Iwasaki Familie

Die Iwasaki Familie ist eine der wichtigsten Familien der japanischen Wirtschaftselite. Japan hatte 2020 die drittgrösste Wirtschaft der Welt und war in den letzten Jahren meist das viert- oder fünftgrösste Exportland. Der japanische Yen belegt Platz 3 der meistgehandelten Währungen der Welt. Im 20. Jahrhundert war Japan die wirtschaftlich einflussreichste Grossmacht in Asien. Erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurde China zur führenden Wirtschaftsmacht Asiens. Die Iwasaki Familie wurde in den japanischen Adel (Kazoku) aufgenommen und heiratete mehrfach in japanische Adelsfamilien.

Japan war das erste asiatische Land, in dem die Industrielle Revolution begann. Die Iwasaki Familie nahm dabei eine wichtige Rolle ein. Yataro Iwasaki (1835-1885) gründete 1870 das Unternehmen Mitsubishi, das sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem der grössten Industriekonzerne Japans entwickelte.

1880 gründete Yataro Iwasaki die Mitsubishi Bank, die seither mit dem Mitsubishi-Konzern verbunden war. Sie entwickelte sich zu einer der grössten Banken Japans. 1990 war sie die sechsgrösste und im Jahr 2000 die viertgrösste Bank der Welt (Quelle). Ihr Nachfolger, die MUFG Bank, war 2020 die fünftgrösste Bank der Welt (Quelle).

Yataro Iwasaki war schon vor der Gründung seiner Unternehmen mit japanischen Adligen verbunden und arbeitete für sie. Seine Kinder heirateten in Adelsfamilien. Die Iwasaki Familie erhielt daraufhin den Adelstitel Danshaku (Baron).

Seit Ende des 2. Weltkrieges ist das Mitsubishi Imperium unabhängig von der Iwasaki Familie (zumindest nach offiziellen Angaben). Familienmitglieder arbeiteten aber weiterhin für Mitsubishi-Unternehmen (wird unten genauer erläutert).

Baron Yanosuke Iwasaki (1851-1908) war zwei Jahre lang Gouverneur der japanischen Zentralbank (Quelle). Weitere Verwandte führten ebenfalls die Zentralbank und auch der Gründer der Bank war mit der Iwasaki Familie verschwägert (wird unten genauer erläutert).

Das heutige Mitsubishi Imperium

Durch mehrere Fusionen der Mitsubishi Bank entstand 2005 schliesslich die Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG). 2020 war die MUFG die fünfgrösste Bank der Welt. Die MUFG ist derzeit Hauptaktionär der US-amerikanischen Grossbank Morgan Stanley mit einem Anteil von 20 Prozent. Morgan Stanley ist eine der weltweit grössten Investmentbanken und wurde von der Morgan Familie gegründet. Es sind zurzeit auch Japaner im Vorstand von Morgan Stanley, die zuvor für die MUFG gearbeitet haben.

1931 stiegen die Iwasakis ins Ölgeschäft ein und gründeten Mitsubishi Oil. Durch Fusionen entstand die heutige JXTG Holdings (ENEOS). ENEOS ist der grösste japanische Ölkonzern und war in den letzten Jahren einer der 15 grössten Ölkonzerne der Welt.

Mitsubishi gehört zu den sogenannten Keiretsu, mächtige Unternehmensgruppen aus Japan. Zum Mitsubishi-Keiretsu gehören über 200 verschiedene Unternehmen. Diese sind unabhängig voneinander. Jedoch trifft sich die Führung aller Mitsubishi-Unternehmen regelmässig und arbeitet als Team. Die MUFG Bank ist der finanzielle Dienstleister der Mitsubishi-Firmen. Wen man alle Mitsubishi-Firmen als ein Unternehmen betrachten würde, wäre es eines der grössten Unternehmen der Welt (oder sogar das grösste). Die wichtigsten Unternehmen des Mitsubishi-Keiretsu wären:

  • Wie bereits erwähnt die MUFG, eine der mächtigsten Banken der Welt.
  • Wie bereits erwähnt ENEOS, der grösste Ölkonzern Japans.
  • Mitsubishi Heavy Industries, ein Industriekonzern. Er ist der grösste Rüstungshersteller Japans.
  • Mitsubishi Chemical, einer der grössten Chemiekonzerne der Welt.
  • Mitsubishi Electric, einer der grössten Elektrokonzerne der Welt.
  • Der Automobilhersteller Mitsubishi Motors.
  • Tokio Marine Holdings, einer der grössten asiatischen Versicherungskonzerne.
  • Meiji Yasuda Life, ebenfalls einer der grössten asiatischen Versicherungskonzerne. Das Unternehmen gehört gleichzeitig zum Fuyo-Keiretsu.
  • Mitsubishi Tanabe Pharma, einer der grössten Pharmakonzerne Japans.
  • Mitsubishi Estate, einer der grössten Immobilienkonzerne Japans.
  • Nikon, einer der weltweit grössten Hersteller von Kameras.
  • AGC, einer der weltweit grössten Glashersteller.
  • Mitsubishi Corporation, ein Mischkonzern.
  • Kirin, einer der grössten Bierkonzerne der Welt.
  • NYK Line/Nippon Yusen, ein Schifffahrtunternehmen. NYK Line gründete 2017 zusammen mit dem Mitsui-Keiretsu das Schifffahrtunternehmen Ocean Network Express (ONE). ONE ist eines der grössten Unternehmen in der weltweiten Containerschifffahrt.

(Quelle: 1 und 2)

Führungskräfte von Mitsubishi-Unternehmen sind mit weiteren Japanern in der Trilateralen Kommission vertreten (Quelle). Diese einflussreiche Denkfabrik wurde 1973 vom US-Amerikaner David Rockefeller gegründet, der bis 2017 ihr Ehrenvorsitzender war. Die Trilaterale Kommission dient dem Austausch der Eliten von Nordamerika, Westeuropa und Japan. Kazuo Koshi und Hidenori Takaoka, die derzeit US-amerikanische Abteilungen von Mitsubishi-Unternehmen leiten, sind zurzeit im Vorstand der Japan Society in New York. Sie könnten daher Justin Rockefeller kennen, der ebenfalls zum Vorstand der Gesellschaft gehört. Die Japan Society besteht seit 1907 und fördert amerikanisch-japanische Beziehungen. Die Gesellschaft wurde von den 50er bis Ende der 70er Jahren von John Rockefeller III. geleitet. Er traf den japanischen Kaiser Hirohito und seinen Nachfolger Kaiser Akihito (Fotos: 1 und 2).

Die Iwasaki Familie von 1900 bis 1945

Rüstungsindustrie

1932 wurde der japanische Premierminister Inukai Tsuyoshi bei einem Attentat ermordet. Ab da gelangte die japanische Politik immer mehr unter den Einfluss des Militärs, das in den folgenden Jahren einen autoritären Staat aufbaute (mit dem Wohlwollen des japanischen Kaisers Hirohito, der immer noch Staatsoberhaupt war). Das Militär wollte unter anderem die Rüstungsindustrie ausbauen. In den 1930er und 1940er Jahren war Mitsubishi, genau wie heute, der führende Rüstungskonzern Japans. Die Iwasaki Familie gehörte daher zu den grössten wirtschaftlichen Profiteuren der Militärdiktatur. Sie profitierten bereits vom 1. Weltkrieg.

Mitsubishi bzw. die Iwasaki Familie profitierte auch von der imperialistischen Aussenpolitik Japans in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die japanische Kaiserfamilie hatte sich in dieser Zeit das Ziel gesetzt, ein Kolonialreich zu werden. Taiwan und Korea wurden annektiert und zu japanischen Kolonien. So konnten Iwasaki und andere Industriellenfamilien ihr Geschäft über die Landesgrenzen ausweiten. Übrigens unterstützte die britische Kolonialelite die japanische Expansion bis in die 1920er Jahren (oder tolerierte diese zumindest).

Zwangsarbeit

Infolge des 2. Weltkrieges besetzte Japan unter anderem Malaysia, die Philippinen und Teile Chinas. Das japanische Militär beging in den besetzten Gebieten und Kolonien zahlreiche Kriegsverbrechen. Es gibt keine genauen Zahlen, aber es sollen mehr als 25 Millionen Zivilisten getötet worden sein (Quelle). Das ist soviel wie die zivilen Todesopfer der Diktaturen Stalins und Hitlers zusammengezählt. Die Kriegsverbrechen der japanischen Diktatur sind auch bekannt als „Asiatischer Holocaust“ und fanden etwa zur gleichen Zeit wie die Verbrechen des Hitler- und Stalinregimes in Europa statt. Genau wie unter Hitler und Stalin wurden auch in den japanischen Lagern im grossen Stil Zwangsarbeiter für die Industrie beschäftigt. Es weiss niemand wie viele Zwangsarbeiter beschäftigt wurden, aber es sollen mehr als 10 Millionen gewesen sein (Quelle). Mitsubishi beschäftigte Zwangsarbeiter. Es gibt aber keine genauen Zahlen. Es sollen mehrere 10 000 gewesen sein (Quelle). In Deutschland ist die ungefähre Anzahl der Zwangsarbeiter, die von deutschen Grosskonzernen beschäftigt wurden, bekannt. In Japan gab es diese Aufarbeitung scheinbar nicht.

Opium

Mitsubishi war in den 1930er Jahren zusammen mit dem japanischen Grosskonzern Mitsui im Opiumhandel aktiv (Quelle: 1 und 2). Es gibt die Theorie, dass die japanische Elite die Anzahl der Opiumsüchtigen in China erhöhen wollte, um das Land zu destabilisieren. Nachdem Japan Teile von China besetzte, handelten dort japanische Firmen hunderte von Tonnen Opium (Quelle). Nach dem Krieg befand das Internationale Militärgericht für den Fernen Osten (IMTFE) Japan für schuldig, den Drogenmissbrauch absichtlich als Waffe zur Förderung seiner imperialistischen Ziele in Asien gefördert zu haben (Quelle).

US-Besatzungszeit

Nach Ende des 2. Weltkrieges war Japan von den Alliierten besetzt. Da die Iwasaki Familie und weitere japanische Industriellenfamilien mit der Militärdiktatur verbunden waren, wurden sie von den Alliierten angeblich „entmachtet“. Der Mitsubishi-Konzern wurde in kleinere Unternehmen zerlegt. Auch der japanische Adel sowie die Kaiserfamilie wurden angeblich entmachtet. Eine wichtige Rolle dabei spielte der US-Offizier Douglas MacArthur, der die Aufgabe bekam, die Kriegsverbrecher auf japanischer Seite auszumachen. MacArthur war Freimaurer (Quelle). Er war Ehrenmitglied der Society of the Cincinnati und Mitglied der Sons of the American Revolution, zwei alte elitäre Gesellschaften aus den USA (Quelle: 1 und 2). Nachdem der Mitsubishi-Konzern in verschiedene Einzelunternehmen aufgeteilt wurde, schlossen sich diese zu einem Verband zusammen, der das heutige Mitsubishi-Keiretsu ausmacht. Kaiser Hirohito war noch bis zu seinem Tod 1989 das Staatsoberhaupt Japans (angeblich ohne politischen Einfluss). Er traf in der Nachkriegszeit die britische Königsfamilie (Foto). Er hatte sie schon in seiner Jugend kennengelernt, also noch vor dem 2. Weltkrieg (Foto). Auch die darauffolgenden Kaiser Akihito und Naruhito trafen die britische Königsfamilie.

Der US-Offizier MacArthur wurde später dafür kritisiert, dass er den japanischen Kaiser Hirohito und Industriellenfamilien wie Iwasaki nicht härter zur Verantwortung zog. Nach der Ansicht von MacArthur war der Hauptschuldige Hideki Tojo, der von 1941 bis 1944 Premier- und Kriegsminister von Japan war. Nach dem Krieg erhielt Hideki Tojo und weitere hochrangige Mitglieder des Militärs die Todesstrafe.

Teruo Tojo (1914-2012) war der Sohn von Hideki Tojo. Während des Krieges arbeitete er als Luftfahrtingenieur beim Rüstungskonzern der Iwasaki Familie. Ab den 80er Jahren gehörte er zur Konzernführung von Mitsubishi Motors. (Quelle)

Die Iwasaki Familie in den letzten 70 Jahren

Die Iwasakis galten nach dem Krieg als entmachtet und sie traten aus der Konzernführung aus. Manche ihrer Nachkommen arbeiteten aber weiterhin für Mitsubishi-Unternehmen:

  • Tadao Iwasaki (1909-1990) war in der Nachkriegszeit Präsident der Mitsubishi Monsanto Chemical Company. Der Bruder seines Adoptivsohns heiratete eine Nichte von Toyo Tate. Toyo gehörte in der Nachkriegszeit zur Führung des Mitsubishi-Keiretsu. (Quelle: 1 und 2)
  • Toru Iwasaki (*1950) arbeitete für die Mitsubishi Corporation. Er war mehrere Jahre in Brasilien und förderte dort japanisch-brasilianische Handelsbeziehungen. (Quelle: 1 und 2)
  • Hiroya Iwasaki (1930-2008) war in den 80er und 90er Jahren im Vorstand der Mitsubishi Bank (Quelle: 1 und 2).
  • Toshio (Hisao) Iwasaki (1914-2005) war in den 70er Jahren im Vorstand von Mitsubishi Motors (Quelle). Sein Sohn Toshio Iwasaki (*1946) war Manager bei der Grossbank MUFG (Quelle), die aus der Mitsubishi Bank hervorging.
  • Hiroshi Kiuchi (*1930) arbeitete mehr als 40 Jahre für den Elektrokonzern Mitsubishi Electric und war in den 90er Jahren in dessen Aufsichtsrat. Seine Grossmutter väterlicherseits kam aus der Iwasaki Familie. (Quelle)
  • Minoru Makihara (1930-2020) heiratete in die Iwasaki Familie. Er begann ab 1956 für die Mitsubishi Corporation zu arbeiten. In den 90er Jahren war er Präsident und Vorsitzender des Mischkonzerns. Sein Sohn arbeitete für die US-amerikanische Investmentbank Goldman Sachs. (Quelle: 1 und 2)

1996 wurde das Vermögen der Familie auf 4 Milliarden US-Dollar geschätzt (Quelle). Damals besass offiziell noch niemand mehr als 20 Milliarden US-Dollar und sie gehörte somit zu den Reichsten der Welt.

Erwähnenswerte Heiraten

Die Iwasaki Familie heiratete japanische Politiker, Militärs und Diplomaten. Mehrere Ehepartner gehörten zur Führung von Mitsubishi-Unternehmen. Ich hab hier nur die wichtigsten Heiraten aufgelistet.

Haruji Iwasaki heiratete Graf Takaaki Kato (1860-1926), der Premierminister von Japan war. Ihre gemeinsame Tochter heiratete Nagakage Okabe, der aus der japanischen Adelsfamilie Okabe kam. (Quelle) Dessen Bruder Nagataka wurde von der Murayama Familie adoptiert. (Quelle) Die Familien der japanischen Elite verbinden sich nicht nur mit Heiraten, sondern auch traditionell mit Adoptionen. Die Murayama Familie gehört schon seit über 100 Jahren zu den führenden Medienunternehmern Japans.

Masako Iwasaki heiratete Baron Shidehara Kijuro (1872-1951). Dieser war vom 9. Oktober 1945 bis 22. Mai 1946 Premierminister, also während der Besatzungszeit. (Quelle: 1 und 2)

Shigeko Iwasaki heiratete den Sohn des Premierministers Masayoshi Matsukata (1835-1924). Masayoshi war der Gründer der japanischen Zentralbank. Er wurde zum Herzog (Kōshaku) geadelt. (Quelle: 1 und 2)

Takaya Iwasaki (1896-1983) heiratete die Tochter des japanischen Politikers Shigeaki (Seihin) Ikeda. Ikeda war einige Monate Gouverneur der japanischen Zentralbank und gehörte zur Führung der Mitsui Bank (ebenfalls eine mächtige Bank). (Quelle: 1 und 2) Takaya Iwasakis Frau war zudem eine Cousine von Makoto Usami. Dieser war von 1964 bis 1969 Gouverneur der japanischen Zentralbank und gehörte zur Führung der Mitsubishi Bank. (Quelle)

Kimiko Iwasaki heiratete Sukemasa Irie (1905-1985). Dieser war ein persönlicher Diener der japanischen Kaiserfamilie. Seine Nichte Yuriko heiratete Prinz Takahito aus der japanischen Kaiserfamilie. Sukemasa Irie war ein Enkel von Sakimitsu Yanagihara, der wiederum ein Onkel des japanischen Kaisers Taishō war. (Quelle)

Baron Hisaya Iwasaki (1865-1955) heiratete in den Hoshina Klan, eine alte japanische Aristokratenfamilie. Der Bruder seiner Frau war Masaaki Hoshina, das Oberhaupt des Klans. Masaaki heiratete in die Kitashirakawa Familie, eine Nebenlinie der japanischen Kaiserfamilie. Masaakis Sohn heiratete in den Tokugawa Klan, ebenfalls eine der wichtigsten Familien der japanischen Aristokratie. (Quelle)

Seiichiro Iwasaki (*1907) heiratete in die Sakai Familie. Der Sakai Klan gehört schon seit 500 Jahren zur japanischen Aristokratie. Die Sakai Familie heiratete zudem in die Familien Sumitomo und Yasuda. (Quelle: 123) Der Sakai Klan hat somit in drei der mächtigsten Familien der japanischen Wirtschaftselite geheiratet.

Takayuki Takashima (1931-1981) heiratete in die Iwasaki Familie. In der Nachkriegszeit arbeitete er für Mitsubishi Oil, der Ölkonzern der Iwasaki Familie. Sein Bruder wurde von der Toyoda Familie adoptiert. (Quelle) Die Toyoda Familie gründete den Automobilkonzern Toyota und führt das Unternehmen bis heute.

Tadao Hayashi (1909-1990) heiratete in die Iwasaki Familie und wurde von ihr adoptiert. Seine biologische Mutter war von der Kawasaki Familie adoptiert worden, die den Industriekonzern Kawasaki Heavy Industries gegründet hatte. (Quelle)

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Anmerkung: Ich geh aktiv gegen Urheberrechtsverletzungen vor.

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