Barclay Clan & Berkley Familie

Der schottischer Barclay Clan stammt sehr wahrscheinlich von der englischen Adelsfamilie Berkley ab, auch wenn es bisher noch keinen endgültigen Beweis für eine Abstammung gibt. Ich habe trotzdem beide Familien in einen Beitrag genommen. Die Familienüberlieferung der Barclays besagt ebenfalls, dass sie von einem Berkley abstammen. Die beiden Familien existieren schon seit 1000 Jahren.

Die Quäkerfamilie Barclay

Ein Familienzweig des Barclay Clans war im 18. und 19. Jahrhundert eine bedeutende Bankiersfamilie. Sie gründeten und führten die Barclays Bank, einer der ältesten und mächtigsten Banken der Welt. Sie gehört schon seit dem 19. Jahrhundert zu den grössten Banken der Welt. 2019 belegte sie Platz 20 auf der Liste der grössten Banken weltweit. 2010 belegte sie noch Platz 10 und 1970 war sie sogar auf Platz 4 (Quelle). Im Jahr 2011 erstellten Wissenschaftler der ETH Zürich eine Liste der mächtigsten Unternehmen, die den Kern der Weltwirtschaft bilden. Die Barclays Bank belegte Platz 1 auf der Liste (Quelle).

Der Schriftsteller Robert Barclay (1648-1690) war eine der wichtigsten Persönlichkeiten des frühen Quäkertums (ein alternatives Christentum) und trug zur dessen Verbreitung bei. Erst wurden die Quäker verfolgt und verboten. Robert Barclay musste mehrmals ins Gefängnis wegen seinen Schriften und Missionierungsversuchen. Irgendwie schaffte er es jedoch einen Draht zum Herzog James/Jakob II. herzustellen, der aus der schottischen Königsfamilie Stuart kam und später von 1685 bis 1689 König von England, Schottland und Irland war. Dadurch verbesserte sich der gesellschaftliche Stand der Quäker in Britannien. 1682 wurde die Kolonie East Jersey in Nordamerika an zwölf Personen verkauft, von denen elf Quäker waren, darunter auch Robert Barclay, der zum Gouverneur der Kolonie ernannt wurde (er hat diese aber nie besucht). Interessanterweise wurde die Kolonie 20 Jahre zuvor von Baron John Berkeley aus der englischen Adelsfamilie Berkeley gegründet, der eng mit Jakob II. verbunden war. Robert Barclays Mutter kam aus dem schottischen Gordon Clan. Sein Bruder John Barclay (circa 1659-1731) hatte mehrere Regierungspositionen in der Kolonie East Jersey inne und wurde dort sesshaft.

1689 wurde Jakob II. (der letzte katholische König von Britannien) bei der „Glorreichen Revolution“ von britischen Aufständischen und der niederländischen Armee abgesetzt. Daraufhin bestieg der niederländische, protestantische Wilhelm III. von Oranien-Nassau den Thron. Der neue König und das englische Parlament verabschiedeten im selben Jahr den Toleration Act, der Religionsfreiheit für Quäker und andere christliche Gemeinschaften garantierte (dafür waren ab da Katholiken Diskriminierungen ausgesetzt).

Roberts Sohn David Barclay von Cheapside (1682-1769) stieg ins Bankgeschäft ein. Dessen Sohn David Barclay von Youngsbury (1729-1809) gründete 1736 die Barclays Bank. Der Vorläufer der Bank existierte schon seit 1690. Somit ist sie die siebtälteste (noch existierende) Bank der Welt.

Der Vorläufer der Barclays Bank gehörte John Freame, dem Grossvater mütterlicherseits von David Barclay. Davids Tochter heiratete Sampson Lloyd, der ein Mitgründer der Lloyds Bank war, die heute ebenfalls zu den grössten Banken der Welt gehört. Die Familien Barclay, Lloyd und Freame waren Quäker.

Der Bankier Joseph Gurney Barclay (1816-1898) leitete die Barclays Bank. Seine Mutter kam aus der Gurney Familie, die 1770 die Gurneys Bank gründete, die 1896 mit der Barclay Bank fusionierte. Die Gurneys waren ebenfalls Quäker. Josephs gleichnamiger Enkel (1879-1976) wurde ebenfalls Bankier der Barclays Bank. Dieser war der letzte Barclay, der eine leitende Position bei der Bank einnahm (soviel ich weiss). Allerdings waren ab da mehrere Familien in der Führung der Barclays Bank, die im 19. Jahrhundert mit den Barclays befreundet waren. So waren in den letzten 70 Jahren mehrere Mitglieder der Quäkerfamilien Pease, Tuke und Bevan in leitenden Positionen der Bank sowie auch die Buxton Familie (Verwandte der Quäkerfamilie Gurney).

George Head Barclay (1862-1921) war britischer Diplomat. Er erhielt drei Orden vom britischen Königshaus. Seine Mutter kam aus der Gurney Familie. Seine Schwester heiratete in den schottischen Carnegie Clan.

Roderick Barclay (1909-1996) war britischer Diplomat und bekam zwei Orden vom britischen Königshaus.

Mehrere Mitglieder der Quäkerfamilie Barclay heirateten in die britische Industriellenfamilie Fox, die ebenfalls Quäker waren.

Der US-amerikanische Familienzweig

Robert Barclay, der Gründer der Quäkerfamilien Barclay, hatte einen Bruder, John Barclay (circa 1659-1731), der nach Nordamerika in die Kolonien East Jersey emigrierte und dort mehrere Regierungspositionen inne hatte. Robert hatte, wie bereits erwähnt, die Kolonie mit weiteren Geschäftsleuten erworben.

Johns Enkel war der Kaufmann Andrew Barclay (1719-1775). Andrew heiratete in die Roosevelt Familie, die zu den wichtigsten Kolonialfamilien Nordamerikas gehörte. Im 20. Jahrhundert stellte die Roosevelt Familie zwei US-Präsidenten und gehört bis heute zur US-Elite.

Andrew Barclay war Präsident der „Saint Andrew’s Society of the State of New York“. Diese wurde 1756 gegründet und besteht bis heute. Sie ist somit die älteste Wohltätigkeitsorganisation von New York. Die Gesellschaft wird seit ihrer Gründung von schottischen Clans geführt. Von 1975 bis 1977 war ein Gordon L. Barclay Präsident der Gesellschaft. St. Andrew’s Societies gibt es in vielen ehemaligen britischen Kolonien (USA, Kanada, Australien und weitere) und werden von schottischen Clans geführt. Sie dienen unter anderem dazu, Kontakte zwischen den schottischen Kolonialfamilien zu fördern.

James Lent Barclay (1848-1925), der ebenfalls aus diesem Familienzweig kommt, verkehrte mit den Familien AstorVanderbilt, Livingston und Van Rensselaer sowie mit weiteren Familien der US-Elite (Quelle).

Weitere Familienzweige des Barclays Clans

Baron Colville Barclay (1829-1896) war britischer Kolonialverwalter in Sri Lanka. Er erhielt einen Orden vom britischen Königshaus. Sein gleichnamiger Sohn Colville Barclay (1869-1929) war britischer Diplomat. Er wurde in den Privy Council aufgenommen, welcher der Geheimrat der britischen Königsfamilie ist, die ihm vier Orden verlieh.

Malcolm Barclay-Harvey (1890-1969) war von 1949 bis 1953 Grossmeister der Freimaurer-Grossloge von Schottland (Quelle). Die Freimaurerei entstand vermutlich in Schottland und war von Anfang an mit den schottischen Clans verbunden. Malcolm war von 1939 bis 1944 Gouverneur von Südaustralien. Der Gouverneur ist der Stellvertreter der britischen Königsfamilie in Südaustralien. Australien war bis 1901 eine britische Kolonie und gehört heute zu den Commonwealth-Staaten, die politisch und wirtschaftlich eng mit Grossbritannien verbunden sind. Die britische Königsfamilie stellt heute noch das Staatsoberhaupt von Australien. In seiner Zeit als Gouverneur war Malcolm auch Grossmeister der Freimaurer-Grossloge von Südaustralien (Quelle). Er erhielt einen Orden vom britischen Königshaus. Es waren ausserdem mehrere Barclays in der australischen und neuseeländischen Politik. Malcolm war zudem Grossmeister des schottischen Templerordens (Quelle). Hiermit ist natürlich der „echte Templerorden“ gemeint, denn es gibt noch mehrere Möchtegern-Orden, die sich selbst als Templer bezeichnen, aber ziemlich sicher nur Wichtigtuer sind. Über die schottischen Tempelritter ist sehr wenig bekannt und es ist unklar, ob eine Verbindung zu den schottischen Tempelrittern aus dem 12. Jahrhundert besteht. Der Templerorden von damals gilt als möglicher Vorläufer der Freimaurerei. Der heutige Templerorden nimmt nur christliche Master Masons und Royal Arch Masons auf (Quelle). Das bedeutet, dass man den 4. Grad im York-Ritus und den 3. Grad im schottischen Ritus erreicht haben muss. Wer diese Grade erreicht, darf dem Templerorden beitreten und hat auch Anspruch auf eine Mitgliedschaft im „Order of Royal and Select Masters“ (Orden der königlichen und auserwählten Meister), auch bekannt als kryptische Freimaurer. Die Mitgliedschaft bei den britischen Tempelrittern ermöglicht einem Beitritte in noch weitere Orden (Quelle). Hier sollte noch erwähnt werden, dass der Grossteil der Freimaurer keine Hochgrad-Maurer sind. Genaue Zahlen gibt es z. B. in der Schweiz. Von den schweizerischen Freimaurern, die den schottischen Ritus praktizieren, befinden sich derzeit 3500 Mitglieder auf dem 1. bis 3. Grad, während derzeit nur 900 Mitglieder den 4. Grad erreichten (Quelle). In der Schweiz darf der Kreis aus Freimaurern, die den 33. Grad (der höchste Grad) erreichen, aus maximal 99 Personen bestehen. Der Oberste Rat der schweizerischen Freimaurer darf aus maximal 33 Personen bestehen (Quelle). Malcolm Barclay-Harvey heiratete die Tochter eines britischen Grafen.

Michael Andreas Barclay de Tolly (1761-1818) wurde im baltischen Raum geboren. Er wurde Kriegsminister vom russischen Reich im Krieg gegen Napoleon und wurde zum Fürsten geadelt. Er war auch sieben Monate lang russischer Generalgouverneur von Finnland. Zweige der schottischen Clans Bruce und Armstrong wurden zu der Zeit ebenfalls in den russischen Adel aufgenommen (Quelle). James Francis Edward Keith, der Sohn eines britischen Grafen aus dem schottischen Keith Clan, wurde 1740 der zweite Grossmeister der russischen Freimaurer. Er war ein Cousin des schottischen Grafen John Keith (circa 1699-1758). Dieser war Grossmeister der englischen und schottischen Freimaurer. (Quelle)

Weitere erwähnenswerte Personen mit Familiennamen Barclay, bei denen aber unklar ist, ob und wie eng sie mit dem Barclay Clan verwandt sind:

  • David und Frederick Barclay (*1934) sind Zwillinge und britische Milliardäre. Ihr Vermögen wird 4,3 Milliarden US-Dollar geschätzt. Sie sind im Einzelhandel und Immobiliengeschäft tätig. Sie kontrollieren mehrere grosse britische Zeitungen.
  • Der Schotte William Barclay Peat (1852-1936) gründete den wichtigsten Vorläufer der KPMG, die heute zu den vier wichtigsten Wirtschaftsprüfern der Welt gehört.
  • Der Kanadier Richard Barclay gehörte 1992 zu den Gründern des kanadischen Goldkonzerns Eldorado Gold und war mehrere Jahre dessen CEO. Er arbeitete noch bei weiteren Bergbauunternehmen.
  • John Barclay (1749-1824) war ein US-Politiker und Mitgründer der „Insurance Company of North America“ (INA). Diese wurde 1792  gegründet und war eines der grössten amerikanischen Versicherungsunternehmen des 19. und 20. Jahrhunderts. John Barclay war zudem Präsident der Bank of Pennsylvania. Die Bank wurde 1780 gegründet um während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Geld für die Kontinentalarmee bereit zu stellen.
  • Moira Barclay-Fernie war von 2001 bis 2003 Präsidentin der St. Andrew’s Society von Montreal in Kanada. St. Andrew’s Societies gibt es in vielen ehemaligen britischen Kolonien (USA, Kanada, Australien und weitere) und werden von schottischen Clans geführt. Sie dienen unter anderem dazu, Kontakte zwischen den schottischen Kolonialfamilien zu fördern. Daher wird Moira vermutlich Clanmitglied sein.
  • Ein Stanley J. Barclay war 2016 Grossmeister der Freimaurer-Grossloge von Manitoba in Kanada. Die Grossloge wird traditionell von schottischen Clans geführt (Quelle).
  • Ein Andrew L. Barclay war von 1907 bis 1909 Grossmeister der Loge von Old Aberdeen in Schottland. Die Loge wird traditionell von schottischen Clans geführt (Quelle).
  • Ein Franklin R. Barclay war 1977 Junior Wardens (Offizier) der Grossloge des US-Bundesstaats Maine, in der auch einige schottische Clans vertreten sind (Quelle).
  • Ein James Barclay war Mitglied der schottischen Freimaurerloge Canongate Kilwinning Lodge, No 2. (Quelle). In dieser Loge waren sehr viele schottische Clans vertreten, unter anderem Hamilton, Murray, Forbes, Douglas, Hope, Fraser, Sutherland und Drummond. Die Loge wurde 1677 gegründet und gehört damit zu den ältesten Freimaurerlogen der Welt (Quelle).

Es gibt eine kanadische Freimaurerloge mit dem Namen Barclay Lodge in der auch schottische Clans vertreten sind.

Der Uhrmacher Barclay Watch Co. entwirft Uhren mit Freimaurerdesign.

Berkley Familie

Baron John Berkeley (1602-1678) war der Gründer der britischen Kolonie New Jersey in Nordamerika. Er sorgte für Religionsfreiheit in der Provinz, was unter anderem Siedler anzog, die zu religiösen Minderheiten gehörten. 1682 wurde die Hälfte der Kolonie an eine Gruppe Quäker verkauft. Darunter war auch Robert Barclay (1648-1690), der zum Gouverneur der Kolonie ernannt wurde. John Berkeley heiratete die Tochter des wohlhabenden Kaufmanns Andrew Riccard. Dieser gehörte zur Führung der East India Company, der Levant Company und der Turkey Company, drei wichtige britische Handelskompanien der damaligen Zeit. John Berkleys Bruder William Berkeley (1605-1677) war Gouverneur der Kolonie Virginia. Dieser war im Gegensatz zu seinem Bruder intolerant gegenüber christlichen Minderheiten und verachtete Quäker und Puritaner. Ein von ihm erlassenes Gesetz bestrafte deren Prediger in der Kolonie. Der Vater der beiden Brüder war Maurice Berkeley (1576-1617). Er hielt Aktien der Virginia Company of London, welche die Kolonialisierung von Virginia organisierte und finanzierte.

Graf George Berkeley (1628-1698) gehörte zur Royal African Company, die der führende Sklavenhändler der damaligen Zeit war. Die britische Handelskompanie bestand von 1660 bis 1752. George Berkeley war langjähriger Gouverneur der Levant Company, eine englische Handelskompanie, die für den Handel zwischen England und dem Osmanischem Reich zuständig war. Sie wurde 1592 gegründet und bestand bis 1825. George Berkeley wurde in den Privy Council aufgenommen, welcher der Geheimrat der britischen Königsfamilie ist.

Baron Norborne Berkeley (1717-1770) war Kolonialgouverneur von Virginia.

Der US-Amerikaner Randolph C. Berkeley (1875-1960) war ein Generalmajor des US-Militärs. Er war ein direkter Nachkomme des oben erwähnten Kolonialgouverneurs Wiliam Berkley. Er war Freimaurer (Quelle).

Britische Adlige aus der Berkeley Familie heirateten in die schottischen Clans Lennox und Drummond sowie in die englische Adelsfamilie Villiers.

Zur Liste der mächtigsten Familien der Welt

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