Iwasaki Familie

Die Iwasaki Familie gilt als die bedeutendste Unternehmerfamilie der japanischen Elite. Japan hat eine international vernetzte Wirtschaftselite und belegte in den letzten Jahren meist Platz 4 oder 5 der grössten Exportländer (Quelle: 1 und 2). Die japanische Elite besitzt zudem mächtige Banken. Von den 10 weltweit grössten Banken waren 1990 sechs davon japanische Banken (Quelle). Der japanische Yen belegt Platz 3 der meistgehandelten Währungen der Welt. Im 20. Jahrhundert war Japan die wirtschaftlich einflussreichste Grossmacht in Asien. Erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurde China zur führenden Wirtschaftsmacht Asiens.

Die Iwasaki Familie wurde in den japanischen Adel (Kazoku) aufgenommen und heiratete mehrfach in japanische Adelsfamilien. Sie sind über Heiraten mit zahlreichen Personen der japanischen Elite verbunden.

Japan war das erste asiatische Land in der die industrielle Revolution begann. Die Iwasaki Familie nahm dabei eine wichtige Rolle ein. Yataro Iwasaki (1835-1885) gründete 1870 die Mitsubishi Corporation, die zu einem der wichtigsten Industriekonzerne Japans wurde. Ursprünglich konzentrierte sich das Unternehmen auf Schiffbau und Kohlehandel. Mit der Zeit weitete das Unternehmen sein Geschäft auf alle möglichen Bereiche aus.

1880 gründete Yataro Iwasaki die Mitsubishi Bank, die seither mit dem Mitsubishi-Konzern verbunden war und zu den führenden japanischen Banken gehörte. Seit den 1920er Jahren war sie auch in der westlichen Welt aktiv. 1990 war sie die sechsgrösste und im Jahr 2000 die viertgrösste Bank der Welt (Quelle). Ihr Nachfolger, die MUFG Bank, ist zurzeit die fünftgrösste Bank der Welt.

Yataro Iwasaki war schon vor der Gründung seiner Unternehmen mit japanischen Adligen verbunden und arbeitete für sie. Er kannte Graf Goto Shojiro, Graf Taisuke Itagaki und Vizegraf Takachika Fukuoka (Quelle). Alle drei waren führende Politiker. Graf Gotos Tochter heiratete zudem in die Iwasaki Familie (Quelle).

Nach Yataros Tod wurden die Nachkommen von ihm und seinem Bruder in den japanischen Adel aufgenommen und trugen den Adelstitel Danshaku (Baron). Viele besetzten leitende Positionen beim Mitsubishi-Konzern und der Mitsubishi Bank. Auch viele Ehepartner der Familie gehörten zur Mitsubishi Führung, darunter auch mehrere Adlige.

Seit Ende des 2. Weltkrieges ist das Mitsubishi Imperium unabhängig von der Iwasaki Familie (zumindest nach offiziellen Angaben). Familienmitglieder arbeiteten aber seither weiterhin für Mitsubishi-Unternehmen und besetzten auch Vorstandsposten, wenn auch oft nur bei Tochterfirmen. Sie sind bis heute mit dem Unternehmen verbunden (wird unten genauer erläutert). Yohachiro Iwasaki (1902-1993) war 1987 einer der reichsten Männer der Welt (Quelle).

Yanosuke Iwasaki (1851-1908) war 2 Jahre lang Gouverneur der japanischen Zentralbank (Quelle). Weitere Verwandte und Ehepartner waren ebenfalls mit der japanischen Zentralbank verbunden (wird unten genauer erläutert).

Das heutige Mitsubishi Imperium

Durch mehrere Fusionen der Mitsubishi Bank entstand 2005 schliesslich die Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG), eine Holding die mehrere Finanzunternehmen besitzt. Aktuell ist die MUFG die fünfgrösste Bank der Welt (Quelle). Zur MUFG gehört auch die „Mitsubishi UFJ Trust and Banking Corporation“. Diese ist die grösste Finanzholding-Gesellschaft der Welt und besitzt ein Vermögen von 2,8 Billionen US-Dollar (Quelle). Die MUFG ist zurzeit Hauptaktionär der US-Bank Morgan Stanley mit einem Anteil von 23.9% (Quelle). Morgan Stanley gehört zu den grössten Investmentbanken der Welt und wurde von der Morgan Familie gegründet. Es sind zurzeit auch Japaner im Vorstand von Morgan Stanley, die zuvor für die MUFG gearbeitet haben.

1931 stiegen die Iwasakis ins Ölgeschäft ein und gründeten Mitsubishi Oil. Durch Fusionen entstand die heutige JXTG Holdings (ENEOS). ENEOS ist der grösste japanische Erdöl/Erdgaskonzern und gehörte in den letzten Jahren zu den 15 grössten Ölkonzerne der Welt.

Mitsubishi gehört zu den sogenannten Keiretsu, mächtige Unternehmensgruppen aus Japan. Zum Mitsubishi-Keiretsu gehören über 200 verschiedenen Unternehmen. Diese sind unabhängig voneinander. Jedoch trifft sich die Führung aller Mitsubishi-Unternehmen regelmässig und arbeitet als Team. Zudem sind diese Unternehmen über Beteiligungen miteinander verbunden, wobei die MUFG Bank den Kern des Imperiums bildet. Wen man alle Mitsubishi-Firmen als ein Unternehmen betrachten würde, wäre es eines der grössten Unternehmen der Welt (oder sogar das grösste). Die wichtigsten Unternehmen des Mitsubishi-Keiretsu wären:

  • Wie bereits erwähnt die MUFG, eine der mächtigsten Banken der Welt.
  • Wie bereits erwähnt ENEOS, der grösste Ölkonzern Japans.
  • Mitsubishi Heavy Industries, ein Industriekonzern der in Maschinenbau sowie in der Luftfahrt- und Schwerindustrie tätig ist. Er ist zudem der grösste Rüstungshersteller Japans.
  • Der Chemiekonzern Mitsubishi Chemical. Belegte in den letzten Jahren meist Platz 8 oder 9 auf der Liste der grössten Chemiekonzerne weltweit.
  • Tokio Marine Holdings, eine der drei grössten Versicherungsgruppen Japans.
  • Mitsubishi Electric, einer der grössten Elektrokonzerne der Welt.
  • Der Automobilhersteller Mitsubishi Motors.
  • Mitsubishi Tanabe Pharma, einer der grössten Pharmakonzerne Japans.
  • Mitsubishi Estate, einer der grössten Immobilienkonzerne Japans.
  • Nikon, einer der weltweit grössten Produzenten von Kameras.
  • AGC, einer der weltweit grössten Glashersteller.
  • Mitsubishi Corporation, ein Mischkonzern der in Einzelhandel, Finanzwesen, Energie, Chemie und weiteren Bereichen tätig ist.
  • Kirin, einer der grössten Bierkonzerne Japans.

(Quelle)

Mitsubishi-Unternehmen waren massgeblich am Aufbau der japanischen Atomkraftwerke beteiligt.

Führungskräfte von Mitsubishi-Unternehmen sind mit weiteren Japanern in der Trilateralen Kommission vertreten (Quelle). Diese wurde 1973 von David Rockefeller gegründet, der bis 2017 deren Ehrenvorsitzender war. Die Trilaterale Kommission ist ein einflussreicher Think Tank, welcher dem Austausch der Eliten von Nordamerika, Westeuropa und Japan dient.

Die Iwasaki Familie von 1900 bis 1945

Rüstungsindustrie

1932 wurde der japanische Premierminister Inukai Tsuyoshi bei einem Attentat ermordet. Ab da gelangte die japanische Politik immer mehr unter Einfluss des Militärs, das in den folgenden Jahren einen autoritären Staat aufbaute (mit dem Wohlwollen des japanischen Kaisers Hirohito, der immer noch Staatsoberhaupt war). Das Militär wollte unter anderem die Rüstungsindustrie ausbauen. In den 1930er und 1940er Jahren war Mitsubishi, genau wie heute, einer der führenden Rüstungskonzerne in Japan. Die Iwasaki Familie gehörte daher zu den grössten wirtschaftlichen Profiteuren der Militärdiktatur. Sie profitierten bereits vom 1. Weltkrieg.

Mitsubishi bzw. die Iwasaki Familie profitierte auch von der imperialistischen Aussenpolitik Japans in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die japanische Kaiserfamilie hatte sich in dieser Zeit das Ziel gesetzt, ein Kolonialreich zu werden. Taiwan und Korea sowie diverse Inselstaaten wurden annektiert und zu japanischen Kolonien. So konnten Iwasaki und andere Industriellenfamilien ihr Geschäft über die Landesgrenzen ausweiten. Die britische Elite unterstützte die japanische Expansion bis in die 1920er Jahren.

Zwangsarbeit

Infolge des 2. Weltkrieges besetzte Japan unter anderem Malaysia, die Philippinen und Teile Chinas. Das japanische Militär beging in den besetzten Gebieten und Kolonien zahlreiche Kriegsverbrechen. Es gibt keine genauen Zahlen, aber es sollen mehr als 25 Millionen Zivilisten getötet worden sein (Quelle). Das ist mehr als die Opfer Stalins und Hitlers zusammengezählt, deren Diktaturen etwa 14 Millionen Wehrlose ermordete. Die Kriegsverbrechen der japanischen Diktatur sind auch bekannt als „Asiatischer Holocaust“ und fanden etwa zur gleichen Zeit wie die Verbrechen des Hitler und Stalin Regimes in Europa statt. Genau wie in den Lagern der deutschen Nazis wurden auch in den japanischen Menschenversuche an Kriegsgefangenen durchgeführt. Etwa 20 000 japanische Ärzte unternahmen Experimenten an Menschen (Quelle). Genau wie unter Hitler und Stalin wurden auch in den japanischen Lagern im grossen Stil Zwangsarbeiter für die Industrie beschäftigt. Es weiss niemand wie viele Zwangsarbeiter beschäftigt wurden, aber es sollen mehr als 10 Millionen gewesen sein (Quelle). Mitsubishi beschäftigte Zwangsarbeiter. Es gibt aber keine genauen Zahlen. Es sollen mehrere 10 000 gewesen sein (Quelle). In Deutschland ist die ungefähre Anzahl der Zwangsarbeiter, die von deutschen Grosskonzernen beschäftigt wurden, bekannt. In Japan gab es diese Aufarbeitung scheinbar nicht.

Opium

Mitsubishi war in den 1930er Jahren zusammen mit dem japanischen Grosskonzern Mitsui im chinesischen Opiumschmuggel aktiv (Quelle: 1 und 2). Es gibt die Theorie, dass die japanische Elite die Anzahl der Opiumsüchtigen in China erhöhen wollte, um das Land zu destabilisieren. Nachdem Japan Teile von China besetzte, handelten dort japanische Firmen hunderte von Tonnen Opium (Quelle). Nach dem Krieg befand das Internationale Militärgericht für den Fernen Osten (IMTFE) Japan für schuldig, den Drogenmissbrauch absichtlich als Waffe zur Förderung seiner imperialistischen Ziele in Asien gefördert zu haben (Quelle).

US-Besatzungszeit

Nach Ende des 2. Weltkrieges war Japan von den Alliierten besetzt. Da die Iwasaki Familie und weitere japanische Industriellenfamilien mit der Militärdiktatur verbunden waren, wurden sie von den Alliierten angeblich „entmachtet“. Der Mitsubishi-Konzern wurde in kleinere Unternehmen zerlegt. Auch der japanische Adel sowie die Kaiserfamilie wurden angeblich entmachtet. Eine wichtige Rolle dabei spielte der US-Offizier Douglas MacArthur, der die Aufgabe bekam, die Kriegsverbrecher auf japanischer Seite auszumachen. MacArthur war Freimaurer (Quelle). Nachdem der Mitsubishi-Konzern in verschiedene Einzelunternehmen aufgeteilt wurde, schlossen sich diese zu einem Verband zusammen, der das heutige Mitsubishi-Keiretsu ausmacht. Schon ab 1947 konnten Mitsubishi-Unternehmen wieder die wirtschaftliche Macht monopolisieren. Kaiser Hirohito war noch bis zu seinem Tod 1989 das Staatsoberhaupt Japans (angeblich ohne politischen Einfluss). Er hatte persönlichen Kontakt zur britischen Königsfamilie (Quelle) und hatte sie schon in seiner Jugend kennengelernt, also noch vor dem 2. Weltkrieg (Quelle). Auch die darauffolgenden Kaiser Akihito und Naruhito trafen Queen Elisabeth II.

MacArthur wurde später dafür kritisiert, dass er den japanischen Kaiser Hirohito und Industriellenfamilien wie Iwasaki nicht härter zur Verantwortung zog. Nach der Ansicht von MacArthur war der Hauptschuldige Hideki Tojo, der von 1941 bis 1944 Premier- und Kriegsminister von Japan war. Nach dem Krieg erhielt Hideki Tojo und weitere hochrangige Mitglieder des Militärs die Todesstrafe.

Teruo Tojo (1914-2012) war der Sohn von Hideki Tojo. Während des Krieges arbeitete er als Luftfahrtingenieur beim Rüstungskonzern der Iwasaki Familie. Ab den 1980er Jahren gehörte er zur Konzernführung von Mitsubishi Motors. (Quelle)

Die Iwasaki Familie in den letzten 70 Jahren

Die Iwasakis und weitere japanische Industriellenfamilien galten nach dem Krieg als entmachtet und sie traten aus der Konzernführung aus. Die Kinder der Vorstandsmitglieder aus der Iwasaki Familie begannen ab den 1950er Jahren wieder für Mitsubishi-Unternehmen zu arbeiten und besetzten auch Vorstandsposten:

  • Tadao Iwasaki (1909-1990) war in der Nachkriegszeit Präsident der Mitsubishi Monsanto Chemical Company. Der Bruder seines Adoptivsohns heiratete eine Nichte von Toyo Tate. Toyo gehörte in der Nachkriegszeit zur Führung des Mitsubishi-Keiretsu. (Quelle)
  • Toru Iwasaki (*1950) arbeitete für die Mitsubishi Corporation. Er war mehrere Jahren in Brasilien und förderte dort japanisch-brasilianische Handelsbeziehungen. (Quelle)
  • Hiroya Iwasaki (1930-2008) war noch bis in die 1980er Jahren in leitenden Positionen bei der Mitsubishi Bank (Quelle).
  • Toshio (Hisao) Iwasaki (1914-2005) besetzte bis in die 1980er Jahren leitende Positionen bei Mitsubishi (Quelle). Sein Sohn Toshio Iwasaki (*1946) war Manager bei der Grossbank MUFG (Quelle), die aus der Mitsubishi Bank hervorging.
  • Jun Iwasaki war noch bis spätestens 2006 in leitenden Positionen beim Kamerahersteller Nikon, der zum Mitsubishi-Keiretsu gehört.(Quelle)

Yohachiro Iwasaki (1902-1993) war 1987 einer der reichsten Männer der Welt mit einem Vermögen von mehr als 5 Milliarden US-Dollar. Damals besass offiziell noch niemand mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Auf der Reichenliste von 1987 waren sehr viele Japaner (Quelle). Es war die erste Reichenliste des Magazin Forbes. Auf der Reichenliste im folgenden Jahr waren fast alle superreichen Japaner aus der Liste „verschwunden“.

Familiäres Netzwerk

Die Iwasaki Familie heiratete japanische Politiker, hochrangige Militärs und Diplomaten. Mehrere Ehepartner gehörten zur Führung von Mitsubishi-Unternehmen. Ich hab hier nur die wichtigsten Heiraten aufgelistet.

Haruji Iwasaki heiratete Graf Takaaki Kato (1860-1926), der von 1924 bis 1926 japanischer Premierminister war. Ihr gemeinsamer Sohn war Graf Kotaro Kato (1895-1959), der bei der Mitsubishi Bank arbeitete. Ihre gemeinsame Tochter heiratete Chokage Okabe, der aus der japanischen Adelsfamilie Okabe kam. Dessen Bruder Choi wurde von der Murayama Familie adoptiert. Die Murayama Familie gehört schon seit über 100 Jahren zu den führenden Medienunternehmer Japans.

Masako Iwasaki heiratete Baron Shidehara Kijuro (1872-1951), der von 9. Oktober 1945 bis 22. Mai 1946 Premierminister war, also während der Besatzungszeit.

Takaya Iwasaki (1896-1983) heiratete die Tochter des japanischen Politikers Shigeaki (Seihin) Ikeda. Ikeda war einige Monate Gouverneur der japanischen Zentralbank und gehörte zur Führung der Mitsui Bank (ebenfalls eine mächtige Bank). Takaya Iwasakis Frau war zudem eine Cousine von Makoto Usami. Dieser war von 1964 bis 1969 Gouverneur der japanischen Zentralbank und gehörte zur Führung der Mitsubishi Bank.

Kimiko Iwasaki heiratete Sosei (Sukemasa) Irie (1905-1985). Dieser war ein persönlicher Diener der japanischen Königsfamilie. Seine Nichte Yuriko heiratete Prinz Takahito aus der japanischen Königsfamilie.

Zur Liste der mächtigsten Familien der Welt

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