Hu Familie

Die Familie Hu gehört zur Elite der Volksrepublik China. Hu Yaobang war in den 80er-Jahren einer der mächtigsten Männer des Landes.

1. Generation

Hu Yaobang

Hu Yaobang (1915–1989) wurde in eine arme Bauernfamilie geboren. Als er zwölf Jahre alt war, nahm er an seinem ersten Aufstand teil. Mit vierzehn verliess er sein Zuhause, um sich den Kommunisten anzuschliessen. Ein paar Jahre später trat er der Kommunistischen Partei Chinas bei. Damals war die Partei noch nicht an der Macht und führte einen Bürgerkrieg gegen die Regierung der Kuomintang-Partei. 1949 ging die Kommunistische Partei als Sieger aus dem Bürgerkrieg hervor und gründete die Volksrepublik China, eine kommunistische Diktatur, die bis heute von der Partei regiert wird. Die Partei setzt ihre Tradition des Totalitarismus bis heute fort.

Hu Yaobang war von 1980 bis Anfang 1987 das Oberhaupt der Kommunistischen Partei. Damit war er einer der mächtigsten Männer des Landes. Er wurde auch Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros. Der Ausschuss besteht bis heute und gilt als das oberste Entscheidungsgremium der Partei. In der Zeit, in der Hu Yaobang die Partei leitete, wurde China von Deng Xiaoping regiert. Hu war ein enger Vertrauter von Deng Xiaoping. Die beiden hatten bereits in den 30er-Jahren im Bürgerkrieg zusammengearbeitet. In den 80er-Jahren führten die beiden als Oberhäupter der Partei marktwirtschaftliche Reformen ein. Zuvor herrschte in der Volksrepublik China seit ihrer Gründung ein Hardcore-Kommunismus, der fast jegliche Märkte ablehnte. Die Reformen von Deng Xiaoping umfassten die Einführung von Privateigentum und Sonderwirtschaftszonen, die Gründung privater Unternehmen sowie die Öffnung für ausländisches Kapital, was auch die Zusammenarbeit mit ausländischen Konzernen beinhaltete. Trotz der Reformen behielt die Kommunistische Partei selbstverständlich die absolute Kontrolle über die Politik. Die Reformen führten dazu, dass sich China von einem der ärmsten Länder der Welt zu einer globalen Wirtschaftsmacht entwickelt hat.

Auch die Einführung der Ein-Kind-Politik im Jahr 1979 zählte zu Deng Xiaopings Reformen. Kräfte aus dem Westen hatten dies befürwortet, weil man Chinas Überbevölkerung als Problem ansah. (Mehr dazu) Hu Yaobang verfasste 1982 einen Bericht zur Modernisierung Chinas. Wenn der Google-Übersetzer es mir richtig übersetzt hat, forderte er darin eine „konsequente Kontrolle des Bevölkerungswachstums“.

Bevor Hu Yaobang und Deng Xiaoping die Macht übernahmen, war die Volksrepublik seit ihrer Gründung vom berüchtigten Diktator Mao Zedong regiert worden. Mao startete 1966 die Kulturrevolution, bei der er unter anderem gegen seine Gegner und Konkurrenten in der Partei vorging. Hu und Deng wurden dabei zweimal verfolgt, aber danach wieder rehabilitiert. Vor der Kulturrevolution war Hu seit 1952 Vorsitzender des Kommunistischen Jugendverbandes gewesen. Durch die Kulturrevolution kam sein Aufstieg in der Partei ins Stocken. Als Mao 1976 starb, war auch die Kulturrevolution zu Ende. Anschliessend konnten Hu und Deng an die Spitze der Partei gelangen und mit den von ihnen angestrengten Reformen beginnen. Mao hatte marktwirtschaftliche Reformen strikt abgelehnt und seinen Kommunismus nicht aufgeben wollen. Hu Yaobang wurde nach Maos Tod Propagandachef der Partei und Mitglied des Politbüros. Das Politbüro ist das zentrale Machtorgan der Partei. Im Jahr 1980 wurde Hu wie gesagt zum Chef der Partei ernannt. In dieser Zeit säuberte er die Parteiführung von jenen, die immer noch Anhänger von Maos Politik waren.

1986 besuchte die britische Königin Elizabeth II. die Volksrepublik. Es war der erste Besuch eines britischen Monarchen in China. Die Queen und ihr Mann trafen bei ihrem Besuch den Staatschef Deng Xiaoping und den Parteichef Hu Yaobang. Hu sprach sie mit „Eure Majestät“ an. Sie gingen gemeinsam spazieren und tranken zusammen Tee. Hu hatte die Queen bereits ein paar Monate zuvor bei seinem Besuch in England getroffen. Die Queen sagte während ihres Besuches bei den chinesischen Kommunisten, dass die Beziehungen zwischen Grossbritannien und China noch nie besser gewesen seien. „Dies ist grösstenteils der zwischen uns ausgehandelten Vereinbarung über die Zukunft Hongkongs zu verdanken“, sagte die Königin. Zwei Jahre zuvor hatte Grossbritannien der Volksrepublik zugesagt, dass die britische Kolonie Hongkong im Jahr 1997 an die Volksrepublik übergeben wird. Dies wurde 1997 auch umgesetzt.

Hu Yaobang und Deng Xiaoping befürworteten eine Annäherung an den Westen. Die Familien der beiden Männer gehören allem Anschein nach bis heute zu jenen Kräften in den chinesischen Eliten, die dem Westen entgegenkommen wollen.

Hu Yaobang war sehr beliebt im Volk. Sein erzwungener Rücktritt im Jahr 1987 und sein Tod im Jahr 1989 lösten landesweit Demonstrationen aus, da viele Chinesen die Hoffnung hatten, dass reformorientierte Politiker wie Hu für mehr Freiheiten und mehr Transparenz sorgen. Bei einer dieser Demonstrationen in der Hauptstadt Peking kam es zum berüchtigten Tian’anmen-Massaker, bei dem das Militär die Proteste gewaltsam niederschlug.

Hu Yaobang war ein Cousin ersten Grades des Generals Yang Yong (1913–1983). In der Schule waren sie Klassenkameraden gewesen. Nach der Gründung der Volksrepublik wurde Yang Yong zum ersten Gouverneur der Provinzregierung von Guizhou. Er stieg zu einem der ranghöchsten Militärs der Volksrepublik auf, während sein Cousin zu einem der mächtigsten Politiker wurde. Genau wie bei seinem Cousin wurde auch sein Einfluss während der Kulturrevolution eingeschränkt. Yang Yong war vor seinem Tod der Parteisekretär von Hu Yaobang. Demnach hatte er auch an seinem Lebensende Kontakt zu seinem Cousin. 1979 leitete Yang Yong eine Militärdelegation, die Grossbritannien besuchte.

Hu Yaobang galt als ein Mentor von Wen Jiabao und Hu Jintao (mit Letzterem besteht trotz desselben Namens keine Verwandtschaft). Die beiden Männer führten von 2003 bis zur Machtübernahme von Xi Jinping im Jahr 2013 die chinesische Regierung an.

2. Generation

Hu Deping

Hu Deping (*1942) ist der älteste Sohn von Hu Yaobang. Er befürwortet mehr Marktwirtschaft und eine Öffnung Chinas, wie es auch sein Vater tat.

Es gibt Medienberichte und Internetseiten aus China, Japan und dem Westen, die im Jahr 2014 sagten, dass Hu Deping enge Beziehungen zu Xi Jinping pflegt, dem seit 2013 amtierenden Präsidenten von China. Einige Quellen bezeichnen sie als Freunde. Xi soll ab 1979 die Hu-Familie jährlich besucht haben. Bereits ihre Väter standen sich nahe. Xis Vater gehörte ebenfalls zur Parteielite. Als chinesischer Präsident gilt Xi Jinping als einer der mächtigsten Männer der Welt. Einige Medien und Experten stufen ihn sogar als den Mächtigsten ein.

Xi Jinping hatte Hu Deping einst als „grossen Bruder“ bezeichnet. Hu traf Xi im Jahr 2012, also bevor dieser Präsident wurde, in dessen Residenz. Er wollte den zukünftigen Präsidenten zu einem Reformkurs ermutigen. In den folgenden Jahren hat sich das Verhältnis der beiden erheblich verschlechtert.

Hu Deping gehörte in den 90er- und 2000er-Jahren zur Führung der All-China Federation of Industry and Commerce (ACFIC) und war ihr Parteisekretär und stellvertretender Vorsitzender. Die ACFIC ist eine Handelskammer, die von der Kommunistischen Partei kontrolliert wird. Zu ihren Mitgliedern zählen nichtstaatliche Unternehmen und Personen aus der Privatwirtschaft. Die ACFIC dient als Bindeglied zwischen der Partei und der chinesischen Privatwirtschaft. Die ACFIC schreibt auf ihrer Webseite, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Einheitsfront leiste. Die Einheitsfront ist eine Strategie der Partei, mit dem Ziel, alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen und Personen unter der Kontrolle der Partei zu halten.

Hu Deping traf in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der ACFIC den pakistanischen Premierminister Shaukat Aziz. Zu dieser Zeit hatten China und Pakistan ein Freihandelsabkommen unterzeichnet.

Übrigens war der 2005 verstorbene Rong Yiren Vorsitzender der ACFIC. Er war Chinas Vizepräsident und spielte eine wichtige Rolle beim Aufbau der chinesischen Industrie. Er galt als der reichste Mann der Volksrepublik.

Hu Deping war im 11. Nationalkomitee (tagte von 2008 bis 2013) der „Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes“ sowie stellvertretender Direktor von deren Wirtschaftsausschuss. Diese Konferenz ist ein wichtiges Beratungsgremium. Sie ist eine Organisation der Einheitsfront, was auch in Chinas Verfassung steht. In der Verfassung steht zur Konsultativkonferenz zudem Folgendes: „In Zukunft wird sie eine noch wichtigere Rolle im politischen und sozialen Leben des Landes und in seinen freundschaftlichen Aussenbeziehungen, bei der sozialistischen Modernisierung und bei der Wahrung der Einheit und Solidarität des Landes spielen.“

Hu Deping wurde 1998 stellvertretender Chef der Abteilung für Einheitsfrontarbeit. Dieses Amt hatte er, je nach Quelle, für fünf bis zehn Jahre inne. Obwohl er für chinesische Verhältnisse ein Liberaler ist, unterstützte er also dennoch die Strategie der Einheitsfront. Er war im Ständigen Ausschuss des 10. Nationalen Volkskongresses, dessen Legislaturperiode von 2003 bis 2008 dauerte. Der Volkskongress ist Chinas Parlament. Er gilt als ein Scheinparlament. Medienberichte aus dem Jahr 2018 sagen, dass der Volkskongress noch nie eine Vorlage der kommunistischen Führung abgelehnt hat.

Hu Deping hatte an der staatlichen Peking-Universität studiert. Sie ist eine der wichtigsten Universitäten Chinas. Hu Deping war der erste Chef des 2006 gegründeten Chinesisch-Afrikanischen Wirtschaftsrates, der eine Schlüsselrolle bei der Vernetzung chinesischer und afrikanischer Unternehmen spielt. Die Gründung des Rates wurde 2004 vom Afrikaner Kofi Annan, dem damaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen, angeregt. In den letzten Jahren konnte China seinen Einfluss in Afrika erheblich ausweiten.

Im Jahr 2014 besuchte Hu Deping Japan und traf Politiker der dortigen Regierung. Das japanische Aussenministerium hatte ihn eingeladen. Japanischen Medien zufolge traf er sich im Geheimen mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe. Der Vater von Hu Deping hatte im Gegensatz zu vielen anderen aus der chinesischen Parteielite eine Annäherung an Japan gewünscht und war ein Freund des japanischen Premierministers Yasuhiro Nakasone gewesen. Seine japanfreundliche Haltung gilt als einer der Gründe, weshalb er von der Parteielite zum Rücktritt gezwungen wurde.

Hu Depings erste Ehefrau war 1985 Vizebürgermeisterin der Grossstadt Xiamen. Heute ist sie unternehmerisch aktiv. Ihr Vater An Ziwen (1909–1980) hatte die Organisationsabteilung der Kommunistischen Partei geleitet. Die bis heute bestehende Organisationsabteilung ist die Personalabteilung der Partei. Sie hat grossen Einfluss auf die chinesische Politik, da sie für die Auswahl, Beförderung und Ausbildung von Parteifunktionären und Beamten zuständig ist. Sie muss gewährleisten, dass nur jene Politiker und Beamte aufsteigen können, die der Partei und ihrer Führung gegenüber loyal sind. Somit hilft die Organisationsabteilung beim Erhalt einer loyalen Parteielite und überwacht diesen Prozess. Ausserdem besitzt sie äusserst sensible Informationen über Beamte, darunter deren Finanzen, Leistungsbewertungen, Beurteilungen durch Kollegen und politische Verbindungen. Depings Vater Yaobang war nach der Kulturrevolution Chef der Organisationsabteilung geworden.

Hu Depings Schwiegervater An Ziwen, der wie gesagt die Organisationsabteilung leitete, wurde während Maos Kulturrevolution verfolgt, weil man ihm vorwarf, dass er zu einer Gruppe von 61 Verrätern gehörte, die sich angeblich gegen Mao und die Partei verschworen hatten.

An Ziwen war der Bruder von An Zhiwen (1919–2017). Dieser übernahm eine führende Rolle bei staatlichen Kommissionen der Partei. Er war unter anderem stellvertretender Vorsitzender und Parteisekretär der staatlichen Kommission für die Umstrukturierung des Wirtschaftssystems. Die Kommission half bei Chinas Wirtschaftsreformen, die nach Maos Tod eingeführt wurden. An Zhiwen war während Maos Kulturrevolution verfolgt worden. Später war An Zhiwen der erste Präsident der Gesellschaft für Wirtschaftsreform. Sie betreibt Forschungen, die Chinas wirtschaftliche Reformen betreffen. An Zhiwen war ausserdem Mitglied der Zentralen Beratungskommission der Partei, die als äusserst einflussreich galt, aber heute nicht mehr existiert. Der heutige Präsident Xi Jinping überreichte An Zhiwen im Jahr 2015 eine Gedenkmedaille.

An Ziwen und An Zhiwen waren die Onkel von An Jiaoju (*1936), der viele Jahre für die Bewaffnete Volkspolizei arbeitete, wo er letztlich hohe Ränge erreichte. An Ziwen war der Vater von An Guo (*1948), der somit der Schwager von Hu Deping ist. An Guo besetzte hohe Posten bei diversen staatlichen Einrichtungen. Sein Bruder An Min (*1945) hatte hohe Positionen im Ministerium für Aussenhandel inne, wo er unter anderem Vizeminister war und eine Abteilung leitete, die für Angelegenheiten zuständig war, die Taiwan, Hongkong und Macau betreffen (die drei Inseln werden von China beansprucht, was im Fall von Taiwan bisher noch nicht umgesetzt wurde). An Min gehörte zur Führung zweier Organisationen, die sich mit der Taiwan-Frage befassen und eine friedliche Wiedervereinigung Chinas und Taiwans befürworten. Bei einer dieser Organisationen wurde nach ihrer Gründung der mächtige Wirtschaftsboss Rong Yiren Ehrenpräsident. Einige Mitglieder seiner Familie leben in Taiwan.

An Ziwens Frau (die Schwiegermutter von Hu Deping) kam aus der Familie Liu. Ihre Tante war die Revolutionärin und Politikerin Liu Yaxiong (1901–1988). Diese wurde während der Kulturrevolution verfolgt, wie es auch bei Mitgliedern der mit ihr verschwägerten Familien Hu und An der Fall war. Liu Yaxiong heiratete Chen Yuandao (1902–1933), einen frühen Parteiführer, Pionier der kommunistischen Revolutionsversuche in China und Märtyrer der Revolution. Das Ehepaar hatte an der Sun-Yat-sen-Universität in Moskau studiert. Diese sowjetische Universität bestand von 1925 bis in die 30er-Jahre. Sie wurde extra für die Ausbildung chinesischer Revolutionäre gegründet. Der Vater von Liu Yaxiong war Liu Shaobai (1883–1968). Der Politiker gründete 1937 eine der ersten Banken der Kommunistischen Partei. Er gilt als einer der Gründer des „roten Bankwesens“ Chinas. Liu Yaxiong war die Mutter von Liu Jiyuan (*1933). Dieser wurde ebenfalls Politiker der Partei. Er war ein Pionier der chinesischen Raumfahrt und spielte eine Schlüsselrolle bei deren Entwicklung. In den 80er-Jahren wurde er Vizeminister für Luft- und Raumfahrt. Im darauffolgenden Jahrzehnt war er der erste Chef der Nationalen Raumfahrtbehörde und leitete auch die CASC, ein staatliches Unternehmen, das als der Hauptauftragnehmer der chinesischen Raumfahrt gilt. Heute ist China führend in der Raumfahrt und wird Stand jetzt nur von den USA übertroffen. Liu Jiyuan gehörte zum Zentralkomitee der Partei und zum Ständigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses (Parlament). Er hatte in Moskau studiert, also im Machtzentrum der kommunistischen Sowjetunion.

Hu Deping heiratete in zweiter Ehe Wang Yuying. Sie war oder ist noch immer Vorsitzende eines Investmentunternehmens. Wang Yuying wurde vorgeworfen, in unlautere Ölgeschäfte verwickelt gewesen zu sein. Sie war Vorsitzende einer Stiftung, deren Gründung 2007 vom Unternehmer Liu Han mit 100 Millionen Yuan unterstützt wurde (entspricht derzeit 14,3 Millionen US-Dollar). Wang Yuying und Liu Han gehörten gemeinsam zum ersten Vorstand der Stiftung. Liu Han war zudem Vorstandsmitglied der All-China Federation of Industry and Commerce. Zur Führung dieses Verbandes zählte auch Wangs Ehemann Hu Deping. Liu Han hatte enge Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Er war Milliardär. 2014 wurde er wegen „Organisation und Führung einer mafiaähnlichen Gruppe“, Mord und anderer Verbrechen zum Tode verurteilt. Im Februar 2015 wurde er hingerichtet. Laut dem Urteil hatte seine Bande acht Menschen getötet. Das Gericht meinte, dass die Bande von „Mitarbeitern der Staatsorgane geschützt“ wurde. Liu Han hatte Verbindungen zum Politiker Zhou Yongkang. Dieser gehörte zum obersten Entscheidungsgremium Chinas und war oberster Sicherheitschef des Landes. In dieser Funktion war er unter anderem für die Polizei, Gerichte und die Staatssicherheit zuständig, also für jene Behörden, die die Aufgabe haben, die organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Ein paar Monate nach Liu Hans Hinrichtung wurde Zhou Yongkang wegen Korruption und Machtmissbrauch zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Liu Hu

Liu Hu (*1945) ist der zweite Sohn von Hu Yaobang. Er studierte an der staatlichen Tsinghua-Universität, die als die beste Universität Chinas gilt. In den 80er- und 90er-Jahren arbeitete er im Ministerium für Aussenhandel. Später war er bis zu seinem Ruhestand 2005 im Vorstand von China Resources. Der Mischkonzern gehört zu den grössten chinesischen Unternehmen. Er beschäftigt fast 400 000 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt bei über 100 Milliarden US-Dollar. Der Konzern befindet sich mehrheitlich im Besitz des Staates. China Resources ist einer der wichtigsten Staatskonzerne des Landes.

Chinas Staatskonzerne, zu denen gleich mehrere der weltweit grössten Banken gehören, werden von der Partei kontrolliert. Die Partei ist dadurch einer der mächtigsten Unternehmer der Welt. Ende 2024 besassen Chinas staatliche Finanzinstitute ein Vermögen von 487,9 Billionen Yuan (Stand jetzt 69,9 Billionen USD) und ein staatliches Eigenkapital von 33,9 Billionen Yuan (4,9 Billionen USD). Die Vermögenswerte nichtfinanzieller Staatsunternehmen beliefen sich im selben Jahr auf 401,7 Billionen Yuan (57,6 Billionen USD). Davon waren 109,4 Billionen Yuan (15,7 Billionen USD) staatliches Eigenkapital. Ironischerweise ist die Kommunistische Partei somit der reichste und vielleicht mächtigste Kapitalist der Welt.

Liu Hu heiratete eine Tochter von Wang Youping, einem ehemaligen Vize-Aussenminister. Wang Youping vertrat die Volksrepublik als Botschafter in Rumänien (war damals kommunistisch), Norwegen, Kambodscha, Kuba (war damals schon kommunistisch), Nordvietnam (kommunistisch), Malaysia und der Sowjetunion (kommunistische Grossmacht). Wang Youping sass im Nationalen Volkskongress (Parlament) und gehörte zur Zentralen Beratungskommission (war damals sehr einflussreich).

Hu Dehua

Hu Dehua (1948–2025) war der dritte Sohn von Hu Yaobang. Er war wie sein Vater und sein ältester Bruder ein Verfechter politischer Reformen. Er machte sich sogar für die Pressefreiheit stark, was in der chinesischen Elite keine Selbstverständlichkeit ist. Er leitete das Softwareentwicklungszentrum der Chinesischen Akademie der Wissenschaften*. 1994 gründete er ein eigenes Softwareunternehmen. Er besass eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln. Durch die Panama-Papers wurde bekannt, dass auch Leute aus der kommunistischen Parteielite nicht darauf verzichten wollen, ihre Vermögen in Steueroasen in Sicherheit zu bringen. Sogar ein Familienmitglied des chinesischen Präsidenten Xi Jinping war darunter.

* Da die Akademie direkt dem Staatsrat unterstellt ist, kann man davon ausgehen, dass sie noch unter stärkerem Einfluss des Staates steht, als es bei Chinas staatlichen Bildungseinrichtungen ohnehin der Fall ist. China ist inzwischen eine der führenden Wissenschaftsnationen.

Hu Dehua traf im Jahr 2009 Xi Jinping, also noch bevor dieser Präsident wurde. Er wollte Xi von Reformen überzeugen. Wie bereits erwähnt wurde, hatte auch Hus Bruder Deping den späteren Präsidenten getroffen und ihm zu Reformen geraten. Einige Jahre später wurde Hu Dehua ein Kritiker von Xis Regierung. Als Hu Dehua 2025 starb, schickte Xi Yuanping einen Kranz zur Abschiedszeremonie. Er ist ein Bruder des Präsidenten. Die beiden Familien gelten dennoch als zerstritten.

Hu Dehua hat eine Tochter mit dem Namen Hu Tianling. Präsident Xis Bruder Yuanping hat nach Angaben der chinesischsprachigen Wikipedia eine Exfrau, die ebenfalls Hu Tianling heisst. Man findet keinerlei Informationen zu ihr im Internet, selbst wenn man auf Chinesisch googelt. Die Namen der beiden Frauen werden auch in der chinesischen Schrift gleichgeschrieben: 胡天翎 (es gibt viele chinesische Namen, die man in der Alphabetschrift gleich schreibt, aber sich in der chinesischen Schrift unterscheiden). Ein Facebook-Profil, das unter anderem den Anspruch hat, geheime Informationen über Chinas Eliten zu veröffentlichen, stellt die Behauptung auf, dass es sich um dieselbe Person handelt. Wahrscheinlich sind es aber zwei verschiedene Frauen mit demselben Namen. Ich wollte es trotzdem erwähnt haben. Xi Yuanping hat wie gesagt einen Trauerkranz zur Abschiedszeremonie von Hu Dehua geschickt. Hus Tochter Tianling, die denselben Namen wie Yuanpings Exfrau trägt, schickte auch einen Kranz. Dies wird aber nur ein Zufall sein. Wie bereits erwähnt wurde, soll Präsident Xi vor ein paar Jahrzehnten die Hu-Familie öfters besucht haben.

Hu Dehua heiratete Hong Xiaoping, die Tochter eines Militärkaders. Sie ist eine Führungskraft und Investorin bei kleineren Unternehmen in der Privatwirtschaft. 2014 begleitete sie Hu Jintao, als dieser die ehemalige Residenz von Hu Yaobang besuchte und sich vor dessen Bronzestatue verneigte. Hu Jintao war bis zur Machtübernahme von Xi Jinping Chinas Präsident und das Oberhaupt der Partei. Hu Dehua und Hong Xiaoping liessen sich 2014 mit der Restaurantbesitzerin Mao Xiaoqing fotografieren. Diese ist eine Verwandte von Mao Zedong, dem Begründer des kommunistischen Chinas. 2011 kamen Hu Dehua und Mao Xiaoqing mit weiteren Nachkommen von ehemaligen Anführern der Partei zusammen.

Die zweite Generation der Familie Hu traf auch bei weiteren Anlässen Nachkommen von ehemaligen Führungskräften der Partei. Diese Nachkommen der Parteielite werden oft als „Prinzlinge“ oder als „roter Adel“ bezeichnet. Ich konnte nicht herausfinden, ob die Hu-Familie auch im Privaten Kontakt zu anderen Prinzlingen hat.

Li Heng

Li Heng (*1952) ist die Tochter von Hu Yaobang. Sie leitete von Mitte der 90er-Jahre bis 2007 die Unternehmenskommunikation des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (GSK) in China. 2013 stand GSK in China im Zentrum eines Bestechungsskandals. Der Brite Mark Reilly, der das Chinageschäft des Konzerns leitete, wurde von einem chinesischen Gericht verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, ein kriminelles System geleitet zu haben, das chinesische Ärzte mit sexuellen Gefälligkeiten und mit Bargeld im Wert von 300 Millionen Pfund bestochen hatte. Als Gegenleistung verschrieben die Ärzte Medikamente von GSK. Mark Reilly wurde heimlich beim Sex gefilmt. Das Video wurde an Vorstandsmitglieder von GSK geschickt. Vermutlich wollte jemand Mark Reilly oder GSK erpressen.

Li Heng heiratete Liu Xiaojiang. Dieser ist ein ehemaliger Admiral der Marine und General der Volksbefreiungsarmee. Die Volksbefreiungsarmee, das personell grösste Militär der Welt, ist der bewaffnete Arm der Partei. Als Liu Xiaojiang in den 70er-Jahren der Armee beigetreten war, hatte er unter anderem als Propagandaoffizier gedient. Auch in den vier darauffolgenden Jahrzehnten war er bei der Armee und der Marine. Bereits sein Vater Liu Haibin hatte höhere Positionen in der kommunistischen Armee besetzt. Liu Xiaojiang hatte einen Abschluss an der Zentralen Parteischule gemacht. Diese Hochschule bildet Parteikader aus und untersteht direkt der Partei. Liu Xiaojiang gehörte zum 18. Zentralkomitee der Partei, also im Zeitraum 2012 bis 2017. Im 12. Volkskongress (Parlament), der 2013 gewählt wurde, war er stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Ausserdem gehörte er in den 2000er-Jahren zur Zentralen Disziplinarkommission. Diese ist das höchste Aufsichtsorgan der Partei. Ihre Aufgabe ist es, die Einhaltung von parteiinternen Normen und Regeln zu überwachen. Dazu zählt die Bekämpfung von Korruption innerhalb der Partei.

3. Generation

Hu Zhizhi

Hu Zhizhi, die in westlichen Medien Janice Hu genannt wird, ist die Tochter von Hu Deping und eine Enkelin von Hu Yaobang. Sie ist eine Top-Bankerin. Seit 2024 leitet sie das China-Geschäft der Grossbank UBS. Die UBS verwaltet Vermögen von reichen Chinesen. Sie ist die grösste Schweizer Bank. Mitte 2025 verwaltete sie ein Vermögen im Wert von 6,6 Billionen US-Dollar. Sie ist damit die zurzeit grösste Bank nach verwaltetem Vermögen.

Janice Hu arbeitete zuvor über 20 Jahre für die Credit Suisse. Sie leitete das China-Geschäft der Bank. Die Credit Suisse war die grösste Schweizer Bank neben der UBS. 2024 wurde sie von der UBS übernommen, worauf Janice Hu zur UBS wechselte.

Janice Hu hatte an der Cambridge-Universität studiert, einer der führenden Universitäten Grossbritanniens. Sie arbeitete für den US-amerikanischen Finanzkonzern Merrill Lynch. Der Konzern verwaltete 2024 ein Vermögen im Wert von 3,6 Billionen US-Dollar. Er ist damit einer der grössten Vermögensverwalter der Welt.

Hu Jiguang

Hu Jiguang, der in westlichen Medien James Hu genannt wird, ist der Bruder von Hu Zhizhi. Er ist seit über 15 Jahren im chinesischen Investmentbanking tätig. Er diente der Bank of America als stellvertretender Vorsitzender des Investmentbanking in China. Zudem leitete er auch das China-Investmentbanking der Citigroup. Die Bank of America und die Citigroup waren 2025 die zweit- und drittgrösste Bank der USA. 2024 verwaltete die Bank of America ein Vermögen im Wert von 1,7 Billionen US-Dollar und gehört damit zu den grössten Vermögensverwaltern.

James Hu wurde 2025 zum stellvertretenden Vorsitzenden des China-Geschäfts von Morgan Stanley ernannt. Die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley verwaltete 2025 ein Vermögen im Wert von 1,8 Billionen US-Dollar. Damit zählt sie zu den grössten Vermögensverwaltern.

Die Grossbanken aus New York haben viele Kinder von Kadern der Kommunistischen Partei rekrutiert. Man geht davon aus, dass die Grossbanken der Wall Street dadurch in den chinesischen Markt eindringen wollen und sich Geschäfte mit chinesischen Staatskonzernen erhoffen. Die führende Grossbank JP Morgan entwarf ein Programm namens „Sons and Daughters“, das darauf abzielte, die rechtlichen Fragen zu klären, wenn Verwandte von grossen Persönlichkeiten in China eingestellt werden. Es ist nämlich so, dass es in den USA illegal ist, den Freunden oder Verwandten eines ausländischen Amtsträgers eine Beschäftigung zu verschaffen, um Aufträge zu gewinnen.

James Hu hatte an der Yale-Universität studiert. Sie ist eine der elitärsten Universitäten der USA.

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