Vor einigen Jahren erregte das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica grosses Aufsehen, weil es im Präsidentschaftswahlkampf 2016 Donald Trump unterstützt hatte. Das Unternehmen erbrachte als „Targeting Partner“ Dienstleistungen für Trumps Social-Media-Kampagne. Dabei sammelte und verwendete Cambridge Analytica auf illegale Weise Daten von Millionen von Facebook-Nutzern. Diese Daten hatten Einfluss auf Trumps Wahlkampfstrategien.↗ Das Unternehmen erhielt dafür 5,9 Millionen US-Dollar von Trumps Team. Nach Trumps Wahlsieg sagte sein Schwiegersohn Jared Kushner: „Wir haben festgestellt, dass Facebook und digitales Targeting die effektivsten Methoden sind, um die Zielgruppen zu erreichen.“ ↗
Der CEO von Cambridge Analytica, Alexander Nix, sagte in einer Pressemitteilung: „Wir sind begeistert, dass unser revolutionärer Ansatz der datengetriebenen Kommunikation einen derart grundlegenden Beitrag zum Sieg für Donald Trump leistet.“ Das Unternehmen erhielt auch Aufträge von Gouverneuren der Republikanischen Partei und unterstützte den Wahlkampf des republikanischen Senators Ted Cruz. Alexander Nix prahlte, Cambridge Analytica habe Psychogramme von allen erwachsenen US-Bürgern.↗ ↗ Nix sagte: „Wir konnten ein Modell entwickeln, um die Persönlichkeit jedes einzelnen Erwachsenen in den Vereinigten Staaten von Amerika vorherzusagen.“ ↗
2018 meldete Cambridge Analytica Insolvenz an und wurde aufgelöst.
Natürlich ist Trumps Wahlsieg 2016 nicht auf Cambridge Analytica zurückzuführen und der Einfluss auf die Wahl war wohl nicht allzu gross. Dennoch ist das Unternehmen interessant, da seine Muttergesellschaft in verschiedensten Ländern Wahlen beeinflussen wollte und psychologische Operationen (PsyOps) durchführte. Das Unternehmen hatte enge Verbindungen zum britischen Militär und zur Konservativen Partei Grossbritanniens.
Aktivitäten der SCL Group
Cambridge Analytica war eine Tochterfirma der SCL Group. Dieses britische Unternehmen wurde 1993 gegründet und 2018 aufgelöst.↗ Die SCL Group stellte nach eigenen Angaben „Daten, Analysen und Strategien für Regierungen und militärische Organisationen weltweit“ zur Verfügung.↗ Im Jahr 2005 behauptete die SCL Group auf einer globalen Waffenmesse in London, sie sei das erste Unternehmen, das dem britischen Militär Dienstleistungen im Bereich der psychologischen Kriegsführung anbietet.↗ SCL wurde vom britischen Verteidigungsministerium als vertrauenswürdiger Partner eingestuft und stand auf der X-Liste, erhielt also Zugang zu geheimen Informationen. SCL bot im Geheimen Schulungen für die 15. Psyops Group an.↗ Diese Abteilung des britischen Militärs war für PsyOps zuständig.
Die SCL Group befasste sich im Auftrag der britischen Regierung mit pakistanischen Dschihadisten. Das Unternehmen führte im Iran und im Jemen Aufträge für das Pentagon durch. SCL-Führungskräfte trafen sich mit Vertretern des Pentagons. Ausserdem erstellte die SCL Group Geheimdienstanalysen für Rüstungsunternehmen aus den USA. Diese Analysen betrafen den Iran, Libyen und Syrien. SCL hielt Präsentationen auf NATO-Konferenzen. Das Unternehmen half NATO-Staaten, der russischen Propaganda in Osteuropa entgegenzuwirken.↗ ↗ Ein Whistleblower, der für Cambridge Analytica gearbeitet hatte, schrieb, dass die SCL Group hauptsächlich für die NATO im Bereich der psychologischen Kriegsführung arbeitete.↗ SCL half der NATO bei der psychologischen Manipulation der Bevölkerung in Afghanistan und Osteuropa.↗
SCL arbeitete bei zahlreichen Projekten mit der US-Regierung zusammen, darunter im Bereich der Meinungsforschung. Das Unternehmen erhielt einen Vertrag mit einer Abteilung des US-Aussenministeriums. Zu dieser Zeit begann eine ehemalige Mitarbeiterin des Aussenministeriums für SCL zu arbeiten.↗ ↗
Die SCL Group sagte, sie habe Wahlen in über 15 Ländern auf der ganzen Welt beeinflusst. Sie schrieb auf ihrer Webseite, dass sie in über 60 Ländern Programme zur Verhaltensänderung durchgeführt hatte.↗ SCL behauptete, an über 100 Wahlkämpfen in 32 Ländern beteiligt gewesen zu sein.↗
SCL war vor allem im globalen Süden aktiv, unter anderem in Südafrika, Afghanistan, Iran, Jemen, Pakistan, Indonesien, Thailand und den Philippinen. In Nigeria half das Unternehmen bei einem Projekt zur „Wählerunterdrückung“. SCL hatte auch Kunden in der Schweiz. Der Chef der SCL-Tochterfirma in Indien war Amrish Tyagi. Dieser half bei Donald Trumps Wahlkampf 2016 bei einer Wähleranalyse, die sich mit der indischen Diaspora in den USA beschäftigte. Die beiden führenden Parteien Indiens, die BJP und der INC, die sich seit vielen Jahren bekämpfen, waren beide Kunden von SCL.↗ ↗ ↗ ↗
SCL half der nepalesischen Königsfamilie bei ihrem Konflikt mit den Rebellen.↗ Auch die saudische Regierung, also das dortige Königshaus, gehörte zu den Kunden der SCL Group. Das Unternehmen erforschte unter anderem die Einstellung der saudischen Bevölkerung gegenüber der Königsfamilie. SCL unterstützte die Vereinigten Arabischen Emirate bei einer Social-Media-Kampagne gegen den Rivalen Katar. Nach dem Sturz des libyschen Diktators Gaddafi erstellte das Unternehmen psychologische Analysen über die Bevölkerung Libyens.↗
Als es 1998 in Indonesien zu Unruhen kam, wurde SCL beauftragt, Analysen zu den unzufriedenen Bürgern zu machen. SCL kam zum Ergebnis, dass vor allem Studenten mit der Regierung unzufrieden sind. Anscheinend riet SCL der politischen Elite Indonesiens, sie solle an den Universitäten im Geheimen selbst Proteste für die Studenten organisieren, damit die Studenten Dampf ablassen können und von den gewalttätigen Demonstrationen auf den Strassen ferngehalten werden. In Dokumenten der SCL Group hiess es danach: „Die Veranstaltungen waren so gross, dass es ein allgemeines Gefühl unter den Studenten gab, dass ihre Stimme wirklich gehört wurde.“ SCL half also offenbar bei der Organisierung von regierungskritischen Demonstrationen, die fremdgesteuert waren. Ein Jahr nach den Unruhen wurde Abdurrahman Wahid Präsident von Indonesien. Er sagte, er sei der SCL Group zu Dank verpflichtet für ihr strategisches Management seines Wahlerfolgs. Auch Chuan Leekpai, der zweimal Ministerpräsident von Thailand war, zeigte sich beeindruckt von den Fähigkeiten der SCL Group, Wahlen zu beeinflussen.↗ Der SCL-Chef Nigel Oakes wurde in Indonesien mit 300 000 US-Dollar in bar bezahlt. Das Bargeld wurde angeblich in Sporttaschen übergeben, wie man es sonst eigentlich nur von Kriminellen kennt.↗
Der SCL-Tochterfirma Cambridge Analytica wurde vorgeworfen, dass sie in Kenia im Wahlkampf 2017 ethnische Spannungen geschürt und Oppositionskandidaten „dämonisiert“ hatte.↗
SCL half einem Politiker in Lettland, eine Desinformationskampagne durchzuführen, die ethnische Spannungen zwischen Letten und der ethnisch russischen Bevölkerung schüren sollte. In einem Dokument der SCL Group stand dazu: „Im Wesentlichen wurden die Russen für die Arbeitslosigkeit und andere Probleme, die die Wirtschaft beeinträchtigen, verantwortlich gemacht.“ Im Dokument wurde behauptet, dass diese Aktion dem Kunden der SCL Group zum Sieg verhalf.↗
SCL führte im karibischen Inselstaat Trinidad und Tobago eine Kampagne durch, bei der politische Graffiti gesprüht wurden, die den Eindruck erweckten, als wären sie von jungen Leuten gemacht worden.↗ ↗
Ein Premierminister des karibischen Inselstaats St. Vincent warf SCL Belästigung und Stalking vor. SCL soll im Auftrag der Opposition versucht haben, den E-Mail-Account des Premierministers zu hacken.↗
Ein Sprecher der SCL Group sagte, dass die Vereinten Nationen (UN) zu ihren Kunden gehörten.↗
SCL führte Gespräche mit Führungskräften des russischen Ölkonzerns Lukoil.↗ Der US-Amerikaner Sam Patten arbeitete für SCL. Er betätigte sich als Lobbyist und Berater für prorussische Ukrainer, aber auch für russlandkritische Ukrainer. Er war oder ist noch immer mit Konstantin Kilimnik befreundet, einem mutmasslichen Agenten des russischen Geheimdienstes. Kilimnik hatte enge Verbindungen zu Paul Manafort, der Donald Trumps Wahlkampfleiter war. Manafort wurde wegen Verschwörung gegen die USA verurteilt, aber Trump begnadigte ihn. Auch Sam Patten wurde verurteilt, weil er illegalerweise 50 000 US-Dollar von ausländischen Staatsbürgern an Trumps Amtseinführungskomitee weitergeleitet hatte. Sam Patten soll sich in Nigeria an einer Kampagne der SCL Group beteiligt haben, bei der israelische Hacker beauftragt wurden.↗ ↗ ↗ Die Hacker sollten nach kompromittierendem Material über den nigerianischen Oppositionsführer Muhammadu Buhari suchen. Die Kampagne wurde von einem nicht namentlich genannten Milliardär aus Nigeria in Auftrag gegeben. Geheimdienstagenten aus verschiedenen Ländern, darunter aus Israel und Frankreich, sollen die Kampagne unterstützt haben. Ein ehemaliger Mitarbeiter der SCL-Tochterfirma Cambridge Analytica sagte: „Sie wissen nicht, wozu dieses Unternehmen fähig ist.“ ↗ ↗ Die Israelis sollen die E-Mails des Oppositionsführers gehackt und dann Wochen vor der Wahl belastende Informationen über ihn an die Medien weitergeleitet haben. Er hat die Wahl aber trotzdem gewonnen.↗ Die Hacker gehörten zum „Team Jorge“, einer israelischen Gruppe.↗ Die Gruppe führte geheime Aufträge für reiche Kunden durch. Zu den Dienstleistungen gehörten Hacking, Wahlbeeinflussung und die Manipulierung von sozialen Medien durch Armeen von Fake-Accounts.↗ Einer der Hauptinvestoren von SCL hatte eine enge Verbindung zum israelischen Geheimdienstkomplex, was weiter unten erläutert wird.
Ein Forschungsleiter aus dem Silicon Valley sagte, seine Nachforschungen haben ergeben, dass Cambridge Analytica nur die Spitze des Eisbergs von SCLs weltweitem Imperium von PsyOps und Informationsoperationen ist. Er sagte: „Wenn Sie anfangen, sich damit zu befassen, finden sie eine Menge sehr beunruhigender Dinge heraus.“ ↗
Weil SCL in vielen Ländern des globalen Südens aktiv war, waren darunter viele Länder des britischen Commonwealth sowie weitere ehemalige britische Kolonien. Da ich der Theorie anhänge, dass Leute aus der britischen Elite bis heute in ihren ehemaligen Kolonien Einfluss nehmen möchten, kam mir natürlich der Gedanke, dass SCL in irgendeiner Art und Weise Teil dieser Einflussnahme war, aber das ist nur eine Vermutung.
Vorstand und Beirat der SCL Group
Gründer und Leiter der SCL Group war der Brite Nigel Oakes. Er hatte in jungen Jahren eine Liebesbeziehung mit Lady Helen Windsor aus der britischen Königsfamilie.↗ ↗ Helen ist die Tochter des Herzogs von Kent. Der Herzog ist schon seit fast 60 Jahren Grossmeister der Freimaurer in England.↗ ↗ ↗ Nigel Oakes war nach Angaben seines LinkedIn-Profils von 2007 bis 2011 ein Fellow der Royal Institution, also zu einer Zeit, als sein Unternehmen bereits einflussreiche Kunden hatte.↗ Der Herzog von Kent ist Präsident der Royal Institution und der König ist Schirmherr der Organisation.↗ Die Royal Institution ist seit ihrer Gründung 1799 mit dem britischen Adel verbunden. Fünf ihrer Präsidenten kamen aus der hochrangigen Adelsfamilie Percy von Northumberland.↗
Nigel Oakes’ Vater John war High Sheriff der englischen Grafschaft Warwickshire.↗ John und sein Schwiegervater sowie die beiden Schwiegerväter von Johns Schwestern waren alle Offiziere der britischen Armee. Johns Grossvater mütterlicherseits, Pierce Lacy, war Vorsitzender der Börse in Birmingham und Ritter des Malteserordens. Pierce Lacy erhielt den Adelstitel eines Baronets.↗
Nach Angaben von Powerbase wurde Nigel Oakes bereits in den 80er-Jahren, also noch vor der Gründung der SCL Group, nachgesagt, für den britischen Geheimdienst MI5 zu arbeiten. Powerbase beruft sich dabei auf einen kanadischen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1984, den man im Internet nicht findet.↗ Mir erscheint es ohnehin naheliegend, dass SCL Verbindungen zum britischen Geheimdienst hatte.
Nigel Oakes gründete 1990, drei Jahre vor der Gründung der SCL Group, das Behavioural Dynamics Institute (BDI), eine Forschungseinrichtung zur Erforschung von Gruppenverhalten.↗ Es hat seinen Sitz in London. Oakes ist immer noch Vorsitzender des BDI.↗ Das BDI forscht bis heute zu Gruppenverhalten und wie man „wünschenswerte Verhaltensänderungen“ herbeiführen kann.↗
Nigel Oakes war sich bewusst, dass viele Kunden der SCL Group unethische Absichten hatten. Daher fand Oakes es nicht nur schlecht, dass die Medien seinem Unternehmen unethische Methoden vorwarfen, sondern sah es als gute Werbung für sein Unternehmen, da es viele Leute gibt, die nach einem Unternehmen suchen, das bereit ist, unethische Methoden anzuwenden.↗
Nigel Oakes wurde ein enger Geschäftspartner des Briten Alexander Nix, der den Vorsitz von Cambridge Analytica übernahm. Alexander Nix sagte, er habe sich an 40 politischen Kampagnen in den USA, Südamerika, Karibik, Europa, Asien und Afrika beteiligt. Nigel Oakes und Alexander Nix waren auf dem alten Elitecollege Eton gewesen.↗ Nix arbeitete für Barings, eine alte einflussreiche britische Bank.↗ ↗ Er und zwei Mitglieder seiner Familie besassen rund 25 Prozent der Anteile an der SCL Group.↗
Alexander Nix kommt aus einer Familie, die im 19. Jahrhundert Banker hervorbrachte. Die Familie heiratete zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Familie von William Brown (1784–1864).↗ ↗ Dieser gründete die britische Bank Brown Shipley. Seine Verwandten in den USA gründeten im Jahr 1800 Alex Brown & Sons, die erste Investmentbank der USA.
Alexander Nix heiratete Olympia Paus. Sie kommt aus den Familien Paus und Wilhelmsen, zwei Familien der norwegischen Elite. Die Familien kontrollieren den seit 1861 bestehenden Schifffahrtskonzern Wilh. Wilhelmsen.↗ Die Paus-Familie brachte nicht nur Geschäftsleute, sondern auch hochrangige Freimaurer hervor.↗ ↗ ↗ Olympias Schwester Pontine war oder ist noch immer mit dem Grafen von Rosebery (Lord Dalmeny) zusammen.↗ Der Graf ist der Clan-Chef des schottischen Primrose Clans. Er ist mit der Rothschild-Familie verwandt, da sein Urgrossvater, der Premierminister Archibald Primrose, in die Rothschild-Familie heiratete.
Ende 2017 und Anfang 2018 traf sich ein Undercover-Reporter mehrfach mit Alexander Nix und täuschte ihm vor, ein Vertreter eines potenziellen reichen Kunden zu sein. In diesen Gesprächen deuteten Alexander Nix und seine Manager an, dass sie Erpressungstaktiken anwenden und Politikern Honigfallen stellen. Nix nannte im Gespräch Beispiele, wie man belastende Informationen über gegnerische Politiker beschaffen kann. Seine Firma könne „Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken“. Er meinte, dass sich schöne Ukrainerinnen gut dafür eignen. Er sagte, eine weitere Taktik sei, einen Politiker zur Korruption zu verführen und dies heimlich aufzunehmen, damit man eine belastende Aufnahme hat. Danach könne man das belastende Material in sozialen Medien und im Internet verbreiten*. Man könne auch ehemalige Spione einsetzen. Die Manager prahlten vor dem Undercover-Reporter, dass sie weltweit bei über 200 Wahlen mitgewirkt hatten. Nix sagte dem Undercover-Reporter, er habe Donald Trump viele Male getroffen.↗ ↗ ↗ ↗ In dem Gespräch sagte Nix, seine Firma sei eine sehr grosse Hilfe für Trumps Wahlkampf 2016 gewesen.↗ Nix sagte im Gespräch auch, dass er mit israelischen Unternehmen zusammenarbeitet, die „sehr effektiv bei der Informationsbeschaffung“ sind.↗
* Im Jahr 2010 hatte SCL diese Taktik bei Wahlen auf der karibischen Insel St. Kitts tatsächlich eingesetzt. Dort hatte SCL den damaligen Oppositionsführer zur Korruption verleitet und dies heimlich gefilmt. Danach wurde das Video im Internet verbreitet und auf YouTube gestellt.↗ ↗
Mark Turnbull, ein anderes Führungsmitglied von Cambridge Analytica, prahlte im Gespräch mit dem Undercover-Reporter, dass sie in Kenia in den Jahren 2013 und 2017 Uhuru Kenyatta massgeblich geholfen hatten, Präsident zu werden und die Wahlen zu beeinflussen.↗ 2013 wurde ein Mitarbeiter von Cambridge Analytica, der an Kenyattas Kampagne arbeitete, in Kenia tot in einem Hotelzimmer aufgefunden. Der Mitarbeiter war der Sohn des ehemaligen rumänischen Landwirtschaftsministers Ioan Avram Muresan. Ein anderer Mitarbeiter erzählte, ihm sei gesagt worden, dass der Rumäne vergiftet wurde.↗ ↗
In Mark Turnbulls LinkedIn-Profil steht momentan, dass er Ehren-Fellow des „Strategy and Security Institute“ der Exeter-Universität war und Mitglied des Chatham House ist. Das Chatham House gilt als eine der einflussreichsten Denkfabriken Grossbritanniens.
Mark Turnbull arbeitete 16 Jahre für die britische PR-Firma Bell Pottinger. Der Firma wurde mehrfach vorgeworfen, gegen ethische Standards verstossen zu haben. Bei Bell Pottinger konzentrierte sich Mark Turnbull auf Konfliktgebiete. Er beaufsichtigte die Aktivitäten von Bell Pottinger im Irak. Nach dem Irakkrieg 2003 wirkte die Firma an Propagandakampagnen im Irak mit. Die Firma tat dies im Auftrag der irakischen Übergangsregierung, die von Grossbritannien und den USA kontrolliert wurde. Danach spielte Bell Pottinger eine wichtige Rolle bei Kampagnen irakischer Politiker. Diese Politiker hatten die Unterstützung der USA und Grossbritanniens. Später beteiligte sich Bell Pottinger im Irak am Kampf gegen al-Qaida. Dabei produzierte die Firma gefälschte Terror-Propagandavideos. Bei diesen Videos konnten westliche Geheimdienste die IP-Adressen der Leute sehen, die sich die Videos anschauten. Bell Pottinger platzierte Nachrichten auf arabischen Fernsehsendern. Die Firma stand bei den verdeckten Operationen im Irak mit dem Pentagon, der CIA und dem Nationalen Sicherheitsrat in Kontakt. Das Pentagon zahlte Bell Pottinger mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar. Der Gründer von Bell Pottinger leistete PR-Arbeit für die Konservative Partei Grossbritanniens. Die von Mark Turnbull betreute Abteilung von Bell Pottinger erhielt ihren ersten Auftrag im Irak von Ian Tunnicliffe, einem Oberst der britischen Armee, der die strategische Kommunikation im Verteidigungsministerium leitete. Ian Tunnicliffe war zufälligerweise im Beirat der SCL Group.↗ ↗ ↗ Er nahm weltweit an Operationen des britischen Militärs teil.↗ Bell Pottinger hatte in Nigeria Treffen mit Geheimdienstlern, die zusammen mit der SCL-Tochterfirma Cambridge Analytica eine unethische Kampagne führten.↗
Zum Beirat der SCL Group gehörten Ivar Mountbatten aus der hochrangigen Adelsfamilie Mountbatten und John Tolhurst, ein Konteradmiral der Royal Navy.↗ ↗ Ivar Mountbatten ist ein Verwandter der britischen Königsfamilie. Er ist der Pate von Lady Louise Windsor.↗ John Tolhurst arbeitete bei der DESO, der staatlichen Organisation für britische Rüstungsexporte. Zudem war er Vorsitzender der DSEI, einer internationalen Messe der Rüstungsindustrie, die alle zwei Jahre in England stattfindet.↗ ↗
James Mitchell, ein ehemaliger Premierminister des karibischen Inselstaates St. Vincent, sass im Beirat der SCL Group. SCL soll eine Schmierkampagne gegen Mitchells Kontrahenten Ralph Gonsalves geführt haben. Gonsalves strebte damals ein Referendum an, das unter anderem dazu geführt hätte, dass Queen Elizabeth nicht mehr das Staatsoberhaupt von St. Vincent ist. James Mitchell hingegen war der britischen Monarchie freundlich gesinnt und gehörte zum Privy Council, dem Kronrat der Königin.↗ ↗ St. Vincent zählt bis heute zu den Commonwealth-Staaten und hat immer noch den britischen Monarchen als Staatsoberhaupt.
Zum SCL-Beirat gehörte Mark Birdwood.↗ Der Geschäftsmann war der 3. Baron Birdwood. Er hatte einen Sitz im House of Lords. Seine Tochter heiratete einen britischen Grafen.↗ ↗
Weitere Beiratsmitglieder waren Professor Phil Taylor, ein Experte für Propaganda und psychologische Kriegsführung, und Gavin McNicoll, ein Experte für Terrorismus und Geheimdienste. McNicoll war oder ist noch immer Mitglied des IISS und des Chatham House, zwei der einflussreichsten britischen Denkfabriken.↗ ↗
Sir Geoffrey Pattie war Vorsitzender der SCL Group.↗ Er war stellvertretender Vorsitzender der Konservativen Partei sowie Staatsminister für Verteidigung und Industrie in der Regierung von Margaret Thatcher. Ausserdem war er parlamentarischer Staatssekretär für die Beschaffung von Rüstungsgütern. In dieser Funktion drängte er auf eine Zusammenarbeit mit den USA bei der Rüstungsbeschaffung. Später wurde er Vorsitzender des britischen Rüstungsunternehmens GEC-Marconi und half beim Aufbau von Terrington Management, einer Firma, die Lobbyarbeit für Rüstungsunternehmen betreibt.↗ ↗ ↗
Zum Vorstand der SCL Group gehörte Dr. Andrew Ritcheson, ein Psychologe. Auf der SCL-Webseite wurde er als Fellow der Royal Society of Medicine und als Lehrtätiger an der Universität Oxford beschrieben, dessen Stärke das „Verständnis komplexer menschlicher Verhaltensweisen“ sei.↗
Ein weiteres Vorstandsmitglied war Jerry Knight. Auf der SCL-Webseite stand: „Jerry kam 2007 zu SCL, nachdem er eine lange und erfolgreiche Karriere bei der Royal Navy absolviert hatte. Als Fachexperte für Informationsoperationen (IO) war er für die Entwicklung und Überwachung von IO-Schulungen für Personal auf dem Balkan, im Irak und in Afghanistan verantwortlich. Seine Erfahrungen auf strategischer, operativer und taktischer Ebene machen ihn zu einem unschätzbaren Asset für SCL, wo er einige der weltweit effektivsten und modernsten IO-Schulungen für Regierungs- und Militärkunden entwickelt und durchführt.“ ↗
Investoren der SCL Group
Roger Gabb, ein ehemaliger Offizier der britischen Armee, gehörte zum Vorstand der SCL Group. Er und seine Familie besassen 2018 immer noch etwa 25 Prozent der Anteile am Unternehmen. Er hatte sein Vermögen im Weinhandel gemacht. 2006 spendete er eine halbe Million Pfund an die Konservative Partei. Er war ein Befürworter des Brexit.↗ ↗
Jonathan Marland, ein ehemaliger Schatzmeister der Konservativen Partei, war Anteilseigner der SCL Group. Er investierte einen Betrag im Wert von 70 000 US-Dollar in das Unternehmen.↗ ↗ Er hat seit 2006 einen Sitz im House of Lords und trägt den Titel eines Barons. In der Regierung von David Cameron war er Handelsgesandter sowie Staatssekretär im Ministerium für Energie und Klimawandel.↗ ↗
Jonathan Marland ist Schatzmeister der Atlantic Partnership. Diese transatlantische Organisation hat ihren Sitz in London. Sie wird von Briten und US-Amerikanern angeführt, aber sie setzt sich auch dafür ein, dass andere europäische Länder in das transatlantische Bündnis eingebunden sind. Marland war zur selben Zeit im Kuratorium wie Sir Evelyn de Rothschild. Auch John Drexel IV. aus den USA ist mit der Atlantic Partnership verbunden. Der einflussreiche US-Amerikaner Henry Kissinger war ein Förderer der Gruppe.↗
Jonathan Marland ist Vorsitzender des Commonwealth Enterprise and Investment Council.↗ Diese Organisation fördert Handel und Investitionen zwischen den 56 Commonwealth-Staaten.↗ Marland leitet die Organisation zusammen mit Baron Hugo Swire.↗ Hugos Tante Annette Swire ist die Mutter des SCL-Gründers Nigel Oakes. Annetes Onkel Douglas Swire heiratete Theodosia Boyle, die eine Nachkommin des Grafen von Glasgow war und somit aus dem schottischen Boyle Clan stammte. Zudem stammt Hugo Swire über seine Mutter aus dem Montgomerie Clan und ist ein Nachkomme des 14. Grafen von Eglinton. Hugos Mutter heiratete in zweiter Ehe den 7. Markgrafen Townshend.↗ In der Wikipedia steht derzeit, dass Hugo zur Milliardärsfamilie Swire gehört, aber dafür fand ich keine Quellen. Die Milliardärsfamilie gründete und kontrolliert den Swire-Konzern in Hongkong.
Jonathan Marland gehörte zum ersten Vorstand von Jardine Lloyd Thompson.↗ ↗ Das britische Grossunternehmen wurde vom Hongkonger Grosskonzern Jardine Matheson gegründet, der unter der Kontrolle der schottischen Milliardärsfamilie Keswick steht.
Marland ist im Beratungsgremium für Investitionen der Kuwait Investment Authority.↗ Diese ist der Staatsfonds von Kuwait und verwaltet zurzeit ein Vermögen im Wert von über einer Billion US-Dollar.
Marland war Vorsitzender der International Churchill Society und des Peggy Guggenheim UK Charitable Trust.↗ Marland ist im Kuratorium des British Museum, zu dem derzeit auch die Geschäftsleute George Weston, Alejandro Santo Domingo und Philipp Hildebrand gehören.↗ Letzterer ist stellvertretender Vorsitzender des führenden Finanzkonzerns BlackRock.
Die Tchenguiz-Brüder, zwei britische Geschäftsleute, besassen für acht Jahre Anteile an der SCL Group. Vincent Tchenguiz hielt knapp ein Viertel der Anteile. In diesem Zeitraum spendete er an die Konservative Partei. Die Tchenguiz-Brüder wurden im SCL-Vorstand durch Julian Wheatland vertreten.↗ ↗ Wheatland war Vorsitzender der SCL Group. Er war auch Vorsitzender der Oxford Conservative Association und hatte damit ebenfalls eine enge Verbindung zur Konservativen Partei.↗
Die Tchenguiz-Brüder wurden im Iran in eine reiche irakisch-jüdische Familie geboren. Ihr Vater Victor leitete die iranische Münzanstalt und kannte den Schah. Victor diente der iranischen Herrscherfamilie als Juwelier. Nach dem Sturz des Schahs flüchtete Victor nach Grossbritannien. Später lebte er in Israel. Seine Söhne wurden Geschäftsleute in Grossbritannien und machten ein geschätztes Vermögen von 850 Millionen Pfund, aber sie verloren später einen grossen Teil ihres Vermögens. Vincent Tchenguiz verkehrt mit internationalen Eliten. Einmal speiste er mit Saif al-Islam, dem Sohn des libyschen Diktators Gaddafi. Der Bruder Robert Tchenguiz hatte laut der Times eine romantische Beziehung mit der britischen Prinzessin Diana.↗ ↗ ↗
Robert Tchenguiz war ein Klient von James Henderson. Dieser leitete die bereits erwähnte PR-Firma Bell Pottinger, der unethische Geschäftspraktiken nachgesagt wurden.↗
Vincent Tchenguiz war ein Kunde von Black Cube. Das israelische Unternehmen ist ein privater Geheimdienst, der ehemalige Mitarbeiter von israelischen Geheimdiensten beschäftigt. Der Mossad-Chef Meir Dagan war Ehrenvorsitzender von Black Cube. Vincent Tchenguiz verkrachte sich mit Black Cube und führte einen Rechtsstreit mit dem Unternehmen. Die Anwälte von Tchenguiz behaupteten, ihr Mandant habe an der Gründung von Black Cube mitgewirkt und in das Unternehmen investiert. Laut der Klage wurde Tchenguiz genau über die Aktivitäten von Black Cube informiert. Die britische Niederlassung von Black Cube soll von einem Londoner Büro aus operiert haben, das Tchenguiz gehörte. Laut einem Ausschussbericht des britischen Parlaments gab es Verbindungen zwischen der SCL Group und Black Cube.↗ ↗ ↗ Black Cube hat wie die SCL Group im Auftrag seiner Kunden unethische Methoden angewendet. Black Cube versuchte, bei einem heimlich aufgenommenen Gespräch einen Richter zu antisemitischen Aussagen zu provozieren, die man dann gegen den Richter hätte verwenden können. Der Filmproduzent Harvey Weinstein heuerte Black Cube an, um Informationen über Frauen zu sammeln, die Weinstein sexuelle Übergriffe vorwarfen. Auch Journalisten, die sich mit dem Fall Weinstein beschäftigten, gerieten ins Visier von Black Cube.↗
Die SCL-Tochterfirma Cambridge Analytica ging eine strategische Partnerschaft mit der Psy-Group ein, einem weiteren privaten Geheimdienst aus Israel. Die Psy-Group setzte unethische Geschäftspraktiken ein, unter anderem Honigfallen. Dies wird weiter unten erläutert. Wie bereits erwähnt wurde, schätzte der CEO von Cambridge Analytica die Fähigkeiten seiner israelischen Partner.
Vincent Tchenguiz investierte bis zu zwölf Millionen Pfund in Unternehmen, die im Bereich Verteidigung, Cybersicherheit und Geheimdienst tätig sind. 500 000 Pfund gingen an eVigilo, ein israelisches Unternehmen für Sicherheitstechnologien.↗
Die Tchenguiz-Brüder teilten sich ein Büro mit Kevin Maxwell. Dessen Vater war der zwielichtige Unternehmer Robert Maxwell und seine Schwester Ghislaine war eine wichtige Komplizin des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.↗ ↗ Robert Maxwell, der unter ungeklärten Umständen starb, hatte Verbindungen zum britischen, israelischen und sowjetischen Geheimdienst.↗
Cambridge Analytica
Cambridge Analytica war wie gesagt eine Tochterfirma der SCL Group und erbrachte 2016 Dienstleistungen für Donald Trumps Wahlkampfteam.
Der US-amerikanische Geschäftsmann Robert Mercer war ein früher Investor von Cambridge Analytica.↗ Er unterstützte das Unternehmen mit 15 Millionen US-Dollar und war damit der Hauptinvestor. Robert Mercer war damals ein wichtiger Unterstützer und Spender von Trump. Mercers Tochter Rebekah gehörte zum Vorstand von Cambridge Analytica.↗ ↗ ↗ Sie war sogar Präsidentin des Unternehmens.↗ Die Mercer-Familie war 2018, als Cambridge Analytica aufgelöst wurde, immer noch Mehrheitseigentümer des Unternehmens.↗
Cambridge Analytica wurde 2013 gegründet, nachdem Robert Mercer Grossbritannien besucht hatte. Mercer finanzierte libertäre Organisationen, darunter auch Gruppen, die widerlegen wollen, dass die globale Erwärmung menschengemacht ist. Mercer war Co-CEO von Renaissance Technologies.↗ Das Unternehmen ist einer der grössten Hedgefonds der Welt.↗ Mercer hat ein Vermögen von mehreren 100 Millionen US-Dollar oder ist vielleicht sogar Milliardär.↗ Er hatte vor ein paar Jahrzehnten für den IT-Konzern IBM gearbeitet. Damals leitete er ein Projekt für Sprachübersetzung in Computern. Dieses Projekt wurde von der DARPA mitfinanziert, einer Behörde des Pentagons, die Forschungen betreibt und finanziert.↗ Die meisten Forschungsprojekte der DARPA zielen darauf ab, einen Nutzen für das US-Militär zu erbringen. Die DARPA hatte das ARPANET entwickelt, aus dem das Internet hervorging.
Die Mercer-Familie spendete an die Heritage Foundation, eine rechte Denkfabrik.↗ Rebekah Mercer (die Präsidentin von Cambridge Analytica war) ist derzeit im Kuratorium der Heritage Foundation.↗ Sie gehört seit 2014 zum Kuratorium.↗ Die Heritage Foundation hat das Project 2025 entworfen, eine konservative Agenda, die Trump in seiner zweiten Amtszeit umsetzen soll. Trump hat viele Punkte dieser Agenda umgesetzt. Nachdem Trump zwei Monate im Amt war, berichtete das Wall Street Journal, dass mehr als die Hälfte von Trumps Dekreten im Sinne von Project 2025 sind.↗
Die Mercer-Familie trat dem Council for National Policy (CNP) bei und unterstützte ihn mit Hunderttausenden Dollar. Der CNP besteht aus einflussreichen Konservativen. Die Gruppe legt viel Wert auf Geheimhaltung.↗ Ein paar seiner Mitglieder haben Verschwörungstheorien verbreitet. Gleichzeitig ist der CNP manchmal selbst Teil von Verschwörungstheorien. Tim LaHaye, der Gründer des CNP, behauptete, dass es eine globale Verschwörung von Illuminaten gibt und dass nur konservative Kräfte in der Lage sind, dieser Verschwörung Einhalt zu gebieten.
Das Netzwerk der Mercer-Familie hatte oder hat noch immer Verbindungen zum Netzwerk der einflussreichen Familie Mellon Scaife. Beide Netzwerke unterstützten Trump und führten Kampagnen gegen Bill und Hillary Clinton. Die Mellon-Familie pflegt schon seit 100 Jahren Kontakte zur britischen Elite.
Rebekah Mercer war 2018 Mitgründerin von Parler. Parler ist ein soziales Netzwerk, auf dem sich viele Verschwörungstheoretiker, Rechtsextreme und Trump-Fans herumtummeln. Rebekah Mercer hatte oder hat noch immer grossen Einfluss auf Parler.↗ Der Brite George Farmer war CEO von Parler. Er ist der Ehemann der bekannten Verschwörungstheoretikerin Candace Owens. George Farmer war Vorsitzender des britischen Ablegers von Turning Point, einer rechtskonservativen Interessensgruppe aus den USA.↗ Farmers Vater Michael war Schatzmeister der Konservativen Partei und hat seit 2014 einen Sitz im House of Lords. Im Gegensatz zu seiner Schwiegertochter Owens ist er ein Freund Israels und des jüdischen Volkes. Der Multimillionär wurde als einer der einflussreichsten Rohstoff-Hedgefonds-Händler der Welt bezeichnet. Er befürwortete den Brexit und spendete 300 000 Pfund an die Vote Leave-Kampagne, die sich für den Brexit starkmachte und von Mitgliedern der Konservativen Partei angeführt wurde.↗ ↗ Vote Leave erhielt Unterstützung von der SCL Group, was weiter unten erläutert wird.
Ein politischer Berater der Mercer-Familie war Steve Bannon. Die Familie riet Trump, für seine Wahlkampagne Steve Bannon zu engagieren. Bannon leitete dann die letzte Phase von Trumps Wahlkampf. Nach Trumps Sieg war er sieben Monate Trumps Chefstratege im Weissen Haus. Von 2014 bis 2016 gehörte Bannon zum Vorstand von Cambridge Analytica. Er war massgeblich an der Einführung von Cambridge Analytica in den USA beteiligt.↗ ↗ ↗ Er hatte Mercer dazu geraten, die Gründung des Unternehmens zu finanzieren.↗ Alexander Nix, der CEO von Cambridge Analytica, sagte, er habe fünf Jahre lang jeden Tag mit Bannon geredet.↗ Bannon gilt auch heute noch als eines der wichtigsten Sprachrohre der MAGA-Bewegung. Er hetzt gegen das Establishment. Dabei greift er auf Verschwörungstheorien und Desinformationen zurück.
Steve Bannon war oder ist noch immer ein Anhänger des republikanischen Senators Ted Cruz.↗ Robert Mercer spendete im Wahlkampf 2016 an Ted Cruz, der damals ein Kunde von Cambridge Analytica war.↗ ↗
Steve Bannon hatte in den 80er-Jahren für die führende Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet. 1990 gründete er eine eigene Investmentbank, die 1998 an eine damalige Tochterfirma der französischen Grossbank Société Générale verkauft wurde. Seit den 90er-Jahren war Bannon auch Filmproduzent in Hollywood. Er war oder ist noch immer Millionär.↗ ↗
Die Mercer-Familie investierte mindestens zehn Millionen Dollar in Breitbart News, eine rechte Nachrichtenseite, die damals von Steve Bannon geleitet wurde.↗ ↗ Breitbart News unterstützt Trump über seine Berichterstattung. Die Seite ist eine der erfolgreichsten alternativen Medien des rechten Spektrums in den USA. Obwohl es eine US-amerikanische Seite ist, wurde ihre Gründung in Israel beschlossen und die Gründer trafen den dortigen Ministerpräsidenten Netanjahu. Breitbart News vertritt eine sehr israelfreundliche Haltung. (Mehr dazu) Vor ein paar Monaten wurde Steve Bannon von Rabbi Tuly Weisz gelobt, der ihn als „Krieger für Israel“ bezeichnete. Weisz gründete Israel365, eine jüdische Gruppe, die er als „Israels Stimme in der MAGA-Bewegung“ sieht. Er beklagte, dass Teile des jüdischen Establishments die MAGA-Bewegung bekämpfen und sie zu Unrecht „als Antisemiten dämonisieren“.↗
Ich würde es nicht ausschliessen, dass Breitbart eine PsyOp ist, die unzufriedene Leute und Verschwörungstheoretiker in die gewünschte Richtung beeinflussen soll. Aus meiner Sicht ist auch die MAGA-Bewegung auf gezieltes Social Engineering zurückzuführen. Die Wutbürger und Verschwörungstheoretiker sind aber auch selbst schuld, wenn sie sich so leicht beeinflussen lassen, und es zeigt, dass die Einflusseliten schlauer sind als die elitenfeindlichen Strömungen in der Bevölkerung.
2014 eröffnete Breitbart News ein Büro in London.↗ Steve Bannon hat sich mit rechten Akteuren in Europa, Asien und Brasilien vernetzt. Er verfolgt offenbar das Ziel, dass eine neue rechte Elite die bisherigen Eliten ersetzen soll.
Nachdem 2018 in den Medien Details zu den Umtrieben des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein ans Licht gekommen waren, suchte Epstein Kontakt zu Steve Bannon und verbrachte viel Zeit mit ihm. Bannon wollte Epstein helfen, seinen Ruf wiederherzustellen. Das hat zumindest Epsteins Bruder so erzählt. Bannon wollte einen Dokumentarfilm über Epstein drehen. Er soll über 15 Stunden Interviews mit Epstein geführt haben. Er sagte im Juli 2025, er plane, den Dokumentarfilm Anfang des nächsten Jahres zu veröffentlichen.↗ Der Journalist Michael Wolff, der die beiden Männer gut kannte, behauptet, dass Epstein und Bannon gute Freunde waren und vor Epsteins Tod fast täglich in Kontakt standen.↗ Im Juli 2025 behauptete der Milliardär Elon Musk, dass Bannon in den Epstein-Akten steht.↗
Ein Berater der SCL Group war Michael Flynn, der offenbar Lobbyarbeit für das Unternehmen betrieb.↗ ↗ Der ehemalige Generalleutnant der US-Armee war kurzzeitig Trumps Nationaler Sicherheitsberater, aber musste dann zurücktreten, weil er seine Kontakte zu russischen Stellen verschwiegen hatte. Nach der Präsidentschaftswahl 2020 rief er Trump dazu auf, das Kriegsrecht zu verhängen, um Joe Bidens Amtsantritt zu verhindern. Michael Flynn förderte die Verschwörungstheorie, dass die Wahl 2020 gestohlen wurde und Trump eigentlich gewonnen hätte (eine Theorie, die auch von Steve Bannon vertreten wurde). Dies ist eine der wichtigsten Verschwörungstheorien unter Trumps Anhängern. Flynn verbreitete noch weitere Verschwörungstheorien. Unter Präsident Obama war Flynn der ranghöchste Militärgeheimdienstoffizier der USA gewesen, aber soviel ich weiss, verbreitete er zu dieser Zeit noch keine Verschwörungstheorien.↗ Er ist ein prominenter Förderer der QAnon-Theorie. Manche QAnon-Anhänger hielten ihn sogar für Q. Flynn glaubt selbst vermutlich nicht an diese Theorien. In einem geleakten Telefonat bezeichnete er QAnon als „völligen Unsinn“ und sagte: „Ich glaube, es ist eine Desinformationskampagne, die von der CIA ins Leben gerufen wurde.“ ↗ ↗
Nach Trumps Wahlsieg 2016 gehörte Rebekah Mercer (die Präsidentin von Cambridge Analytica) zu seinem Übergangsteam. Sie war es, die vorschlug, Michael Flynn zum Nationalen Sicherheitsberater zu machen.↗
Michael Flynn arbeitete im Büro des Direktors des Nationalen Geheimdienstes mit Josh Weerasinghe zusammen. Dieser half der SCL Group, an Aufträge von der US-Regierung zu kommen. Weerasinghe arbeitete für den führenden britischen Rüstungskonzern BAE Systems im Bereich der globalen Marktentwicklung.↗
Neben Flynn war John Bolton einer der Nationalen Sicherheitsberater in Trumps erster Amtszeit. Bolton gilt als ein unverbesserlicher Kriegsfalke. Sein Super-PAC war einer der ersten Kunden von Cambridge Analytica. Zu den Dienstleistungen gehörte „verhaltensbasiertes Mikrotargeting mit psychografischen Botschaften“. Auch hier verwendete das Unternehmen Daten von Facebook. Robert Mercer, der wie gesagt Hauptinvestor von Cambridge Analytica war, spendete fünf Millionen Dollar an Boltons Super-PAC.↗
Mindestens ein Mitarbeiter des umstrittenen Datenunternehmens Palantir gab Cambridge Analytica Ratschläge, wie sie an Daten von Facebook-Nutzern gelangen können. Ein Mitbegründer von Cambridge Analytica behauptete, dass noch andere hochrangige Mitarbeiter von Palantir involviert waren. Zu jener Zeit war der Palantir-Gründer Peter Thiel im Vorstand von Facebook. Thiel ist ein rechter Milliardär und Unterstützer von Trump. Palantir hat enge Verbindungen zum Pentagon und zu den US-Geheimdiensten. Sophie Schmidt, die Tochter des ehemaligen Google-Chefs Eric Schmidt, machte ein Praktikum bei der SCL Group. Sie soll versucht haben, SCL zu einer Zusammenarbeit mit Palantir zu bewegen. Alexander Nix, der Cambridge Analytica leitete, strebte auch eine Zusammenarbeit an, aber Palantir soll abgelehnt haben.↗
Rebekah Mercer und der Palantir-Gründer Peter Thiel gehörten zu den ersten Spendern des 2019 gegründeten Rockbridge Network. Diese konservative Gruppe ist mit Donald Trump und Trump-nahen Milliardären verbunden. Sie wurde von JD Vance mitgegründet, der heute Vizepräsident der USA ist.↗
2016 stimmte in Grossbritannien beim Brexit-Referendum eine Mehrheit für den Austritt aus der EU. Die Kampagne Vote Leave, die sich für den Brexit starkmachte und von Mitgliedern der Konservativen Partei angeführt wurde, erhielt Unterstützung von AggregateIQ, einem kleinen kanadischen Unternehmen. AggregateIQ war höchstwahrscheinlich eine Tochterfirma der SCL Group. Einer der Chefs von Vote Leave sagte, seine Kampagne verdanke AggregateIQ einen Grossteil ihres Erfolges. Er meinte: „Wir hätten das ohne sie nicht geschafft.“ Cambridge Analytica wurde vorgeworfen, Dienstleistungen für die Leave.EU-Kampagne erbracht zu haben, eine weitere Kampagne, die den Brexit forderte. Dies konnte man nicht nachweisen, aber Andy Wigmore, ein Mitarbeiter der Leave.EU-Kampagne, sagte, dass man mit Cambridge Analytica zusammengearbeitet hatte. Laut Wigmore wurde das Unternehmen jedoch nicht dafür bezahlt. Wigmore sagte, dass Cambridge Analytica gerne kostenlos helfen wollte, weil der britische Rechtspopulist Nigel Farage ein guter Freund der Mercer-Familie (Hauptaktionär von Cambridge Analytica) sei. Die Mercers haben demnach Freunde und Verbündete in Grossbritannien.↗ ↗ ↗ Nigel Farage wirkte massgeblich an der Kampagne zum Austritt aus der EU mit. Er traf sich mit Steve Bannon.↗ Eine hochrangige Mitarbeiterin von Cambridge Analytica sagte aus, das Unternehmen habe eine Datenanalyse für die Leave.EU-Kampagne durchgeführt, was das Unternehmen abstritt.↗
Wie bereits erwähnt wurde, befürwortete Roger Gabb, einer der Hauptinvestoren der SCL Group, den Brexit.
Als Boris Johnson von 2019 bis 2022 Premierminister war, trat Grossbritannien schliesslich aus der EU aus. Er war ein wichtiger Befürworter des Brexit. Er hatte Alexander Nix, den CEO von Cambridge Analytica, 2016 nach dem Brexit-Referendum getroffen. Boris Johnson war damals Aussenminister.↗ Er gehört zur Konservativen Partei.
Cambridge Analytica war auch in Asien, Australien, Afrika und Lateinamerika aktiv.↗
Nachfolger der SCL Group
2018 wurde berichtet, dass mindestens vier ehemalige Mitarbeiter von Cambridge Analytica mit dem US-amerikanischen Unternehmen Data Propria in Verbindung stehen. Der Chef von Data Propria hatte für Cambridge Analytica gearbeitet. Data Propria plante 2018 offenbar, Trumps Kampagne für die Wahlen 2020 zu unterstützen.↗
Die SCL Group und Cambridge Analytica wurden im Mai 2018 aufgelöst. Im darauffolgenden Monat wurde das britische Beratungsunternehmen Auspex International gegründet.↗ ↗ Das Unternehmen konzentrierte sich auf den Nahen Osten und Afrika. Die Gründer waren Mitarbeiter von Cambridge Analytica. Einer davon war Mark Turnbull, der Geschäftsführer von Auspex International wurde. Wie bereits erwähnt, war Mark Turnbull mit Bell Pottingers Arbeit im Irak betraut.↗ ↗ Auspex International hat eine Webseite. Im Gegensatz zu heute gab es anfangs auf der Seite keine Informationen, ausser einem Video und folgenden drei Sätzen: „Kommunikation ist ein mächtiges Mittel des politischen und sozialen Wandels mit dem Potenzial, positive Ergebnisse für Millionen zu liefern – von demokratischen Wahlen bis hin zu humanitären Graswurzel-Kampagnen. AUSPEX ist eine geopolitische Kommunikationsberatung, die sich auf politische, soziale und entwicklungspolitische Kampagnen fokussiert. Wir helfen Regierungen, politischen Parteien und Kampagnenorganisationen, ihre Zielgruppen mit grösserer Klarheit und Präzision anzusprechen und zu beeinflussen.“ Vorsitzender von Auspex International war oder ist noch immer Ahmed al-Khatib.↗ Er hatte das Unternehmen gegründet. Er war im Vorstand von Emerdata.↗ Das britische Beratungsunternehmen Emerdata wurde 2017 gegründet. Es ist eine Nachfolgefirma von Cambridge Analytica und SCL, was sich an folgenden Punkten ablesen lässt:
- Emerdata hatte dieselbe Adresse wie die SCL Group.
- Emerdata wurde von Julian Wheatland gegründet. Er war wie gesagt Vorsitzender der SCL Group und vertrat dort die bereits genannten Tchenguiz-Brüder.
- Ein anderer Mitgründer von Emerdata war Chief Data Officer von Cambridge Analytica.
- Alexander Nix, der Cambridge Analytica leitete, gehörte zum Vorstand von Emerdata.
- Rebekah Mercer und ihre Schwester traten dem Emerdata-Vorstand bei. Die Mercer-Familie war wie gesagt Hauptaktionär von Cambridge Analytica.
Der Emerdata-Vorstand nahm zwei Chinesen auf. Einer davon war stellvertretender Vorsitzender der Frontier Services Group*. Das Sicherheitsunternehmen hat seinen Sitz in Hongkong, konzentriert sich aber auf Afrika. Es wurde vom US-Amerikaner Erik Prince** gegründet und geleitet.↗ ↗ ↗
* Die Frontier Services Group wird inzwischen vom chinesischen Staatskonzern CITIC kontrolliert. Im Vorstand sind Führungskräfte von CITIC. Der derzeitige Vorsitzende, Chang Zhenming, war zuvor Vorsitzender von CITIC.↗
** Der umtriebige Erik Prince war weltweit in fragwürdige Geschäfte und Absprachen verwickelt. Bekannt ist er vor allem als Gründer des privaten Militärunternehmens Blackwater, das mit der CIA zusammenarbeitete. Blackwater beschäftigte in Kriegsgebieten Söldner. Erik Prince ist ein Unterstützer von Donald Trump. Seine Schwester Betsy DeVos war in Trumps erster Amtszeit Bildungsministerin.↗ Der verstorbene Schwiegervater von Betsy DeVos war Milliardär.↗ Erik Prince ist mit Steve Bannon verbunden.↗ ↗ Prince arbeitete auch mit Michael Flynn zusammen, der wie bereits erwähnt für kurze Zeit Trumps Nationaler Sicherheitsberater war und wie Bannon Verschwörungstheorien verbreitet. Prince rekrutierte britische und US-amerikanische Spione für fragwürdige Geheimoperationen. Diese Operationen zielten darauf ab, Wahlkampagnen der Demokratischen Partei, Gewerkschaften und andere Trump-kritische Gruppen zu infiltrieren.↗
Ahmed al-Khatib gründete wie gesagt Auspex International und gehörte zum Vorstand von Emerdata. Dem Namen nach ist er Araber. Er arbeitete für die beiden grossen Staatsfonds von Abu Dhabi.↗ Die beiden Staatsfonds werden von der dortigen Königsfamilie kontrolliert. Erik Prince machte häufig Geschäfte mit der Königsfamilie.↗ Der herrschende Kronprinz von Abu Dhabi traf sich Anfang 2017 mit Erik Prince auf den Seychellen. Bei dem Treffen war Kirill Dmitrijew anwesend, ein mächtiger russischer Banker aus dem Umfeld von Präsident Wladimir Putin.↗
Joel Zamel und George Nader
Drei Monate vor der US-Wahl 2016 arrangierte Erik Prince im Trump Tower ein Treffen, bei dem ein kleiner Kreis von Personen zusammenkam. Donald Trump Jr., der älteste Sohn des Präsidenten, war bei dem Treffen dabei. Ein anderer Teilnehmer war der Geschäftsmann Joel Zamel*. Dieser war damals Eigentümer der Psy-Group. Die Psy-Group war ein privater Geheimdienst aus Israel und beschäftigte ehemalige Mitarbeiter der israelischen Geheimdienste. Bei dem Treffen im Trump Tower war auch George Nader** anwesend. Er vertrat bei dem Treffen die herrschenden Prinzen Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate. Er soll Trump Jr. mitgeteilt haben, dass die Prinzen es begrüssen würden, wenn Donald Trump Präsident wird, und dass die Prinzen bereit seien, ihm dabei zu helfen. In den USA ist es für ausländische Personen oder Regierungen illegal, sich in Wahlen einzumischen.↗ Deshalb wurde George Nader von Ermittlern der Mueller-Untersuchung verhört, die die ausländische Einflussnahme bei den Wahlen 2016 untersuchten.↗ Auch Joel Zamel wurde von den Ermittlern befragt.↗ ↗ Erik Prince war ebenfalls Teil der Untersuchung.↗ Die Auslandsverbindungen von Michael Flynn wurden auch untersucht.↗ Steve Bannon wurde von den Ermittlern mehrfach befragt.↗ Flynn und Bannon hatten Treffen mit Joel Zamel und George Nader (siehe unten). Wie bereits erwähnt wurde, hatte Sam Patten, ein Berater der SCL Group, engen Kontakt zu Konstantin Kilimnik, einem mutmasslichen Agenten des russischen Geheimdienstes. Kilimnik war eine Schlüsselfigur in der Mueller-Untersuchung.
* Joel Zamel ist ein in Australien geborener Israeli.↗ Seine Psy-Group machte Trumps verurteiltem Wahlkampfmanager Rick Gates das Angebot, eine Social-Media-Kampagne für Trumps Wahlkampf zu führen und Informationen über seine Kontrahentin Hillary Clinton zu sammeln. Soweit man weiss, wurde das aber nie umgesetzt.↗ Ausserdem ging die Psy-Group eine strategische Partnerschaft mit Cambridge Analytica ein. Wie bereits erwähnt wurde, hatte die SCL Group (das Mutterunternehmen von Cambridge Analytica) über einen ihrer Grossinvestoren Verbindungen zum israelischen Geheimdienstunternehmen Black Cube. Es gab also Verbindungen zwischen mehreren Unternehmen, die geheimdienstliche Arbeit betrieben. Die Gründer und Leiter der Psy-Group waren hochrangige Mitarbeiter von einflussreichen Geheimdiensten mehrerer Länder. Die Psy-Group führte in den sozialen Medien Kampagnen durch mithilfe von gefälschten Accounts und der Verbreitung von Desinformationen und emotionalisierenden Botschaften. Die Firma setzte bei ihrer Arbeit Frauen als Honigfallen ein. Dabei werden Männer von Frauen verführt und dann dazu gebracht, peinliche oder belastende Dinge zu sagen, die man hinterher gegen sie verwenden kann. Die Psy-Group geriet in Verdacht, für Russland gearbeitet zu haben. Eine andere Firma, die von Joel Zamel gegründet wurde, ist Wikistrat. Wikistrat hatte enge Verbindungen zu US-Geheimdiensten und zu Sicherheitskräften und Geschäftsleuten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Emirate galten als ein wichtiger Kunde von Wikistrat.↗ ↗ ↗ ↗ Zu Wikistrats Kunden gehören unter anderem das US-Verteidigungsministerium und die US-Armee sowie die britische und die französische Luftwaffe und das Allied Command Transformation der NATO.↗
** George Nader ist ein US-Amerikaner, der im Libanon in eine christliche Familie geboren wurde.↗ Er kennt Erik Prince und arbeitete im Irak für dessen Firma Blackwater. Nader wurde 2016 ein enger Verbündeter von Trumps Wahlkampfteam. Er traf sich häufig mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und mit Trumps erstem Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn. Nader traf sich auch mit Steve Bannon, der wie Flynn versucht, Einfluss auf die Bewegung der Verschwörungstheoretiker zu nehmen. Nach der US-Wahl 2016 zahlte George Nader eine hohe Summe an Joel Zamel.↗ Nader vermittelte über inoffizielle Kanäle zwischen Israel und arabischen Ländern.↗ Dabei arbeitete er einmal mit dem Milliardär Ronald Lauder zusammen, der später Präsident des Jüdischen Weltkongresses wurde. Nader traf führende Mitglieder der Hisbollah sowie syrische und israelische Geheimdienstoffiziere. Er hatte auch Verbindungen in den Iran.↗ ↗
Im Dezember 2016, also kurz nach der US-Wahl, fand im Trump Tower ein Treffen statt, an dem Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, Steve Bannon, Michael Flynn und der Kronprinz von Abu Dhabi teilnahmen.↗ ↗ Die Obama-Regierung, die zu dem Zeitpunkt noch im Amt war, erfuhr erst im Nachhinein von dem Treffen. Dies ist ungewöhnlich, denn normalerweise wird die Regierung informiert, wenn ein ausländischer Herrscher die USA besucht. Die Obama-Regierung fühlte sich daher von den Emiraten getäuscht.↗
Im Januar 2017, kurz vor Trumps Amtsantritt, trafen sich Joel Zamel, George Nader und Michael Flynn in New York. Bei dem Treffen war der hochrangige saudische Geheimdienstler Ahmad al-Assiri anwesend, der später eine massgebliche Rolle bei der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi* gespielt haben soll. Bei dem Treffen schmiedeten sie Pläne für eine Destabilisierung des iranischen Regimes. Auch Steve Bannon soll sich an diesen Plänen beteiligt haben.↗ ↗ George Nader traf sich 2017 im Weissen Haus mehrfach mit Steve Bannon, der damals Trumps Chefstratege war.↗
* Jamal Khashoggi hatte eine Zeit lang für das geheimdienstverbundene Unternehmen Wikistrat gearbeitet, was das Unternehmen zuerst abstritt. Wikistrat wurde wie gesagt von Joel Zamel gegründet. Es wird aber wohl nur ein Zufall sein, dass Zamel den Mann getroffen hatte, der als der Verantwortliche für die Ermordung Khashoggis gilt.↗
George Nader schmiedete damals einen geheimen Plan zur Destabilisierung des Irans. Er versuchte, den saudischen Geheimdienst von seinem Plan zu überzeugen. Er wollte die Saudis auch dazu bringen, eine Privatarmee für den Krieg im Jemen zu gründen. Dabei tauschte er sich mit Erik Prince aus, der mit Blackwater selbst eine Privatarmee gegründet hatte. Der Iran ist der regionale Feind von Israel, Saudi-Arabien und den Emiraten. Als nach der US-Wahl 2016 die Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam ins Ausland untersucht wurden, kam der Verdacht auf, dass Personen aus Russland, Israel, Saudi-Arabien und den Emiraten die US-Wahl 2016 so beeinflussen wollten, dass Trump zum Präsidenten gewählt wird. Diese vier Länder standen Trumps Vorgänger Obama und dessen Aussenministerin, Hillary Clinton, kritisch gegenüber und hofften, dass Trump eine andere Aussenpolitik führen wird, die im Interesse dieser Länder ist. George Nader und Joel Zamel hatten beide den Königshof der Emirate beraten. Während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 besuchte Nader Russland mindestens zweimal. Er tat dies im Auftrag des Kronprinzen von Abu Dhabi. Nach der Wahl arrangierten Nader und der Kronprinz ein Treffen auf den Seychellen, an dem Erik Prince und Kirill Dmitrijew teilnahmen. Letzterer ist ein mächtiger russischer Banker aus dem Umfeld von Präsident Wladimir Putin.↗ ↗ Kirill Dmitrijew hatte schon seit Jahren Verbindungen zu George Nader. 2012 vermittelte Nader für die irakische Regierung einen Waffenkauf mit Russland im Wert von 4,2 Milliarden US-Dollar. Der Deal kam aber wegen Korruptionsbedenken nicht zustande. Nader begleitete damals den irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki nach Moskau, wo sie Wladimir Putin trafen. Nader soll auch mehrfach den Kronprinzen von Abu Dhabi bei Besuchen in Moskau begleitet haben.↗
Auch ein Unternehmen von Joel Zamel hatte Verbindungen nach Russland. Das Unternehmen half den russischen Milliardären Oleg Deripaska und Dmitri Rybolowlew bei Online-Kampagnen, die sich gegen ihre Geschäftskonkurrenten richteten. Deripaska war geschäftlich mit Trumps Wahlkampfleiter Paul Manafort verbunden gewesen. Rybolowlew hatte Trump einst eine Villa abgekauft.↗
Nader und Zamel trafen sich im Juni 2016 auf dem internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Das Forum wird von der russischen Regierung veranstaltet. Zamel soll dort Nader mitgeteilt haben, dass er Geld für eine Social-Media-Kampagne zur Unterstützung Trumps sammelt. Vielleicht hat Zamel dort auch seine russischen Ansprechpartner gefragt, ob sie Trump im Wahlkampf unterstützen möchten. Angeblich prahlte Zamel nach der Wahl, er habe eine geheime Kampagne geführt, die Trump massgeblich zum Sieg verhalf.↗ Als die Wahlbeeinflussung später aufflog, hat man versucht, das Ganze der russischen Regierung in die Schuhe zu schieben, und stellte es so dar, als sei Putin das Mastermind dieser Verschwörung. Es stimmt zwar, dass sich Russen an der Verschwörung beteiligt hatten, aber es waren eben auch US-Amerikaner, Israelis, Araber und Ukrainer involviert. Ich werde irgendwann vielleicht einen Beitrag darüber schreiben, aber ich warte noch, bis ein wenig Gras über die Sache gewachsen ist und Trump nicht mehr im Amt ist.
Übrigens ist George Nader ein internationaler Pädophiler. In den letzten Jahrzehnten wurden bei ihm mehrfach Kinderpornografie sowie Pornos mit Tieren gefunden. 2003 wurde er in Tschechien wegen zehn Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt und sass ein Jahr im Gefängnis. In den USA wurde er 2020 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen Besitzes von Kinderpornografie und weil er im Jahr 2000 einen 14-jährigen Tschechen in die USA gebracht hatte, um ihn zu missbrauchen. Im Februar 2025 wurde berichtet, dass man Nader frühzeitig aus dem Gefängnis entlässt.↗ ↗ ↗ ↗ Eine Person, die Nader seit mehr als 25 Jahren kennt, behauptete, dass zu Naders Kontakten mindestens zwei Leute gehören, die dieselben sexuellen Vorlieben haben. Einer davon lebt in Washington und der andere ist eine führende politische Persönlichkeit aus einem Golfstaat.↗ Nader diente der Königsfamilie von Abu Dhabi wie gesagt als Handlanger. Infolge des BCCI-Skandals kam heraus, dass die Königsfamilie eine Bank kontrollierte, die weltweit in kriminelle Machenschaften verwickelt war. Es tauchten auch Vorwürfe auf, dass Mitglieder der Königsfamilie Teil eines Pädophilenrings sind. (Mehr dazu)
Die Psy-Group von Joel Zamel hatte Kontakt zum Politikberater George Birnbaum.↗ ↗ Birnbaum ist ein Interessensvertreter Israels. Er führte eine Kampagne gegen den israelkritischen Milliardär George Soros. Soros ist auch Jude. Er ist vor allem für rechte Antisemiten ein Feindbild. Birnbaum nahm es bei seiner Kampagne gegen Soros in Kauf, dass auch antisemitische Verschwörungstheoretiker von der Kampagne angesprochen und in ihrem Weltbild bestärkt werden. Es war eine der erfolgreichsten PsyOps in Bezug auf die Beeinflussung und Instrumentalisierung von Verschwörungstheorien. Einige Leute aus Birnbaums Netzwerk gerieten in Verdacht, nicht nur für Israel, sondern auch für Russland als Einflussagenten agiert zu haben. Leute aus diesem Netzwerk haben aber auch gute Kontakte zu ukrainischen Eliten. (Mehr dazu) Neben George Birnbaum beteiligte sich das bereits erwähnte israelische Geheimdienstunternehmen Black Cube an der Anti-Soros-Kampagne in Ungarn.↗ ↗ Ausserdem führte die Psy-Group Operationen gegen pro-palästinensische (bzw. anti-israelische) Aktivisten an Universitäten in den USA durch. Dies beinhaltete Schikanen, Spionage, das Verbreiten von diskreditierenden Informationen über Aktivisten und die Beeinflussung einer Kommunalwahl in Kalifornien. Die Psy-Group wurde bei diesen Operationen von Yaakov Amidror und Ram Ben-Barak beraten. Amidror war nationaler Sicherheitsberater von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Ben-Barak war stellvertretender Chef des Mossad. Er sagte, dass Israel keine andere Wahl habe, als gegen die Aktivisten vorzugehen: „Sie kämpfen gegen uns, also müssen wir gegen sie kämpfen.“ Diese Operationen fanden 2016 und 2017 statt.↗ Heute steht Israel noch viel stärker unter Druck. Daher vermute ich, dass israelische Geheimdienstler ihre Aktionen gegen anti-israelische Aktivisten inzwischen noch weiter intensiviert haben.
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