Wendel und Seillière Familie

Die französischen Familien Wendel und Seillière sind schon seit über 300 Jahren unternehmerisch aktiv. Heute sind die beiden Familien über eine Heirat verbunden und sie kannten sich bereits im 18. Jahrhundert. Sie heirateten in den französischen Adel und die Seillière Familie wurde in den Adel aufgenommen.

Die Wendel Familie

Jean-Martin Wendel (1665-1737) wurde in der Eisenherstellung aktiv und kam dadurch zu Wohlstand. Der Herzog von Lothringen verlieh ihm einen Adelstitel. Seine Nachkommen waren weiterhin in der Eisenherstellung tätig. Mehrere Familienmitglieder besetzten politische Ämter in Moselle.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dominierte die Wendel Familie die Stahlindustrie in Frankreich und galt als eine der mächtigsten Industriellenfamilien des Landes. Verschwörungstheoretiker glaubten damals, dass die Wendels zu den 200 Familien gehören, die angeblich Frankreich kontrollieren. Die 200 Familien beziehen sich auf die damals 200 grössten Aktionäre der französischen Zentralbank, welche die Zentralbank bis zur Verstaatlichung 1936 kontrollierten (neben Wendel wären das Rothschild, Hottinguer, Schneider, Lazard, Mallet, Goüin und so weiter).

Die Wendel Familie war 1929 der grösste Arbeitgeber in Frankreich. Francois de Wendel (1874-1949) ging auf ein Jesuitengymnasium (die Wendels waren oder sind noch immer katholisch). Er gehörte von 1913 bis 1936 zur Führung der französischen Zentralbank. Sein Schwiegervater war Chef der französischen Marine. Die Wendel Familie war an vielen französischen Unternehmen beteiligt, bei denen Francois und sein Bruder Maurice Wendel (1879-1961) Vorstandsposten besetzten. Darunter waren Bergbau- und Kohleunternehmen sowie Versicherungen. Die zwei wichtigsten verbundenen Unternehmen waren Suez und die BUP. (Quelle: 1 und 2) Suez war ein Vorläufer des heutigen Energiekonzerns Engie. Die BUP war eine der führenden französischen Investmentbanken und wurde durch Fusionen Teil der Société Générale, eine der weltweit grössten Banken. Die BUP war von den Bankiersfamilien Hottinguer, Mirabaud, Neuflize, Mallet und Vernes gegründet worden.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Frankreich von Deutschland besetzt. Fabriken der Wendel Familie wurden auf Befehl der Nazis enteignet.

In der Nachkriegszeit waren die Wendels weiterhin die führenden Stahlunternehmer in Frankreich. Ihre beiden Stahlkonzerne, Sollac und Sacilor, wurden in den 80-erjahren verstaatlicht und sind Vorläufer des heutigen internationalen Stahlkonzerns ArcelorMittal, der derzeit zweitgrösste Stahlproduzent der Welt.

Sophie Boegner (*1952) ist über ihre Mutter mit der Wendel Familie verwandt. Ihre Schwester heiratete den französischen Politiker und Herzog Josselin de Rohan.

Die Wendel Familie war und ist mit französischen Politikern und Militärs verwandt, darunter mit mehreren Ministern. Die Familie heiratete in mehrere französische Adelsfamilien. Zum erweiterten Familienkreis der Wendels gehören die Adelsfamilien Noailles, La Rochefoucauld und Hauteclocque sowie die Milliardärsfamilie Peugeot. Der Wendel-Clan zählt mehr als 1000 Mitglieder. (Quelle) Der Grossteil davon trägt nicht den Namen Wendel und viele davon gehören zum französischen Adel.

Derzeit wird das Vermögen der Wendel Familie auf über 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt (Quelle).

Guy de Wendel (1878-1955) heiratete in die Argyropoulos Familie, die zur griechischen Elite gehört.

Der Wendel-Konzern

Die Wendel Familie gründete im Jahr 2002 eine eigene Investmentgesellschaft, die den Namen Wendel trägt. Die Familie besitzt derzeit über die Hälfte der Stimmrechte am Unternehmen. Der Jahresumsatz des Wendel-Konzerns lag in den letzten Jahren bei über 8 Milliarden US-Dollar. Wendel gehört damit zu den 20 grössten französischen Familienunternehmen. Wendel ist an folgenden Unternehmen beteiligt:

  • Wendel ist mit einem Anteil von 35 Prozent Hauptaktionär des französischen Prüfdienstleisters Bureau Veritas. Bureau Veritas ist eines der weltweit grössten Dienstleistungsunternehmen für Zertifizierungen, Klassifikationen, Prüfungen und Inspektionen. 2021 lag der Jahresumsatz bei knapp 5 Milliarden Euro.
  • Wendel ist mit einem Anteil von 19 Prozent zweitgrösster Aktionär des Telekommunikationsunternehmen IHS Towers. Dieses baut, vermietet und verwaltet Telekommunikationstürme. IHS Towers ist mit rund 38 000 Türmen einer der Marktführer und konzentriert sich auf Afrika, den Nahen Osten und Lateinamerika. Das afrikanische Unternehmen ist seit 2021 an der New Yorker Börse notiert. IHS Towers wurde in Nigeria vom amerikanisch-libanesischen Geschäftsmann Sam Darwin gegründet. 2021 lag der Jahresumsatz bei knapp 1,6 Milliarden Euro.
  • Wendel ist mit einem Anteil von 23,4 Prozent Grossaktionär von Tarkett. Das französische Unternehmen stellt Bodenbeläge her. 2021 lag der Jahresumsatz bei knapp 2,8 Milliarden Euro.
  • Wendel besitzt 60 Prozent des österreichischen Verpackungsunternehmens Constantia Flexibles. 2021 lag der Jahresumsatz bei 1,6 Milliarden Euro.
  • Wendel besitzt knapp 67,8 Prozent des niederländischen Spezialchemieunternehmens Stahl. 2021 lag der Jahresumsatz bei 831 Millionen Euro.

(Stand: 2021)

Wendel besitzt seit 2022 ACAMS, den weltweit führenden Anbieter von Trainings- und Zertifizierungsdiensten im Kampf gegen Geldwäsche und der Prävention von Finanzkriminalität.

Bis vor wenigen Jahren war Wendel noch an weiteren kleineren Unternehmen beteiligt.

Wendel war mehrere Jahre lang Grossaktionär des Industriekonzerns Saint-Gobain und besass eine Zeit lang über 20 Prozent der Anteile. Saint-Gobain ist einer der grössten französischen Konzerne und wurde 1665 vom französischen König gegründet. Saint-Gobain gilt als eines der ältesten Grossunternehmen der Welt.

Wendel besass mehrere Jahre lang den französischen Grossverlag Editis, der inzwischen zum Medienkonzern Vivendi gehört.

Wendel erwarb 2002 zusammen mit KKR den Industriekonzern Legrand. Dieser ist das vermutlich führende französischen Unternehmen im Bereich elektrische und digitale Gebäudeinfrastrukturen und ist auch in der Smart Home-Industrie aktiv.

Seit 2012 hat Wendel eine Milliarde US-Dollar in Afrika investiert (Quelle). Viele französische Grossunternehmen sind auch in Afrika aktiv. Frankreich kontrollierte im 19. Jahrhundert durch die Kolonialisierung grosse Teile des afrikanischen Kontinents und französische Grossbanken spielten eine wichtige Rolle in der Kolonialwirtschaft.

Die US-amerikanische Investmentbank „Arnhold and S. Bleichroeder“ war früher einer der Hauptaktionäre des Wendel-Konzerns (Quelle). Die Bank geht auf die deutschen Bankiersfamilien Arnhold und Bleichroeder zurück.

Baron Ernest-Antoine Seillière

Baron Ernest-Antoine Seillière (*1937) ist ein Erbe der Wendel Familie und leitete den Wendel-Konzern. Er kommt mütterlicherseits aus der Wendel Familie und väterlicherseits aus der Seillière Familie, die eine der führenden katholischen Bankiersfamilien war. Er erbte von seinem Vater den Titel eines Barons, der sein Grossvater vom Papst erhalten hatte (Quelle).

Baron Ernest-Antoine Seillière war im Lenkungsausschuss der Bilderberg-Treffen (Quelle). Er hielt eine Rede vor der Trilateralen Kommission (Quelle). Er war Präsident des Nationalen Rates der französischen Arbeitgeber und vertrat leidenschaftlich die Interessen der Arbeitgeber.

Baron Ernest-Antoine Seillière ist seit seiner Kindheit mit Michel David-Weill befreundet. (Quelle). Dieser ist das Oberhaupt der David-Weill Familie, eine der mächtigsten französischen Bankiersfamilien. Ernest-Antoine, seine Frau und seine Tochter Valentine kennen weitere superreiche Familien der französischen Elite, darunter Arnault, Peugeot, Dassault, Aga Khan und Lagardère.

Baron Ernest-Antoine Seillière war mit dem verstorbenen Milliardär Paul Desmarais befreundet (Quelle). Die Desmarais Familie ist eine der mächtigsten Familien Kanadas und hat viel Kontakt zur französischen Wirtschaftselite.

Die Frau von Ernest-Antoine ist Mitglied des „Cercle du Grand Théâtre de Genève“, dessen Mitglieder das Opernhaus in der Schweizer Stadt Genf unterstützen. Zum Opern-Cercle gehören derzeit Mitglieder der Schweizer Milliardärsfamilien Hoffmann, Odier, Pictet und Maus sowie mehrere Banker aus Genf. Hinzu kommen ein französischer Herzog, die Ehefrau des französischen Multimilliardärs Gerard Wertheimer, Prinz Amyn Aga Khan, ein Markgraf aus der italienischen Adelsfamilie Spinola und eine Gräfin aus der italienischen Adelsfamilie Brandolini d’Adda sowie Eva Lundin (sie ist die Witwe des schwedischen Rohstoffunternehmers Adolf Lundin und ist mit der schwedischen Bankiersfamilie Wallenberg verschwägert). (Stand:20.8.2022) (Quelle)

Baron Ernest-Antoine Seillière leitete die Holding CGIP, die der Vorläufer des heutigen Wendel-Konzerns war. Unter Ernest-Antoine Seillière finanzierte die CGIP den Aufbau der französischen Konzerne Capgemini und Valeo mit. Valeo ist einer der grössten Automobilzulieferer der Welt und Capgemini ist einer der weltweit grössten IT-Konzerne. Ernest-Antoine Seillière finanzierte auch die Anfänge des Biotechnologiekonzerns BioMérieux und der Optikerkette des Geschäftsmanns Alain Afflelou. (Quelle) Die schweizerisch-britische Investmentbank UBS Warburg besass 9 Prozent von CGIP (Quelle).

Die Seillière Familie

Florentin Seillière (1744-1825) kam durch Handel und Bankgeschäfte zu grossem Wohlstand. Er erhielt vom französischen Kaiser Napoleon den Titel eines Barons, der von der späteren Königsfamilie Bourbon bestätigt wurde. Er gründete 1807 die Banque Seillière, eine Familienbank.

Die Banque Seillière war eng mit der Wendel Familie verbunden sowie auch mit der Industriellenfamilien Schneider (Quelle).

Baron François-Alexandre Seillière (1782-1850) war Bankier und besass Fabriken. Sein Schwiegervater Guillaume Gibert gehörte zur Führung der französischen Zentralbank.

Baron Florentin-Achille Seillière (1813-1873) war Direktor eines grossen Eisenbahnunternehmens. Er war Mitgründer und Direktor der Crédit mobilier. Die französische Bank wurde 1852 von den Bankiersfamilien Pereire und Fould gegründet. Die Crédit mobilier war bis zu ihrem Zusammenbruch 1867 einer der grössten Kreditgeber und Investoren Europas. Zur Führung der Crédit Mobilier gehörten Mitglieder aus weiteren einflussreichen französischen Bankiersfamilien, wie André, Günzburg und Goüin.

Baron Florentin-Achille Seillière war Gründungs- und Grossaktionär der „Banque de Paris“ und ihres Nachfolgers Paribas. Paribas war eine der führenden französischen Investmentbanken und ist der Vorläufer der heutigen BNP Paribas, eine der grössten Banken der Welt. Zu den Gründern der Paribas Bank gehörten auch Mitglieder der Bankiersfamilien Stern, HentschBamberger, Goüin und Fould.

Baron Florentin-Achille Seillière war Mitgründer der Ottoman Bank. Die Ottoman Bank war die Zentralbank des Osmanischen Reiches und wurde von Briten und Franzosen kontrolliert. Laut dem französischen Wikipedia war Florentin-Achille Seillière auch Direktor der Grossbank „Crédit foncier de France“, die heute zur BPCE gehört, eine der grössten französischen Banken.

Baron Florentin-Achille Seillière vergab einen grossen Kredit an den führenden deutschen Industriellen Alfred Krupp. Florentin-Achille gab prächtige Partys, bei denen europäische Aristokraten zu Gast waren, darunter der damalige britische Prinz von Wales, ein Vertrauter der Seillière Familie. (Quelle).

Edgar-Aimé Seillière (1835-1870) heiratete in die Adelsfamilie Laborde. Der Familiengründer Jean-Joseph de Laborde (1724-1794) war Hofbankier des französischen Königs und wurde zum Markgrafen geadelt. Sein heutiger Nachkomme Ernest-Antoine Seillière, der Chef des Wendel-Konzerns war, trägt zusätzlich den Namen Laborde.

Jeanne Seillière (1839-1905) heiratete einen Herzog aus der Adelsfamilie Talleyrand-Périgord. Ihr gemeinsamer Sohn heiratete die US-Amerikanerin Anna Gould. Ihr Vater Jay Gould gilt als einer der reichsten Amerikaner der Geschichte. Die Gould Familie gehört bis heute zur Elite der USA.

Ernest Seillière (1866-1955) erhielt vom Papst den Adelstitel eines Barons. Sein Schwiegervater Charles Demachy war Präsident der bereits erwähnten Paribas Bank. Charles Vater war ein Partner der Seillière Bank und gehörte zur Führung der französischen Zentralbank.

1999 fusionierte die Banque Seillière mit der Privatbank „Neuflize Schlumberger Mallet“, deren Vorläufer auf die französischen Bankiersfamilien André, Neuflize, Schlumberger und Mallet zurückgehen. Durch eine weitere Fusion entstand 2006 Neuflize OBC, die zur niederländischen Grossbank ABN AMRO gehört. Neuflize OBC konzentriert sich auf Private Banking und verwaltet über 50 Milliarden US-Dollar.

Die Seillière Familie heiratete in mehrere französische Adelsfamilien.

Zur Liste der mächtigsten Familien der Welt

Anmerkung: Ich geh aktiv gegen Urheberrechtsverletzungen vor.

%d Bloggern gefällt das: