Haus Orléans

Das Hochadelsgeschlecht wurde vom französischen Herzog Philippe I. de Bourbon (1640-1701) begründet. Er war der Sohn des französischen Königs Ludwig XIII. aus dem Hause Bourbon. Das Haus Orléans ist somit eine Nebenlinie der Bourbonen. Orléans und Bourbon stammen vom Adelsgeschlecht der Kapetinger ab, das im 10. Jahrhundert entstand und zu den Gründerväter des Königreichs Frankreich gehörte. Die Kapetinger stammen wiederum von den Robertiner ab, deren adlige Blutlinie sich bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen lässt.

Alle französischen Könige der letzen 1000 Jahre, mit Ausnahme der beiden Napoleons, waren Kapetinger oder stammen von diesen ab. Somit stellten die Kapetinger 39 französische Könige. Das Haus Bourbon selbst stellte sieben französische Könige. Das Haus Orléans stellte einen König. (Quelle)

Das Haus Orléans stellte seit seiner Begründung Herzöge, die in der französischen Adelshierarchie direkt unter der Königsfamilie stehen. Die Orléans gehörten zu den reichsten Familien Frankreichs (Quelle). Herzog Louis-Philippe Orléans I. war von 1830 bis 1848 König von Frankreich. Sein Vater Herzog Louis-Philippe II. war von 1771 bis 1792 Grossmeister der französischen Freimaurer (Quelle).

Eine Nebenlinie der Familie ist die nicht amtierende brasilianische Kaiserfamilie Orléans-Braganza, die zum grössten Teil noch immer in Brasilien sesshaft ist.

Französische Freimaurerei

Seit Beginn des 18. Jahrhunderts konnte sich die Freimaurerei allmählich im französischen Adel etablieren. Man kann schwer davon ausgehen, dass britische Freimaurer den Geheimbund nach Frankreich ausweiteten. Eine der ersten bekannten Logen Frankreichs wurde von John Theophilus Desaguliers gegründet, der Grossmeister der englischen Freimaurer war. Desaguliers wurde in Frankreich in eine Familie von Hugenotten geboren. Aufgrund der Verfolgung der Hugenotten flüchtete er nach England. Dort studierte er an Oxford, wo er vermutlich mit den Freimaurern in Kontakt kam. 1735 besuchte er Adlige in Frankreich und gründete mit ihnen eine Loge (Quelle).

Die erste französische Grossloge bestand spätestens seit 1737. Die französischen Freimaurer hatten aber bereits seit 1728 anerkannte Grossmeister. Der erste Grossmeister war der britische Graf Philip Wharton. Die beiden darauffolgenden Grossmeister waren ebenfalls Briten, einer davon ein Graf und der andere stammte womöglich aus dem schottischen MacLean Clan. Später waren alle Grossmeister Franzosen (Quelle).

Herzog Louis-Philippe II. (1747-1793) aus dem Hause Orléans war von 1771 bis 1792 Grossmeister (Quelle). 1773 wandelte er die alte Grossloge zum Grand Orient de France um, der bis heute als die führende Grossloge der französischen Freimaurer gilt. 1774 wurde Ludwig XVI. aus dem Hause Bourbon König. Er war ein Cousin von Louis-Philippe II., aber die beiden mochten sich nicht. Ludwig war ebenfalls Freimaurer, aber soviel bekannt ist kein hochrangiger (Quelle). Er verlangte von den Freimaurern, dass Louis-Philippe II. das Amt als Grossmeister niederlegen soll. Die Freimaurer kamen dem aber nicht nach.

Louis-Philippe II. war zwar mit der damaligen französischen Königsfamilie aus dem Hause Bourbon verwandt, dennoch hatten sie kein besonders gutes Verhältnis zueinander, was scheinbar mit politischen Meinungsverschiedenheiten zu tun hatte. Da er an Frankreichs Königshof nicht erwünscht war, trieb er sich oft in England rum und freundete sich mit dem britischen Hochadel an. Er wurde ein Vertrauter von Prinz Georg August Friedrich aus dem Hause Hannover, der später von 1820 bis 1830 den britischen Thron besetzte. Prinz Georg war von 1792 bis 1812 Grossmeister der englischen Freimaurer (Quelle).

Louis-Philippe II. war Jakobiner und unterstützte die Französische Revolution, die zum Sturz des französischen Königs Ludwig XVI. führte, den er wie gesagt nicht mochte. Ausserdem erhoffte er sich selbst König zu werden. Die Revolutionsführer stimmten darüber ab, ob König Ludwig die Todesstrafe erhalten sollte. Die Mehrheit und auch Louis-Philippe II. stimmte für die Hinrichtung Ludwigs. 1793 wurde Ludwig hingerichtet.

Etwas später wurde Louis-Philippe II. auf Geheiss der Revolutionsführer verhaftet und ebenfalls hingerichtet, weil sie ihn des Hochverrats beschuldigten. Die Jahre 1793 und 1794 sind als Terrorherrschaft bekannt. In dieser Zeit wurden viele Personen der französischen Elite ermordet, weil sie von den Revolutionsführern beschuldigt wurden, dem antirevolutionären Wiederstand anzugehören. Die restlichen Mitglieder des Hauses Orléans gingen ins Exil und lebten fortan in der Schweiz und in den USA.

1804 ernannten die Revolutionsführer Napoleon Bonaparte zum Kaiser von Frankreich. Sein ältester Bruder Joseph Bonaparte war ab 1805 Grossmeister der französischen Freimaurer (Quelle). Napoleon war eventuell Freimaurer wie sein Vater (Quelle). Ob er es nun war oder nicht, er hatte sicher Kontakt zur französischen Freimaurer-Führung und mehrere seiner Verwandten waren führende Freimaurer (Quelle). Mindestens 16 der Marschälle Napoleons waren Freimaurer und führten in ganz Europa Schlachten (Quelle).

Nachdem Napoleon gestürzt wurde, bestieg 1815 Ludwig XVIII. aus dem Haus Bourbon den Thron Frankreichs. Er war Freimaurer (Quelle). Ab da war sein Vertrauter Pierre Riel de Beurnonville Grossmeister der französischen Freimaurer (Quelle). Mit Napoleons Sturz kehrte auch das Hause Orléans aus dem Exil zurück nach Frankreich.

Nach Ludwigs Tod 1824 wurde sein Bruder Karl X. König von Frankreich. Er war Freimaurer (Quelle). Unter ihm wurde die Freimaurerei von Jacques MacDonald geführt (Quelle). Paradoxerweise war dieser einer der wichtigsten Marschälle Napoleons gewesen und wurde von diesem zum Herzog geadelt.

1830 musste Karl X. aufgrund eines Aufstandes abdanken. Der nachfolgende König war Louis-Philippe I. (1773-1850) aus dem Hause Orléans, der mit Reformen versuchte den aufständischen Pöbel zu beruhigen. Er war der Sohn des oben erwähnten Freimaurergrossmeister Louis-Philippe II.. Er heiratete in den italienischen Zweig des Hauses Bourbon. Seine Kinder heirateten ebenfalls in Hochadelsfamilien:

  • Die Tochter Louise heiratete Leopold I., welcher der erste König von Belgien war. Er war Freimaurer. Zwei Jahre nach der Thronbesteigung war er massgeblich an der Schaffung der belgischen Grossloge beteiligt und legte die Basis für das spätere Logenwesen in Belgien. Er war zwar nicht selbst Grossmeister der Grossloge, aber er nahm darin eine Führungsrolle ein. (Quelle)
  • Der Sohn Antoine heiratete in die spanische Königsfamilie, die ebenfalls zum Haus Bourbon gehört.
  • Der Sohn François heiratete in die portugiesische Königsfamilie (Haus Braganza). Sein Schwiegervater Peter I. war auch Kaiser von Brasilien.
  • Die Tochter Clementine und der Sohn Louis heirateten in den deutschen Zweig des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha.
  • Der Sohn Henri (1822-1897) heiratete wie sein Vater in den italienischen Zweig des Hauses Bourbon.
  • Die Tochter Marie Christine heiratete in die Königsfamilie von Württemberg.
  • Der Sohn Ferdinand Philippe heiratete in die Herzogsfamilie von Mecklenburg.

1848 führten Aufstände zum Sturz von Louis-Philippe I. und die Orléans gingen ins Exil. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden sie wieder in Frankreich sesshaft.

Durch den Umsturz 1848 kam Napoleon III. an die Macht. Er war ein Enkel des ersten Napoleons. Er war soviel bekannt ist kein Freimaurer. Er versuchte aber auf diese Einfluss zu nehmen. 1852 nötigte er die Freimaurer Lucien Murat als ihren Grossmeister anzuerkennen (Quelle). Luciens Mutter war eine Schwester von Napoleon I.. 1870 wurde schliesslich auch Napoleon III. abgesetzt. Er war der letzte Monarch Frankreichs. Seither wird das Land von Politikern geführt.

1894 gründeten französische Freimaurer die „Grande Loge de France“, die unabhängig vom „Grand Orient de France“ ist und nicht mit ihm verwechselt werden sollte. Seit 1913 besteht auch noch die Grossloge „Grande Loge nationale française“.

Die Rückkehr nach Frankreich

Nachdem Nazideutschland 1940 Frankreich besetzte, wurde dort das autoritäre Vichy-Regime errichtet, das bis Kriegsende bestand und mit Hitler kooperierte. Die führenden Köpfe des Vichy-Regimes waren Philippe Pétain und Pierre Laval. Graf Henri d’Orléans (1908-1999) traf die beiden 1942 persönlich. Laval bot ihm auch ein Ministerposten an, was Henri aber ablehnte. (Quelle)

Einer der wichtigsten Führer des Wiederstands gegen das Vichy-Regime und Hitler war Charles de Gaulle. 1944 nach dem Sturz des Vichy-Regimes wurde Gaulle Vorsitzender der provisorischen Regierung Frankreichs. Einer seiner ersten Handlungen war die Aufhebung des Freimaurerverbots in Frankreich, das von der Vichy-Regierung erlassen worden war (Quelle). Von 1959 bis 1969 war Gaulle Präsident von Frankreich. Spätestens seit den 1950er Jahren hatten Gaulle und Henri d’Orléans persönlichen Kontakt zueinander (Quelle). Seit Kriegsende waren die Orléans wieder in Paris sesshaft. Zu ihren regelmässigen Gästen gehörten mehrere französische Politiker, darunter auch:

  • Antoine Pinay: Er war Aussen- und Premierminister von Frankreich. Pinay gründete zusammen mit Geheimdienstlern Le Cercle, eine hoch elitäre und äusserst diskrete Gesellschaft, die fest mit den westlichen Geheimdiensten verbunden ist. Pinay war von 1953 bis 1971 Vorsitzender von Le Cercle.
  • Pierre Mendès France: Er war ebenfalls Aussen- und Premierminister von Frankreich. Er war Freimaurer und Mitglied des Grand Orient de France (Quelle).
  • Gaston Palewski: Er war Botschafter in Italien. Von 1965 bis 1974 war er Präsident des französischen Verfassungsgerichts.

(Quelle: 1 und 2)

Das Haus Orléans heute

Auch heute noch unterhält das Haus Orléans Kontakte zur politischen Elite Frankreichs, unter anderem zum derzeitigen Präsidenten Macron (Quelle).

Der aktuelle Graf von Paris Jean d’Orléans (*1965) ist auch das Oberhaupt des Haues Orléans. Er arbeitete für die Lazard Bank (Quelle). Lazard ist eine US-amerikanische Bank, die aber traditionell mit der französischen Elite verbunden ist. Die Bankengründer Lazard und Weill sind in Frankreich sesshaft und heirateten in viele Familien der französischen Elite. Jean Orléans arbeitete auch für die Groupe Banque Populaire, die eine der grössten Banken Frankreichs war. (Quelle)

Wie viele Hochadlige unterhält auch Jean diplomatische Kontakte zu vielen Länder dieser Welt. Er gehört zum Konstantinorden (Quelle), ein alter Vatikan-Orden, welcher der Legende nach seit dem 4. Jahrhundert bestehen soll. Der Orden untersteht dem italienischen Familienzweig des Hauses Bourbon. Über den Orden traf Jean 2019 auch Prinz Jean-Christophe Napoléon Bonaparte (Quelle). Ich geh davon aus, dass die Königsfamilien Orléans, Bourbon und Bonaparte sich heute nicht mehr als Feinde betrachten.

Graf Henri d’Orléans (1933-2019) war Protektor des Ordens des Heiligen Lazarus. Der Vatikanorden wurde 1910 gegründet und ist ein Nachfolgerorden des Lazarus-Ordens, der vom 12. bis 18. Jahrhundert aktiv war. Herzog Charles-Philippe d’Orléans (*1973) war von 2004 bis 2010 der Grossmeister des Ordens des Heiligen Lazarus. (Quelle) Sein Vater Michel (*1941) war ebenfalls Grossmeister des Ordens (Quelle). Michel kannte Olivier Dassault (Quelle). Die Milliardärsfamilie Dassault ist in der französischen Rüstungsindustrie tätig.

Charles-Louis d’Orléans (1972) arbeitete für die Grossbanken JPMorgan, Lazard und Goldman Sachs sowie als Vermögensverwalter bei der Rothschild Bank. (Quelle)

Beatrix D’Orleans kennt die Geschwister Delphine und Antoine Arnault (Quelle). Die Arnault Familie sind mit ihrem derzeitigen Vermögen von über 100 Milliarden US-Dollar eine der reichsten Familien der Welt.

Haus Orléans-Braganza

Graf Gaston d’Orléans (1842-1922) heiratete in die brasilianische Kaiserfamilie, die aus dem Hause Braganza stammt, die auch die Königsfamilie Portugals war. So entstand die Linie Orléans-Braganza. Bis 1822 war Brasilien eine portugiesische Kolonie. Auch nach der „Unabhängigkeit“ stellte das Haus Braganza noch bis 1891 die brasilianische Kaiserfamilie. Der grosse Teil des Haues Orléans-Braganza ist noch heute in Brasilien sesshaft und manche unterhalten auch Kontakte in die brasilianische Politik.

Die Familie und mehrere enge Verwandte gehören zum Malteserorden und zum Konstantinorden sowie zum Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Alle drei sind alte Vatikanorden. Der Vatikan hatte seit Beginn der Kolonialisierung viel Einfluss in Südamerika. Nirgendwo sonst ist die katholische Kirche auch heute noch so einflussreich wie in Lateinamerika. Die Jesuiten, ebenfalls ein Vatikanorden, hatten früher in Argentinien und Paraguay sogar eine Art eigenen Staat errichtet. (Quelle)

Erwähnenswerte Heiraten in den letzten 100 Jahren

Die Kinder der Herzogin Isabelle d’Orléans (1878-1961) heirateten in die griechische Königsfamilie (Haus Glücksburg), in die italienische Königsfamilie (Haus Savoyen) und in die brasilianische Kaiserfamilie (Haus Orléans-Braganza).

Ihre gleichnamige Tochter Isabelle d’Orléans (1900-1983) heiratete einen Grafen aus der Hartcourt Familie. Die Hartcourts sind eine der wichtigsten französischen Adelsfamilien und ein Familienzweig gehört auch zum britischen Adel. Sie brachten viele Politiker, Diplomaten und Generäle hervor. Der Überlieferung nach stammen sie vom Wikinger-Jarl (Graf) Bernard der Däne ab, der in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts lebte. Eine Tochter von Isabelle d’Orléans heiratete in französische Adelsfamilie Murat, die Verwandte der Bonaparte Familie (Napoleons Familie) sind. Lucien Murat war von 1852 bis 1861 Grossmeister der französischen Freimaurer (er wurde von Napoleon III. als Grossmeister installiert). Ein weitere Tochter von Isabelle d’Orléans war Monique (*1929). Deren Tochter Laure hatte eine romantische Beziehung mit dem Investor James Goldsmith. James und seine Familie sind enge Freunde der Familie Rothschild.

Marie d’Orléans (*1959) heiratete Prinz Gundakar von Liechtenstein aus der Königsfamilie Lichtensteins.

Maria da Glória de Orléans-Braganza (*1946) heiratete Alexander Karađorđević, das Oberhaupt der ehemaligen Königsfamilie Serbiens.

Prinz Pedro Gastão de Orléans-Braganza (1913-2007) heiratete in das Haus Bourbon-Sicilia.

Pedro Henrique de Orléans-Braganza (1909-1981) heiratete in die ehemalige Königsfamilie Bayerns.

Graf Henri d’Orléans (1933-2019) heiratete in die ehemalige Königsfamilie Württembergs.

Eleonora Maria Josefa de Orléans-Braganza (*1953) heiratete in die belgische Hochadelsfamilie Ligne. Ihr Mann kommt mütterlicherseits aus der Königsfamilie Luxemburgs.

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