP-Führung und Hitler bei ihren Zukunftsplänen berieten. Zu den Teilnehmern gehörten auch Siemens, Bosch, Finck, Krupp und Thyssen.

Ein Tag nach der Machtübernahme der Nazis trat Schröder in die NSDAP ein und spendete ihr im Laufe der Zeit Millionenbeträge. Er wurde Wirtschaftsberater der NSDAP und SS-Brigadeführer. Er war Mitglied der Deutsch-Englischen Gesellschaft. Die deutsche Organisation zur deutsch-britischen Verständigung bestand von 1935 bis 1939. In der Gesellschaft waren deutsche Adlige und die deutsche Wirtschaftselite sowie einzelne NSDAP-Mitglieder vertreten. Joseph Goebbels war Ehrenmitglied. Ehrenvorsitzender und Präsident der Gesellschaft war Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, der ebenfalls zu den wichtigsten Förderern Hitlers und des Naziregimes gehörte. Er war ein Enkel der britischen Königin Victoria. Sein Vater, der britische Prinz Leopold, war Freimaurer und Provinzial-Grossmeister von Oxfordshire sowie Senior Grand Warden der englischen Grossloge (Quelle). Die Schwesterorganisation der Deutsch-Englischen Gesellschaft war die Anglo-German Fellowship, die von der britischen Elite geführt wurde und ebenfalls der deutsch-britischen Verständigung diente. Die Schröder Familie hatte, wie bereits erwähnt, schon früher deutsch-britische Beziehungen gefördert. Auch zur Zeiten des Naziregimes war ein Teil der Familie in Grossbritannien und der andere Teil in Deutschland sesshaft.

Kurt Freiherr von Schröder war auch Mitglied des deutschen Herrenklubs, ein Klub der damaligen deutschen Elite, die zu der Zeit noch zum grössten Teil aus Adligen bestand. Schröder gehörte zum Keppler-Kreis, eine Gruppe von deutschen Industriellen und Bänkern mit dem Ziel, Einfluss auf die Wirtschaftspolitik der Naziregierung zu nehmen. In der Zeit von 1933 bis 1945 war Schröder zudem in über 30 Aufsichtsräten von deutschen Unternehmen. Schröder gehörte zum Verwaltungsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des Naziregimes spielte und am Goldraub der Nazis beteiligt war. Über den Verwaltungsrat der BIZ kannte er auch Bekannte der Rockefeller Familie. Die BIZ ist bis heute eine der einflussreichsten Instanzen der Finanzelite und gilt als Zentralbank aller Zentralbanken.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Kurt Freiherr von Schröder zu drei Monaten Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt und erhielt eine Geldstrafe von 1500 Reichsmark.

Kurt Schröder heiratete 1913 Ottilie, die väterlicherseits aus der Bankiersfamilie Schnitzler kam und mütterlicherseits aus der Bankiersfamilie Stein. 1921 wurde er Teilhaber der Familienbank „Bankhaus J. H. Stein“, die nach der Machtübernahme Hitlers zu den wichtigsten Geldgeber der NSDAP gehörte und von Schröder geführt wurde. Die Bank war zur Zeit des Naziregimes eng mit dem Flick-Konzern verbunden. Dieser beschäftigte während des 2. Weltkrieges im grossen Stil Zwangsarbeiter. Die Anzahl der Zwangsarbeiter wird auf bis 100 000 geschätzt, wovon mehr als 10 000 infolge der Zwangsarbeit starben (Quelle). Der Konzernchef Friedrich Flick musste nach dem Krieg zwei Jahre ins Gefängnis, aber nach seiner Entlassung stieg seine Familie schnell wieder zu den reichsten und mächtigsten deutschen Familien auf. Auch heute noch gehören sie zu den reichsten Deutschen/Österreicher mit einem Vermögen von 6,2 Milliarden Euro (Quelle). Georg von Schnitzler arbeitete ebenfalls für die Stein Bank und war mit Schröders Frau verwandt. Er gehörte zu den Teilnehmern des Geheimtreffens vom 20. Februar 1933. Bei dem Treffen spendeten deutsche Industrielle 3 Millionen Reichsmark an die NSDAP, welche die finanziellen Probleme der Partei lösten. Zu den Teilnehmern gehörten die wichtigsten (nicht jüdischen) Akteure der damaligen deutschen Wirtschaftselite, darunter auch Quandt, Krupp, Flick, Finck, Opel sowie Hjalmar Schacht (bekennender Freimaurer der unter Hitler die deutsche Zentralbank leitete und mit dem britischen Zentralbankchef Montagu Norman befreundet war) und Ludwig von Winterfeld (gehörte zum Vorstand von Siemens und hatte in die Siemens Familie geheiratet).

Schröders Mutter war in zweiter Ehe mit Carl Heinrich Johann von Merck verheiratet, dem Inhaber der Bank „H. J. Merck & Co.“. Erwin Merck, der ebenfalls bei der Bank arbeitete, gehörte zu den Unterzeichnern der oben bereits erwähnten Industrielleneingabe. Das Pharma- und Chemieunternehmen der Merck Familie unterhielt ab dem Jahr 1942 Zwangsarbeiter (Quelle). Der Aufstieg der Merck Familie zur einer der einflussreichsten deutschen Familien begann, genau wie bei den Schröders, Anfang des 19. Jahrhunderts in Hamburg. Zu der Zeit trat Heinrich Johann Merck den deutschen Freimaurern bei und begann auch Kontakte zu den englischen Freimaurern zu knüpfen (Quelle).

Die Schröders in den letzten 70 Jahren

Der Bankier Baron Bruno Schroder (1933-2019) lebte in Grossbritannien. 2018 wurde sein Vermögen auf 6,2 Milliarden US-Dollar geschätzt (Quelle). Er war Hauptaufseher der Gilde der Goldschmiede. Dies stand bis vor kurzem auf der Website der Gilde, wurde inzwischen aber wieder entfernt. Da Google aber paar Tage braucht bis der Text einer Website nicht mehr über die Google-Suche auffindbar ist, konnte ich einen Screenshot machen:

Die Gilde der Goldschmiede (Worshipful Company of Goldsmiths) wurde 1327 gegründet und gehört zu den sogenannten Livery Companies. Diese einflussreichen Händlergilden entstanden im 14. Jahrhundert und existieren bis heute. Sie sind traditionell mit dem britischen Adel und der City of London verbunden (Londoner Bankenviertel). Bruno Schroder war Mitglied der Pilgrims Society, ein angloamerikanisches Elitennetzwerk, das von der britischen Königsfamilie geführt wird. Er war Mitglied des 1001 Trusts. Diese aus Adligen und Milliardären bestehende Stiftung kontrolliert den WWF. Er war Treuhänder der Winston Churchill Foundation. Dadurch wird er den britischen Prinzen Philip (Mann der Queen) gekannt haben sowie Randolph L.S. Churchill und John Langeloth Loeb Jr. (kommt mütterlicherseits aus der Lehman Familie). (Quelle: Screenshot)

Die Schröders und die Führungskräfte der Schroders Bank haben nach wie vor Kontakt zum britischen Königshaus (Quelle: 1 und 2). Die Bank verwaltet das Vermögen der Queen, zumindest bis zum Jahr 2004 (Quelle).

Die Schröders gründeten 1967 eine Bank in der Schweiz (die gefragteste Steueroase der Welt), die sich auf vermögende Kunden konzentriert.

Die Schroders Bank war 1985 Gründer des Finanzunternehmens Permira, das heute zu den weltweit grössten Private Equity Unternehmen gehört. 2005 belegte Permira Platz 4 auf der Liste der grössten nicht börsennotierten Unternehmen Europas nach Marktkapitalisierung.

Der deutsche Zweig der Schröders gehörte bis in die 1990er Jahre zu den wichtigsten deutschen Privatbankiers. Ihr Bankhaus „Schröder Gebrüder & Co.“ war von 1846 bis 1969 in Betrieb und fusionierte dann mit zwei anderen Banken zu „Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co.“. Diese wurde zur drittgrössten unabhängigen Bank Deutschlands, bis sie 1997 von der UBS übernommen wurde.

1956 gehörte die deutsche Bank der Schröder Familie zu den Gründern der DWS Group, die heute der grösste deutsche Vermögensverwalter ist. Zu den Mitgründern gehörten auch die Deutsche Bank, Oppenheim, Metzler, Donner, Delbrück und Thyssen. 2020 verwaltete die DWS Group 759 Milliarden Euro, also fast eine Billion US-Dollar.

Bemerkenswerte Mitarbeiter der Schroders Bank sind oder waren:

  • Avery Rockefeller
  • Geoffrey Bell: Er war Gründer und Mitglied der Group of Thirty, der wohl mächtigsten Lobbyorganisation der Zentralbanken (wurde von den Rockefellers gestiftet).
  • Frank Cyril Tiarks: Er war Direktor der Bank of England (britische Zentralbank) und gehörte zur Führung der Anglo-Persian Oil Company (heutiger Ölkonzern BP). Er war Mitglied der Anglo-German Fellowship (ein britisch-deutsches Elitennetzwerk das in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg aktiv war)
  • James Wolfensohn: Er war Präsident der Weltbank und gehörte zum Council on Foreign Relations und weiteren Think Tanks. Er war Treuhänder der Rockefeller Foundation und der Brookings Institution (einer der einflussreichsten Think Tanks der Welt).
  • Andrew Knight: Er arbeitete für die Rothschild Bank, schrieb als Journalist für grosse Zeitungen, war Direktor der News Corporation (einer der mächtigsten Medienkonzerne der Welt) und war im Vorstand von Reuters (grösste Nachrichtenagentur der Welt). Er war zudem Gouverneur der Ditchley Foundation, ein mächtiger angloamerikanischer Think Tank.
  • Winfried Bischoff: Er war Vorsitzender der Citigroup und der Lloyds Group (zwei der weltweit grössten Banken). Er arbeitete für die Chase Manhattan Bank der Rockefeller Familie und war in Vorständen mehrerer Grosskonzerne.
  • Graf David Drummond: Er stammte aus dem schottischen Drummond Clan und gehört zu einer der ältesten noch aktiven Bankiersfamilien der Welt.
  • Graf David Ogilvy: Er war Mitglied des Privy Council (Geheimrat der Königsfamilie) sowie höchster Beamte des königlichen Haushaltes und war auch persönlich mit den britischen Royals verbunden. Er stammte aus dem schottischen Ogilvy Clan.

Zur Liste der mächtigsten Familien der Welt

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