Quandt Familie

Die deutsche Quandt Familie kontrolliert den Automobilkonzern „Bayerische Motoren Werke“ (BMW). Dieser gehörte in den letzten Jahren zu den fünf grössten Unternehmen Deutschlands. BMW ist eines der grössten Familienunternehmen der Welt. Die Familie hält derzeit 46 Prozent der Anteile an BMW. Das Vermögen von Stefan Quandt wird derzeit auf 23 Milliarden US-Dollar geschätzt (Quelle). Das Vermögen von Susanne Quandt Klatten wird auf 28 Milliarden Dollar geschätzt (Quelle). (Stand 29.9.2021)

Die Familie war früher auch mit dem Automobilkonzern Daimler verbunden, der in den letzten Jahren nach Umsatz das zweitgrösste Unternehmen Deutschlands war.

Quandt in der NS-Diktatur

Die Quandt Familie waren ursprünglich Niederländer, die um das Jahr 1700 nach Deutschland emigrierten. Emil Quandt (1849-1925) wurde als Unternehmer in der Textilindustrie aktiv. Sein Sohn Günther Quandt (1881-1954) stieg zu einem der wichtigsten deutschen Industriellen auf. Während des 1. Weltkrieges waren seine Firmen Hauptlieferant der deutschen Armee für Textilien und Leder.

Günther Quandt war mit der NSDAP verbunden und unterstütze sie bereits vor ihrer Machtübernahme 1933:

  • Günther Quandt war bereits 1931 Mitglied der Gesellschaft zum Studium des Faschismus. Die Gesellschaft wurde 1931 gegründet und hatte sich das Ziel gesetzt, eine faschistische Diktatur in Deutschland zu errichten. Zu den Mitgliedern gehörten auch Hjalmar Schacht und der Industrielle Fritz Thyssen. Die Gesellschaft wurde von Carl Eduard von Sachsen-Coburg-Gotha gegründet. Er war ein Enkel der britischen Queen Victoria. Sein Vater, der britische Prinz Leopold, war Freimaurer und Provinzial-Grossmeister von Oxfordshire sowie Senior Grand Warden der englischen Freimaurergrossloge (Quelle).
  • Günther Quandt trat 1933 der NSDAP bei.
  • Günther Quandt nahm zusammen mit seinem Geschäftspartner August Rosterg am Geheimtreffen vom 20. Februar 1933 teil. Bei dem Treffen spendeten deutsche Industrielle 3 Millionen Reichsmark an die NSDAP. Zu den Teilnehmern gehörten einflussreiche Akteure der damaligen deutschen Wirtschaftselite, darunter auch Krupp, Finck, Flick, Opel, Schnitzler sowie Hjalmar Schacht. Letzterer war ein bekennender Freimaurer, der unter Hitler die deutsche Zentralbank leitete und mit dem britischen Zentralbankchef Montagu Norman befreundet war. Ludwig von Winterfeld, der in die Siemens Familie geheiratet hatte, war ebenfalls beim Treffen anwesend.
  • Günther Quandt wurde 1937 zum Wehrwirtschaftsführer ernannt, eine Auszeichnung der NSDAP. Sie wurde an die Leiter rüstungswichtiger Betriebe vergeben. Viele der führenden Industriellen der deutschen Wirtschaftselite erhielten diese Auszeichnung, unter anderem Porsche, Siemens, Merck, Krupp, Bosch, Flick, Röchling und Henkel.

Während des 2. Weltkrieges beschäftigte Günther Quandt in seinen Firmen rund 50 000 Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene. Er profitierte auch von der Arisierung und konnte jüdische Firmen weit unter dem üblichen Preis kaufen. (Quelle) Er wird von den Historikern nicht als überzeugter Nationalsozialist oder Antisemit eingeschätzt. Er unterstützte die NSDAP vermutlich aus rein wirtschaftlichen Interessen. (Quelle)

Seit 1922 war Günther Quandt in der Kaliindustrie aktiv. Von den 20er Jahren bis nach dem 2. Weltkrieg kontrollierte Günther Quandt zusammen mit August Rosterg das Kalibergbauunternehmen Wintershall. Ab den 30er Jahren stieg Wintershall ins Ölgeschäft ein. Das Unternehmen profitierte von der Arisierung und beschäftigte Zwangsarbeiter. 1969 wurde Wintershall vom deutschen Grosskonzern BASF übernommen und entwickelte sich zum grössten deutschen Erdöl- und Erdgasproduzenten.

Von den 20er Jahren bis Ende des 2. Weltkrieges kontrollierte Günther Quandt den Batteriekonzern AFA (heutige Varta AG). Die AFA bzw. Quandt profitierte von der Aufrüstungspolitik der Nazis und produzierte Batterien für U-Boote, Torpedos und Raketen. 1928 erlangte Quandt die Kontrolle über die Metallpatronen AG, die Munition und Waffen für das deutsche Militär herstellte. Die beiden Unternehmen beschäftigten Zwangsarbeiter.

Günther Quandt bekleidete zahlreiche Vorstands- und Aufsichtsratsposten, unter anderem bei AEG (damals einer der weltweit grössten Elektrokonzerne), Daimler-Benz und der Deutschen Bank (grösste deutsche Bank). (Quelle)

In Quandts Firmen mussten einige Zwangsarbeiter ohne ausreichend Schutz in bleivergifteter Umgebung oder mit ätzenden Säuren arbeiten. Diese Arbeitsbedingungen forderten durchschnittlich 80 Tote pro Monat, die im voraus mit eingeplant und bewusst als zu erwartende Fluktuation kalkuliert wurden. Hunderte nicht mehr arbeitsfähige Zwangsarbeiter wurden am 13. April 1945 erschossen. (Quelle)

Günther Quandt wurde erst im Juli 1946 wegen seiner Rolle in der Kriegswirtschaft verhaftet. Nach seiner Freilassung im Januar 1948 wurde er im Juli 1948 in einem Gerichtsverfahren als Mitläufer eingestuft.

Sein Sohn Herbert Quandt (1910-1982) trat 1940 der NSDAP bei. Er gehörte ebenfalls zur Führungsclique der AFA. Nach Einschätzung von Benjamin Ferencz, der bei den Nürnberger Prozessen für die Anklagebehörde arbeitete, wären Herbert Quandt und sein Vater Günther ebenso wie Alfried Krupp, Friedrich Flick und die Verantwortlichen der I.G. Farben als Hauptkriegsverbrecher angeklagt worden, wenn die heute zugänglichen Dokumente den Anklägern damals vorgelegen hätten. Die entscheidenden Dokumente zu ihrem Wirken in der NS-Diktatur lagen den Behörden in der britischen Besatzungszone vor. Die Briten hielten das Material aber zurück. (Quelle bei 56:20 bis 57:15)

Günther Quandt hielt in der Nachkriegszeit Geschäftsbeziehungen zu den Briten und verkaufte Batterien an die britischen Besatzer (Quelle).

Günther Quandts zweite Ehefrau war Magda Ritschel, die er 1921 geheiratet hatte. 1929 liessen sie sich scheiden. Magda heiratete dann 1931 Joseph Goebbels, der ein führender Politiker im Naziregime wurde und einer der engsten Vertrauten von Adolf Hitler war. Hitler schätzte Magda sehr und war womöglich in sie verliebt. Magdas Vater Oskar Ritschel war Bauunternehmer und Freimaurer. Er war Mitglied der Freimaurerloge Eos in Krefeld, die 1853 gegründet wurde (Quelle). Magda hatte während ihrer Schulzeit eine Beziehung mit dem jüdischen Haim Arlosoroff, der später ein bedeutender Führer der linken Zionisten wurde. Er wurde 1933 bei einem Attentat in Tel Aviv ermordet, das nie aufgeklärt werden konnte. Magdas jüdischer Stiefvater Richard Friedländer starb 1939 in einem Konzentrationslager der Nazis. Übrigens hatte Josef Goebbels Exfreundin, mit der er bis 1925 zusammen war, eine jüdische Mutter. Der antisemitische Goebbels trennte sich deswegen von ihr, obwohl er sie immer noch liebte. (Quelle: 1 und 2)

Günther Quandt und Magda hatten einen gemeinsamen Sohn, nämlich Harald Quandt (1921-1967). Nach der Scheidung lebte Harald bei Magda und der führende Nazi Joseph Goebbels wurde sein Stiefvater. Harald Quandt und Goebbels standen sich sehr nahe. Goebbels schrieb in seinem Abschiedsbrief an Harald: Du kannst stolz darauf sein, eine Mutter wie die Deine zu besitzen. Der Führer hat ihr gestern abend das Goldene Parteiabzeichen, das er jahrelang an seinem Rock trug, gegeben, und sie hat es auch verdient. Laß Dich nicht vom Lärm der Welt, der nun einsetzen wird, verwirren. Die Lügen werden eines Tages in sich zusammenbrechen und über ihnen wieder die Wahrheit triumphieren. Es wird die Stunde sein, da wir über allem stehen, rein und makellos, so wie unser Glaube und Streben immer gewesen ist. Leb wohl, mein lieber Harald! Ob wir uns jemals wiedersehen werden, das steht bei Gott. Dein Papa

(Quelle)

Harald Quandt hatte übrigens schon als kleines Kind Hitler kennengelernt (Foto).

Quandt in der Nachkriegszeit

Wie gesagt wurde Günther Quandts wirtschaftlicher Einfluss von den Alliierten nicht eingedämmt. Nach dem Krieg übernahm er die Kuka AG, ein Maschinenbau- und Technologieunternehmen. Er starb 1954. Seine Söhne führten das Wirtschaftsimperium weiter.

Harald Quandt (1921-1967), der Stiefsohn von Goebbels, war Aufsichtsratsvorsitzender der AFA (später umbenannt in Varta) und war im Aufsichtsrat des Automobilkonzerns Daimler. Er war in der Rüstungsindustrie tätig über seine Vorstandsposten bei Mauser und der Kuka AG.

Harald Quandt war am Bau von Prototypen für Panzer und Landminen für die gerade gegründete Bundeswehr beteiligt. Er starb bei einem Absturz seines firmeneigenen Jets. (Quelle)

Herbert Quandt (1910-1982) besetzte leitende Positionen bei mehreren deutschen Unternehmen, darunter auch bei Daimler, AFA, Gerling und der Frankfurter Bank. Ab den 1960er Jahren erlangte er die Kontrolle über den Automobilkonzern BMW, den seine Kinder bis heute kontrollieren.

Die heutigen Quandts

Susanne Klatten (*1962) ist die Tochter von Herbert Quandt. 2017 besuchte sie das Bilderberg-Treffen (Quelle). Sie gilt als die reichste Frau Deutschlands. Ihre Mutter Johanna Quandt (1926-2015) war ebenfalls eine der reichsten deutschen Frauen. Johanna Quandt kannte die Milliardärin Friede Springer (Foto). Springer kontrolliert einen der grössten Medienkonzerne Deutschlands.

Susanne besitzt über ihre Beteiligungsgesellschaft SKion den Chemiekonzern Altana. Dieser wurde 1977 gegründet und Herbert Quandt war der erste Vorstandsvorsitzende. Susanne hält über SKion eine kleinere Beteiligung am Windkraftunternehmen Nordex. Über SKion ist sie Hauptaktionärin von SGL Carbon, ein Hersteller von Carbonfasern. Das Unternehmen wurde ursprünglich von der Siemens Familie gegründet.

Die Quandts gehören zu den grössten Parteispendern Deutschlands. Ausschnitt aus einem SZ-Artikel:

Die BMW-Großaktionäre haben der CDU 690.000 Euro gespendet, kurz nach der Wahl, beinahe gleichzeitig zu einer politischen Entscheidung über strengere Abgasnormen für Autos in Europa.

Doch weder ist das die erste Spende der Quandts, noch dürfte es die letzte sein. Die Familie spendet regelmäßig an zwei Parteien, die CDU und die FDP. Zwischen 2002 und 2013 hat Johanna Quandt 830.000 Euro an die CDU und 70.000 Euro an die FDP gespendet. Susanne Klatten und Stefan Quandt kommen auf je 820.000 Euro (CDU) und 80.000 Euro (FDP).

Auch Quandt-Firmen spenden. Der Chemiekonzern Altana ist zu 100 Prozent im Besitz von Susanne Klatten und spendete im Zeitraum von 2002 bis 2013 insgesamt 920.000 Euro an die CDU. Im selben Zeitraum verteilte auch BMW Spenden an Parteien: mehr als zwei Millionen Euro an CDU/CSU, ungefähr eine Million Euro an die SPD und etwa eine halbe Million Euro an die FDP

Susannes Cousine Gabriele Quandt (*1952) kennt Mafalda von Hessen aus dem deutschen Hochadel (Foto). Übrigens sind bei den beiden Quandt-Stiftungen derzeit mehrere Adlige präsent. Gabriele Quandt war mit Florian Langenscheidt verheiratet. Florian und seine Familie führen in vierter Generation den Langenscheidt-Verlag. Florian war Präsidiumsmitglied des WWF und war im Kuratorium der Atlantik-Brücke, eine der mächtigsten Denkfabriken Deutschlands. Florian war Mitglied im Münchener Herrenclub. (Quelle) Im Club sind mehrere Adlige vertreten und Ruprecht Graf zu Castell-Rüdenhausen ist der derzeitige Vorsitzende (Quelle). Florian kennt Renate Thyssen-Henne und ihre Tochter Gabriele (Foto). Renate heiratete in die Thyssen Familie, eine der wichtigsten deutschen Industriellenfamilien des 20. Jahrhunderts. Ihre Tochter Gabriele heiratete erst in den deutschen Hochadel und ihr Mann war ein Nachkomme der russischen Kaiserfamilie. Gabriele heiratete in zweiter Ehe den religiösen Führer Karim Aga Khan IV..

Gabriele Quandt ist Vorsitzende des Kunstvereins „Freunde der Nationalgalerie“. Derzeit sind im Kuratorium des Vereins zwei Adlige sowie die Milliardärin Julia Stoschek (stand 23.10.2021). Die Stoschek Familie besitzt den deutschen Automobilzulieferungskonzern „Brose Fahrzeugteile“. Julia Stoschek hat einen gemeinsamen Sohn mit Mathias Döpfner. Döpfner leitet Axel Springer, einer der wichtigsten Medienkonzerne Deutschlands. Bemerkenswerte ehemalige Mitglieder des Kuratoriums der „Freunde der Nationalgalerie“ wären Franz Markus Haniel und Regine Leibinger, die ebenfalls aus Milliardärsfamilien kommen. (Quelle: 1 und 2) Franz Markus Haniel ist ein Bekannter der Quandts und wurde von ihnen in den Aufsichtsrat von BMW berufen (Quelle). Er kommt aus der Haniel Familie, eine der wichtigsten deutschen Unternehmfamilien der letzten 100 Jahren. Die Haniel Stiftung förderte gemeinsam mit einer Stiftung der Quandt Familie die „Atlantische Initiative“, ein Verein zur Förderung von deutsch-amerikanischen Beziehungen (Quelle). 

Die Quandt Familie traf sich im Jahr 2000 mit Ferdinand Piëch zu einem Gespräch. Ferdinands Familie kontrolliert den deutschen Automobilkonzern VW. (Quelle)

Stefan Quandt (*1966) kennt die Metzler Familie, die als die reichste Bankiersfamilie Deutschlands gilt (Quelle).

Stefan Quandt besitzt über seine Holding Delton den Logistikdienstleister Logwin AG mit Sitz in Luxemburg. Stefan und seine Schwester Susanne sind im Aufsichtsrat von BMW. Die beiden trafen Kanzlerin Angela Merkel (Foto: 1 und 2).

Homöopathie-Industrie

Stefan Quandt besitzt über seine Holding Delton das Unternehmen „Biologische Heilmittel Heel“, einer der weltweit grössten Hersteller von homöopathischen Arzneimitteln. Die globale Homöopathie-Industrie wird nicht von esoterischen Hippies geführt, auch wenn man das zuerst denken könnte. Die europäische Homöopathie-Industrie wird von wenigen wohlhabenden Familien kontrolliert, wie Boiron (besitzt mehr als 480 Millionen Euro) und Batteur (370 Millionen Euro) aus Frankreich sowie Schwabe (400 Millionen Euro), Hevert (vermutlich Millionäre) und Quandt aus Deutschland. Das führende britische Homöopathie-Unternehmen Nelsons wird vom britischen Prinzen Charles höchstpersönlich gefördert und wird von der Wilson Familie kontrolliert (besitzt 293 Millionen Euro).

Die grossen Homöopathie-Unternehmen werden nicht von der Pharmalobby bekämpft, da diese selbst in der Pharmalobby vertreten sind.

Lobbyverbände der Pharmaindustrie vertreten auch Interessen der Homöopathie-Industrie (Quelle). In Deutschland der BAH (Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller), der mitgliederstärkste Branchenverband der Arzneimittelindustrie in Deutschland. Die Mitglieder stellen fast 80 Prozent der in Apotheken verkauften rezeptfreien (darunter auch homöopathische Produkte) und fast zwei Drittel der rezeptpflichtigen Arzneimittel sowie einen Grossteil der stofflichen Medizinprodukte für Patienten in Deutschland bereit (Quelle). Zum BAH gehören auch die Pharmakonzerne Johnson & Johnson, AstraZeneca, Novartis, Boehringer Ingelheim, GlaxoSmithKline, AbbVie und noch weitere (Quelle).

Auch der BPI (Bundesverband der pharmazeutischen Industrie) macht aktiv Werbung für Homöopathie. Zum BPI gehören die Pharmakonzerne Novartis, Johnson & Johnson, AstraZeneca und weitere (Quelle).

Der BAH und der BPI nimmt die Homöopathie-Industrie vor Kritik aus der Politik in Schutz (Quelle: 1 und 2).

In Österreich vertritt der Pharmaverband Pharmig die Interessen der Homöopathie-Industrie. Auch bei Pharmig sind grosse Pharmakonzerne wie Merck, Novartis, AstraZeneca usw. vertreten (Quelle).

Zur Liste der mächtigsten Familien der Welt

Anmerkung: Ich geh aktiv gegen Urheberrechtsverletzungen vor.

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