Haus Saud

Die arabische Saud-Dynastie entstand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seit 1932 ist sie die Herrscherfamilie des Königreichs Saudi-Arabien, das im selben Jahr gegründet wurde. Aufgrund der grossen Erdölreserven wurde die Saud-Dynastie zu einer der reichsten Familien der Welt. Die saudischen Eliten sind in vielen islamischen Ländern vernetzt. Der saudische König und der Kronprinz Mohammed bin Salman gelten als zwei der einflussreichsten Männer der islamischen Welt. Mekka und Medina, die zwei wichtigsten heiligen Stätte im Islam, liegen in Saudi-Arabien. Der saudische König ist der Hüter der beiden heiligen Stätte. Mekka gilt als die Geburtsstadt des Islamgründers Mohammed.

Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie und ein autoritärer Staat. Die gesamte Macht liegt beim König. Die Königsfamilie hält bisher nichts von Menschenrechten und Pressefreiheit.

Bis heute übernehmen saudische Prinzen eine aktive Rolle in der Regierung und besetzen Ministerposten.

Das Haus Saud und seine Auslandskontakte

Grossbritannien hat seit dem Jahr 1915 ein Bündnis mit der Saud Familie. Die saudische Königsfamilie hatte in den 2010er-Jahren vierzig Treffen mit Mitgliedern der britischen Königsfamilie. Die beiden Königshäuser sind schon seit den 1930er-Jahren miteinander verbunden.

Mitglieder der saudischen Königsfamilie trafen in den letzten zwanzig Jahren öfter Hochadlige, darunter Mitglieder der Königsfamilien von Spanien, Belgien, Niederlande, Norwegen und Schweden.

Die Oberhäupter der Saud Familie trafen auch die Könige von Japan, Thailand, Brunei und Malaysia.

2023 heiratete eine Cousine des saudischen Herrschers den Kronprinzen der jordanischen Königsfamilie. Man geht davon aus, dass die Heirat das Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und Jordanien verbessern könnte. Zur Hochzeit kamen Mitglieder der Königsfamilien von Grossbritannien, Spanien, Niederlande, Belgien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Malaysia und Bhutan. Auch die Frau und die Tochter von US-Präsident Joe Biden waren auf der Hochzeit.

Die Saud Familie hat über Heiraten eine verwandschaftliche Beziehung zur katarischen Herrscherfamilie. Inzwischen sind die beiden Königsfamilien aber Rivalen. 2011 gab es eine Heirat zwischen der saudischen und der bahrainischen Königsfamilie.

Prinz Talal bin Abdulaziz Al Saud (1931–2018) heiratete eine Tochter von Riad Al Solh. Riad war der erste Ministerpräsident des Libanons. Er heiratete eine Schwester von Saadallah al-Jabiri, der zweimal Ministerpräsident von Syrien war. Eine weitere Tochter von Riad heiratete Prinz Moulay Abdallah aus der marokkanischen Königsfamilie.

Der derzeitige saudische Kronprinz traf US-amerikanische Milliardäre wie Bill Gates, Jeff Bezos, Rupert Murdoch, Sergey Brin (von Google), Michael Bloomberg, Lloyd Blankfein (von Goldman Sachs) und Mark Zuckerberg. Der ehemalige König Abdullah traf den Milliardär Ronald Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses ist.

Prinz Bandar bin Sultan Al Saud (*1949) war von 1983 bis 2005 Botschafter in den USA. Anschliessend sass er bis 2015 in einem wichtigen Gremium der saudischen Königsfamilie. Dieses Gremium war unter anderem für die Koordinierung der Geheimdienste zuständig. Prinz Bandar war von 2012 bis 2014 Chef des Geheimdienstes. Er hatte eine Ausbildung am Royal Air Force College in England genossen. Zudem war er an mehreren Militärschulen in den USA. Er studierte in den USA internationale Politik an der Johns Hopkins University. Er besuchte den Bohemian Club in den USA. In diesem Club sind hochrangige Mitglieder der US-amerikanischen Elite vertreten, darunter Rockefeller, Morgan, Bechtel, Bass und viele weitere.

Prinz Bandar wurde mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in Verbindung gebracht. Ihm wird vorgeworfen, zwei der Attentäter von 9/11 mit mehr als 100 000 US-Dollar finanziert zu haben. Es gibt viele Indizien, die stark darauf hindeuten, dass saudische Beamte die Attentäter von 9/11 unterstützt hatten. Es gibt sogar den Vorwurf, dass der saudische Geheimdienst massgeblich an 9/11 beteiligt war. Bandar war oder ist noch immer mit dem US-Präsidenten George W. Bush befreundet. Präsident Bush eröffnete den Krieg gegen den Terror aufgrund der Anschläge, die sein Freund Bandar womöglich unterstützt hatte. Ich habe einen ausführlichen Beitrag über die Rolle Saudi-Arabiens bei 9/11 geschrieben, in dem unter anderem erläutert wird, dass Bandar schon lange vor 9/11 der CIA bei verdeckten Operationen geholfen hatte.

Prinz Bandar war Diplomat bei Margaret Thatcher, Tony Blair, Michail Gorbatschow, Saddam Hussein und der chinesischen Regierung. Er leitete geheime Beziehungen zu Israel. Für viele Jahre traf er sich mit jüdischen Führern, Mossad-Chefs und israelischen Premierministern.

Bandars Sohn Khalid (*1977) ist seit 2019 saudischer Botschafter in Grossbritannien. Zuvor war Khalid Botschafter in Deutschland. Er hatte an der britischen Eliteuniversität Oxford studiert und war an der britischen Militärakademie Sandhurst, wo viele Königsfamilien ihre Kinder hinschicken. Khalid hatte eine romantische Beziehung mit der Amerikanerin Vanessa Pergolizzi. Diese war später mit Donald Trump Jr. verheiratet, einem Sohn des heutigen Präsidenten Donald Trump. Khalid heiratete 2011 eine Engländerin, die mütterlicherseits aus der Adelsfamilie Percy kommt und eine Nichte des Herzogs von Northumberland ist. Die Percy Familie ist eine hochrangige Familie des britischen Adels. Sie gilt als eine der reichsten Adelsfamilien des Landes.

Bandars Tochter Reema ist seit 2019 saudischer Botschafter in den USA. Sie lebte von 1983 bis 2005 in Washington, DC.

Prinz Turki bin Faisal (*1945) war Botschafter in den USA und Grossbritannien. Er hatte in den USA und England studiert. An der Georgetown University studierte er gemeinsam mit dem Präsidenten Bill Clinton. Prinz Turki hat bis heute Verbindungen zu westlichen Universitäten. Momentan ist er Vorsitzender des „Oxford Center for Islamic Studies“ an der Oxford-Universität. Zum Kuratorium gehören derzeit auch Mitglieder der Königsfamilien von Katar, Kuwait, Malaysia und Sokoto (in Nigeria). Der britische König Charles ist Schirmherr des Kuratoriums. Prinz Turki war oder ist noch immer Co-Vorsitzender der C100 Group des Weltwirtschaftsforums (WEF). Er war von 1977 bis 2001 Chef des saudischen Geheimdienstes. Er besuchte ein Treffen von Le Cercle. Das geheime, internationale Elitennetzwerk ist mit Geheimdiensten verbunden. Der saudische Prinz Abdulaziz bin Abdullah (*1962) wurde vom Cercle-Vorsitzenden Lord Lothian in einem Brief zu einem Treffen von Le Cercle eingeladen. Der Brief wurde von WikiLeaks veröffentlicht. Turki ärgerte sich über WikiLeaks und meinte, man müsse gegen die Leaks vorgehen. Turki und Lord Lothian hielten Reden bei der Pilgrims Society. Diese diskrete Gesellschaft fördert seit über 100 Jahren britisch-amerikanische Beziehungen. Sie hat sehr einflussreiche Mitglieder aus den Eliten Grossbritanniens und der USA. Der britische Monarch ist der Schirmherr der Gesellschaft.

Turki wurde vorgeworfen, wissentlich Geld an al-Qaida gespendet zu haben. (Mehr dazu) In den 80er-Jahren hatte er mehrfach Osama bin Laden getroffen. Zu dem Zeitpunkt waren Osama und die USA noch nicht verfeindet, sondern waren strategische Partner im Kampf gegen die Sowjetunion. Osama bin Laden kam aus einer reichen saudischen Unternehmerfamilie. Die Familie gründete und kontrolliert die Saudi Binladin Group, einen saudischen Baukonzern. Ihr Baukonzern baute Paläste, Moscheen und Städte im Auftrag des Königshauses. 2009 wurde das Vermögen der Bin Laden Familie auf sieben Milliarden US-Dollar geschätzt. Sie galt damit als eine der reichsten Familien Saudi-Arabiens.

Neben Turki und Bandar leiteten noch weitere Prinzen den saudischen Geheimdienst. Von 1964 bis 1979 diente Kamal Adham (1929–1999) als Chef des Geheimdienstes. Er war ein Schwager von König Faisal. Adham war in den BCCI-Skandal verwickelt. Die BCCI war die vermutlich kriminellste Grossbank der Welt. Geheimdienste mehrerer Länder hatten Verbindungen zur BCCI. Die Herrscherfamilie von Abu Dhabi finanzierte die Gründung der Bank und war bis zu ihrer Schliessung 1991 der Haupteigentümer. (Mehr dazu im Beitrag zur Al Nahyan Familie)

Prinz Mohammed bin Faisal Al Saud (1937–2017) heiratete eine Tochter des Ägypters Abdul Rahman Azzam. Dieser war von 1945 bis 1952 der erste Generalsekretär (Chef) der Arabischen Liga, einer wichtigen Vereinigung von arabischen Staaten. Azzam war der Grossonkel von Ayman al-Zawahiri, der einer der führenden Dschihadisten Ägyptens war. Nachdem Osama bin Laden 2011 getötet wurde, war Zawahiri bis 2022 das Oberhaupt der al-Qaida. Zawahiri hatte einen Onkel, der Vorsitzender der ägyptischen Arbeitspartei war, und sein Grossvater war Grossimam der Al-Azhar-Universität.

Mehrere Prinzen aus dem Haus Saud waren an der „Royal Military Academy Sandhurst“ in Grossbritannien. Sie ist die wohl elitärste Militärakademie der Welt. Neben vielen britischen Adligen waren fast alle noch amtierenden Königsfamilien der Welt an der Akademie vertreten. Hier eine nicht vollständige Liste der bemerkenswerten Absolventen. Womöglich erlernen sie dort Kenntnisse über Kriegsführung sowie Verwaltung und Kontrolle von Militär und Geheimdiensten.

Saudische Wirtschaft

Das Haus Saud besteht aus etwa 15 000 lebenden Familienmitgliedern (sie bekamen sehr viele Kinder), deren Gesamtvermögen auf bis 1,4 Billionen US-Dollar geschätzt wird. Bloomberg schätzt das Vermögen auf 213,6 Milliarden Dollar. Die Königsfamilie gründete und kontrolliert den Public Investment Fund, den Staatsfonds Saudi-Arabiens. Anfang 2025 besass der Staatsfonds ein Vermögen von 925 Milliarden Dollar. Der Kronprinz ist der Vorsitzende des Staatsfonds.

Saudi-Arabien ist das Land mit den zweitgrössten Erdölreserven und war der grösste Ölexporteur der letzten Jahre. Das Land besitzt geschätzt 17 Prozent der weltweiten Ölreserven. Nach Angaben von Worldometer hat Saudi-Arabien die fünftgrössten Erdgasreserven. Das führende saudische Unternehmen ist Saudi Aramco. Es ist der grösste Ölkonzern der Welt und ist auch im Gasgeschäft aktiv. 2024 war Saudi Aramco nach Umsatz das weltweit viertgrösste Unternehmen und nach Marktkapitalisierung das sechstgrösste. Zudem war Saudi Aramco in den letzten Jahren das profitabelste Unternehmen der Welt. Der Konzern befindet sich im Besitz der saudischen Regierung. Da die saudische Regierung dem König untersteht, kann man davon ausgehen, dass Saudi Aramco von der Königsfamilie kontrolliert wird. Im Vorstand von Saudi Aramco sind Minister aus der saudischen Regierung sowie der saudische Geschäftsmann Amin Nasser, der zum Vorstand des führenden US-amerikanischen Finanzkonzerns BlackRock gehört. Ausländische Manager im Vorstand von Saudi Aramco sind:

  • Stuart Gulliver: Er leitete die HSBC, die grösste britische Bank.
  • Robert Dudley: Er leitete BP, eines der grössten britischen Unternehmen und einer der grössten Ölkonzerne.
  • Mark Weinberger: Er besetzt Vorstandsposten bei der Grossbank JPMorgan Chase und beim Pharmakonzern Johnson & Johnson, zwei besonders einflussreiche Konzerne der USA.
  • Andrew Liveris: Er leitete DowDuPont, den grössten Chemiekonzern der USA.
  • Lynn Elsenhans: Sie leitete den US-amerikanischen Ölkonzern Sunoco. 

(Stand: Februar 2025)

Saudi Aramco besitzt 70 Prozent des saudischen Petrochemiekonzerns SABIC. Dieser ist einer der grössten Kunststoffproduzenten der Welt. Saudi Aramco und SABIC sowie weitere saudische Grossunternehmen sind Partner des Weltwirtschaftsforums (WEF). (Stand: März 2025)

Etwa 5000 bis 7000 Prinzen stammen aus der Saud-Dynastie. Die Prinzen erhalten grosszügige Alimente vom Staat. Viele sind als Unternehmer und Investoren tätig oder arbeiten für saudische Banken und Unternehmen. Die führenden saudischen Banken gehören zu den grössten Banken des Nahen Ostens. Manche Prinzen arbeiteten auch für westliche Grossbanken. Die Mehrheit der saudischen Grossbanken wird vom Staat kontrolliert, also von der Königsfamilie. Einige sind aber auch mit westlichen Banken verbunden, die Anteile besitzen.

Die erste Bank des Königreichs war die 1926 gegründete Saudi Hollandi Bank, die anfangs auch als Zentralbank für Saudi-Arabien fungierte und die Goldreserven und Öleinnahmen verwaltete. 2016 änderte sie ihren Namen in Alawwal Bank um. Ursprünglich war sie ein Zweig der Niederländischen Handelsgesellschaft. Diese war eines der wichtigsten Unternehmen der Niederlande und wurde 1824 vom niederländischen König gegründet. Aus dieser Handelsgesellschaft ging die niederländische Grossbank ABN Amro hervor. ABN Amro war bis 2019 der grösste Aktionär der Alawwal Bank und besass 40 Prozent der Anteile. Die niederländische Elite ist traditionell mit dem Öl- und Gaskonzern Shell verbunden, der seit über 70 Jahren in Saudi-Arabien aktiv ist.

2019 wurde die Alawwal Bank Teil der Saudi Arab British Bank (SABB). Die SABB wurde von der führenden britischen Grossbank HSBC kontrolliert und diente als Kanal zwischen der britischen und saudischen Finanzelite. Durch die Fusion entstand eine der grössten saudischen Banken. Sie nennt sich inzwischen Saudi Awwal Bank (SAB) und ist nach wie vor eine der führenden Banken des Landes. Die HSBC ist immer noch Hauptaktionär. Der Brite Stuart Gulliver, der die HSBC leitete, ist im Vorstand der SAB. Wie bereits erwähnt wurde, sitzt Stuart Gulliver auch im Vorstand des Ölkonzerns Saudi Aramco. Seit 2019 ist Lubna Olayan Vorsitzende der SAB. Die Olayan Familie ist neben der HSBC der grösste Aktionär der Bank. (Stand: Februar 2025) Das Vermögen der Olayan Familie wurde 2025 auf 50 Milliarden US-Dollar geschätzt. Derzeit ist Lubna Olayan im Führungsgremium des Weltwirtschaftsforums (WEF). Lubna Olayan ist sehr gut mit westlichen Eliten vernetzt.

Zwei saudischen Bankiers, die zwei der grössten Banken des Landes kontrollierten, wurde vorgeworfen, den islamistischen Terror finanziell unterstützt zu haben. (Mehr dazu)

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