Hambro Familie

Die Hambros gehörten zu den wichtigsten europäischen Bankiersfamilien des 20. Jahrhunderts. Sie wurden in den britischen und dänischen Adel aufgenommen.

Calmer Joachim Levy (1747-1806) wurde in eine jüdische Familie im heutigen Schleswig-Holstein (Deutschland) geboren. 1778 zog er nach Kopenhagen (Dänemark) und änderte seinen Nachnamen in Hambro. Er wurde dort als Kaufmann tätig und wurde später zum Bankier des dänischen Königs.

Sein Sohn Eduard Isaac Hambro (1782-1865) zog nach Norwegen und war dort als Kaufmann tätig. Er gründete den norwegischen Zweig der Familie. Ein Enkel von Calmer war der dänische Bankier Carl Joachim Hambro (1807-1877). 1832 zog dieser nach England und gründete dort den britischen Zweig der Familie. Sie konvertierten zum Christentum.

1839 gründete Carl Joachim Hambro in London die Bank „C. J. Hambro & Son“. Die Bank konzentrierte sich auf britisch-skandinavische Geschäfte. 1921 fusionierte sie mit der „British Bank of Northern Commerce“, die ebenfalls eine Londoner Bank war, die den Handel zwischen Grossbritannien und den skandinavischen Ländern förderte. Sie wurde von der schwedischen Wallenberg Familie gegründet, der mächtigsten Bankiersfamilie Skandinaviens. Durch die Fusion entstand die Hambros Bank, die zur wohl wichtigsten Bank der skandinavischen Länder wurde. Die Hambros wurden nach dem 2. Weltkrieg zu bedeutenden Finanziers der Diamantindustrie. Mitte der 1960er Jahre gehörte die Hambros Bank zu den grössten Banken Europas. 1967 gründeten sie Niederlassungen in Jersey und Guernsey. Die beiden Kanalinseln sind Steueroasen und befinden sich zudem im Kronbesitz der britischen Königsfamilie (welche die Hambros kennen). Ab den 1970er Jahren stiegen sie in die Vermögensverwaltung ein, wo eine Steueroase immer nützlich ist. Bis 1986 befand sich die Hambros Bank in Familienbesitz. Aber auch danach arbeiteten weiterhin Familienmitglieder für die Bank. 1998 wurde die Bank an die Société Générale verkauft, die zu den drei grössten französischen Banken gehört.

Bemerkenswerte Mitarbeiter der Hambros Bank oder ihren Ablegern waren:

  • Chips Keswick (*1940), welcher der letzte Vorsitzende der Bank war. Die schottische Milliardärsfamilie Keswick war seit Mitte des 19. Jahrhunderts im ostasiatischen Handel tätig, unter anderem im Opiumhandel. Zurzeit besitzt sie das britische Unternehmen Jardine Matheson, das in der ostasiatischen Wirtschaft tätig ist und früher zu den grössten Opiumhändlern der Welt gehörte.
  • Nichola Pease (*1961), eine britische Fondsmanagerin. Die Pease Familie gehörte früher zu den wichtigsten Industriellen Grossbritanniens. Sie waren Quäker (christliche Minderheit) und sind mit den britischen Grossbanken Barclays und Lloyds verbunden, die von Quäkern gegründet wurden. Nichola Pease arbeitete auch für die Investmentbank „Kleinwort Benson“, die 1786 von Quäkern gegründet wurde. 2016 fusionierte „Kleinwort Benson“ mit der „SG Hambro“ zur heutigen „Kleinwort Hambros“.
  • Baron John Jacob Astor (1886-1971), ein britischer Zeitungsverleger, Bankier, Politiker und Militäroffizier. Im 19. Jahrhundert gehörte die Astor Familie zu den reichsten Familien der Welt und nahm eine führende Rolle in der US-Elite ein.
  • Mark Getty (*1960), ein britischer Geschäftsmann der Gründer und Vorsitzender der Bildagentur „Getty Images“ ist. Sein Grossvater war Jean Paul Getty (1932-2006), der in der Ölindustrie ein Vermögen machte und Mitte der 60er Jahre als der reichste Mensch der Welt galt.
  • Frank Stangenberg-Haverkamp (*1948), der mütterlicherseits aus der deutschen Milliardärsfamilie Merck kommt und derzeit ihren Pharmakonzern führt. Er gilt aktuell als der oberste Repräsentant der Unternehmerfamilie Merck.

Bemerkenswerte Mitglieder der Hambro Familie:

  • Everard Hambro (1842-1925) war 45 Jahre lang Direktor der britischen Zentralbank. 1891 half er bei der Rettung der britischen Barings Bank, die damals zu den grössten Banken der Welt gehörte. Dadurch kannte er vermutlich die Bankiersfamilie Baring. 1911 war er Mitgründer der indischen Bank „Central Bank of India“, die aber nicht die Zentralbank ist, auch wenn ihr Name so klingt. Dadurch kannte er vermutlich den indisch-parsischen Bankier Sorabji Pochkhanawala und eventuell auch die parsische Tata Familie.
  • Charles Jocelyn Hambro (1897-1963) war ebenfalls langjähriger Direktor der britischen Zentralbank. Er kannte Montagu Norman, der zu dieser Zeit Gouverneur der Zentralbank war. Montagu Norman spielte eine wichtige Rolle in der Zeit vor und während des 2. Weltkrieges (mehr dazu im Beitrag zur Norman Familie). Charles Jocelyn Hambro war während des 2. Weltkrieges ein bedeutender Geheimdienstoffizier. Er war zudem für die Geldbeschaffung der norwegischen Exilregierung zuständig. Er war Mitglied der Pilgrims Society, ein angloamerikanisches Elitennetzwerk das von der britischen Königsfamilie geführt wird. Seine zweite Ehefrau hatte zuvor in die schwedische Bankiersfamilie Wallenberg geheiratet.
  • Jocelyn Hambro (1919-1994) gehörte 1970 zu den Mitgründern und Finanzierern des britischen Versicherungsunternehmens „Allied Dunbar“. Von 1979 bis 1985 war er Vorsitzender des britischen Versicherungsunternehmens Phoenix Group.
  • Charles Hambro (1930-2002) kannte die Familien Wallenberg und Morgan persönlich (Quelle). Von 1993 bis 1997 war er leitender Ehrenschatzmeister der britischen Partei „Conservative Party“. 1994 wurde er vom britischen Hochadel zum Baron geadelt.
  • Rupert Hambro (1943-2021) war Direktor von „Anglo American“ und kannte dadurch Harry Oppenheimer. Anglo American gehört zu den weltweit grössten Bergbauunternehmen und ist der grösste Platinproduzent der Welt. Rupert war Mitglied der Pilgrims Society. Er war Vorsitzender des Investitionsausschusses der Gilde der Goldschmiede (Worshipful Company of Goldsmiths) (Quelle). Diese wurde 1327 gegründet und gehört zu den sogenannten Livery Companies. Diese einflussreichen Händlergilden entstanden im 14. Jahrhundert und existieren bis heute. Sie sind traditionell mit dem britischen Adel und der City of London verbunden (Londoner Bankenviertel).
  • Peter Hambro (*1945) war von 1985 bis 1990 Direktor des Edelmetallunternehmens „Mocatta & Goldsmid“, das 1684 von der sephardisch-jüdischen Mocatta Familie gegründet wurde. Peter gründete 1994 das Bergbauunternehmen „Petropavlovsk“, das Goldminen in Russland besitzt und war bis 2017 dessen Vorsitzender.
  • Jay Hambro war CIO von „Petropavlovsk“ und baute das Geschäft zum zweitgrössten Goldproduzenten Russlands aus. Er arbeitete für die Rothschild Bank und für die HSBC, eine der grössten Banken der Welt. Jay Hambro ist Mitglied in der Gilde der Goldschmiede (Quelle).
  • Clementine Hambro war Brautjungfer bei der Hochzeit von Prinz Charles und Diana.
  • CJ Hambro (1885-1964) kam aus dem norwegischen Zweig der Familie. Er war ein bedeutender norwegischer Politiker. Sein Sohn wurde Politiker und Diplomat. Beide besetzten hochrangige Positionen bei der UNO (Vereinte Nationen).

Mehrere Hambros gingen in die britische Politik.

Die Hambros heirateten in die schottischen Clans Murray, Drummond, Stuart, Leslie und Melville. Jean Frances Hambro (1923-2017) heiratete den Sohn des damaligen Clan-Chefs des Elphinstone Clans. Sie sind also definitiv mit den schottischen Clans verbunden. Dadurch haben Teile der heutigen Hambro Familie adliges Blut. Trotz ihrer jüdischen Wurzeln sind also eher der britischen Adelselite zuzuordnen und nicht dem jüdischen Establishment oder sie dienen vielleicht als Bindeglied zwischen den beiden Gruppen.

Zur Liste der mächtigsten Familien der Welt

Anmerkung: Ich geh aktiv gegen Urheberrechtsverletzungen vor.

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