Sukarno Familie

Sukarno war von 1945 bis 1967 der erste Präsident von Indonesien. Seine Tochter war von 2001 bis 2004 Präsidentin. Die Familie ist bis heute in der Politik. Sie sind aristokratischer Abstammung. Wie in vielen asiatischen Ländern gibt es auch in Indonesien einen jahrhundertealten Erbadel.

Indonesien war 2024 das Land mit der viertgrössten Bevölkerung. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Indonesien belegte 2024 Platz 16 auf der Liste der Länder mit dem grössten Bruttoinlandsprodukt. Man geht davon aus, dass Indonesien in ein paar Jahrzehnten zu den fünf grössten Volkswirtschaften gehören wird. Es könnte also gut sein, dass die indonesischen Eliten zu grossem Einfluss kommen werden. An der Kaufkraftparität gemessen hat Indonesien heute schon die achtgrösste Wirtschaft.

Sukarno

Anfang des 17. Jahrhunderts begannen die Niederlande mit der Kolonialisierung des heutigen Indonesiens. 1799 wurde Indonesien offiziell zur Kolonie. Es war die wichtigste Kolonie des niederländischen Königreiches und wurde Niederländisch-Indien genannt.

Sukarno (1901–1970) war einer der Anführer des Widerstands gegen die niederländische Kolonialherrschaft. Er war seit Ende der 20er-Jahre im antikolonialen Widerstand aktiv und gründete eine eigene Partei. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Indonesien von Japan besetzt, das im Krieg mehrere Länder in Asien eroberte. Japan sah die indonesische Widerstandsbewegung gegen die Niederlande als strategischen Partner an. 1943 wurde Sukarno nach Japan eingeladen, wo er von Premierminister Tojo ausgezeichnet wurde. Die japanischen Führer wollten, dass Sukarno Indonesiens Unabhängigkeitskampf leitet. Japan kapitulierte 1945, worauf die Niederlande versuchten, Indonesien wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Die indonesischen Widerstandskämpfer führten für vier Jahre einen Krieg* gegen die Niederländer und verwendeten die Waffen, die von den Japanern zurückgelassen wurden. Sukarno hatte eigentlich gehofft, dass sich sein Land ohne Gewalt unabhängig machen kann, aber seine Hoffnung erfüllte sich nicht. 1949 gaben die Niederlande auf und entliessen Indonesien in die Unabhängigkeit. Die Vereinten Nationen (UN) hatten die Unabhängigkeit befürwortet. Sukarno wurde zum ersten Präsidenten des Landes. Indonesien war nach der Unabhängigkeit eine Demokratie, die allerdings ab 1959 sehr stark von Sukarno gelenkt wurde.

* Im Unabhängigkeitskrieg starben etwa 5000 niederländische Soldaten, während die Opferzahl auf indonesischer Seite auf mehr als 100 000 geschätzt wird.

Eine von Sukarnos Ehefrauen war die Japanerin Naoko Nemoto, die unter dem Namen Dewi Sukarno bekannt ist. Sie lebte auch in Europa und den USA. Dabei lernte sie Personen aus der dortigen High Society kennen, darunter Mitglieder der Rothschild Familie.

Sukarnos Vater war Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Sukarno besuchte oft die theosophische Bibliothek in Surabaya. Die Theosophische Gesellschaft ist eine internationale esoterische Bewegung, die 1875 in New York von der russischen Adligen Helena Blavatsky gegründet wurde.

Theosophische Gesellschaft

Auch mehrere Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, darunter Mohandas „Mahatma“ Gandhi, hatten enge Verbindungen zur Theosophischen Gesellschaft. Gandhi lernte in seiner Zeit in England Helena Blavatsky und Annie Besant kennen, die Oberhäupter der Theosophischen Gesellschaft. Annie Besant, eine Britin, übernahm wie Gandhi eine führende Rolle in der antikolonialen Unabhängigkeitsbewegung der Inder. Gandhi sagte, dass er seinen theosophischen Freunden viel verdanke. Jedoch wollte er sich der Gesellschaft nicht anschliessen, weil ihm „ihre geheime Seite, ihr Okkultismus“ nicht angesprochen hat. Die erste Loge der Theosophischen Gesellschaft in Indonesien wurde 1881 von einem dänischen Adligen gegründet. Später gründeten niederländische Kolonisten weitere Logen. Die Theosophische Gesellschaft ist bis heute in Indonesien aktiv.

Die Verbindung zur Aristokratie

Die Leser sollten darauf achten, dass Sukarno in mehreren der verlinkten Quellen Soekarno oder Bung Karno genannt wird.

Sukarnos Vater Soekemi war ein muslimischer Aristokrat. Die Mutter war Hinduistin aus der Brahmanenkaste, also aus der obersten Kaste. Sukarno sagte, dass seine Mutter die Nichte des letzten Königs von Singaraja war. Zudem sagte Sukarno, dass sein Vater von einem Sultan von Kediri abstammt. Sukarnos Vater trug den Titel Raden. Er gehörte also zum Beamtenadel (Priyayi), der oft im Dienste des königlichen Adels stand.

In Indonesien gibt es mehrere Sultane. Daneben gibt es weitere hohe Aristokraten mit anderen Herrschertiteln, die man im Westen als Fürsten bezeichnet. Es wird gesagt, dass sie heute keinen politischen Einfluss mehr haben. Bei den nicht amtierenden Monarchen, von denen es sehr viele in Asien gibt, ist es oft schwierig zu sagen, wie gross ihr Einfluss ist. In den letzten 75 Jahren waren in Indonesien viele Politiker mit Adligen verwandt.

Sukarno heiratete 1943 Fatmawati. Ihre Eltern stammten von indonesischen Königsfamilien ab.

Sukmawati Sukarnoputri (*1951), eine Tochter von Sukarno und Fatmawati, heiratete den Kronprinzen und späteren Fürsten Mangkunegara IX.

Sukarno kannte die Monarchen Hamengku Buwono IX. und Paku Buwono XII.

Mataram-Dynastie

Die Familien Mangkunegara, Hamengkubuwono und Pakubuwono sind drei der wichtigsten Dynastien des indonesischen Adels. Die drei Familien entstanden im 18. Jahrhundert. Sie gingen aus der Mataram-Dynastie hervor, die über das Sultanat Mataram herrschte. Das Sultanat bestand vom 16. bis 18. Jahrhundert. Die Nachkommen der Mataram-Dynastie sind bis heute die unangefochteten Oberhäupter der indonesischen Aristokratie. Die erste islamische Monarchie in Indonesien war das Sultanat Demak, das im 15. Jahrhundert gegründet wurde und eine wichtige Rolle bei der Islamisierung Indonesiens spielte.

Der 1939 verstorbene Fürst Pakubuwono X. war eine Schlüsselfigur im Unabhängigkeitskampf gegen die Niederlande. Dafür wurde er 2011 posthum zum Nationalhelden ernannt. Ein indonesischer Professor schrieb in seinem Buch, dass Sukarno in Wahrheit ein Sohn von Pakubuwono X. war. Auch ein geistlicher Berater der Pakubuwono Familie behauptete dies. Pakubuwono X. soll seine Vaterschaft bewusst von den Niederländern verheimlicht haben, die den Monarchen überwachten. Er soll sorgfältig geplant haben, dass Sukarno eines Tages der Anführer sein würde, der die Kolonialherrschaft beendet und Indonesien in die Unabhängigkeit führt. Gusti Moeng, eine Tochter von Pakubuwono XII., sagt, dass viele Helden des Unabhängigkeitskampfes zu den Höflingen ihres Palastes gehörten und dass Sukarno von Pakubuwono X. finanziert wurde. Der Monarch war ausserdem an der Gründung von Budi Utomo beteiligt und unterstützte die Gruppe. Die Anführer dieser Organisation waren Freimaurer, was weiter unten erläutert wird.

Auch Sultan Hamengku Buwono IX. hatte die Unabhängigkeitskämpfer unterstützt, was von Sukarno gewürdigt wurde. Da der Sultan von seinen Anhängern fast wie eine Gottheit verehrt wurde, hatten sich die Niederländer nicht getraut, ihn zu verbannen.

Sukarno war kein überzeugter Kommunist, aber er hatte in seiner Zeit als Präsident ein gutes Verhältnis zur kommunistischen Partei Indonesiens und ein entspanntes Verhältnis zur kommunistischen Führung in China. Er hatte auch ein gutes Verhältnis zu Kim Il-sung, dem Gründer des kommunistischen Nordkoreas. Sukarno war ein enger Freund des kambodschanischen Königs Sihanouk. So viel ich weiss, war Sihanouk der einzige König, der freundschaftlich mit der kommunistischen Führung in China und Nordkorea verbunden war.

Die Machtübernahme von Suharto

Unter Sukarno hatte Indonesien die drittgrösste kommunistische Partei der Welt. Die damals strikt antikommunistischen Geostrategen im Westen sahen dies als potenzielle Bedrohung an.

Auch die rechtsgerichtete Armeeführung Indonesiens störte sich daran, dass in ihrem Land Kommunisten grossen Einfluss haben und dass Sukarno mit ihnen zusammenarbeitet. 1965 kam es zu einem schlecht geplanten Putschversuch. Die Militärs behaupteten, die Kommunistische Partei würde hinter dem Putschversuch stecken. Als Reaktion startete das Militär eine grosse antikommunistische Säuberung. Auch angesehene Zeitungen im Westen sagten, dass die Kommunistische Partei einen Staatsstreich durchführen wollte. Mit der Zeit kamen jedoch Zweifel an dieser Version auf. Es ist bis heute nicht eindeutig geklärt, ob tatsächlich die Kommunistische Partei als Organisation hinter dem Puschversuch stand oder ob es nur einzelne Parteimitglieder waren. Es gibt die Verschwörungstheorie, dass antikommunistische Militärs den Putschversuch inszenierten, damit sie einen Vorwand hatten, gegen die Kommunisten vorzugehen. Ein Oberst erzählte später, man habe beim Militär gewusst, dass Kommunisten einen Putsch planen. Dies würde dafür sprechen, dass die Militärführung absichtlich einen kommunistischen Putschversuch zuliess, der ihr einen Vorwand lieferte (Verschwörungstheoretiker bezeichnen diese Methode als LIHOP-Methode). Womöglich gab es auch im Westen Personen, die in diesem Fall die LIHOP-Methode befürworteten. Ein Beamter des britischen Aussenministeriums meinte: „Ein verfrühter Putsch der PKI [Kommunistische Partei] könnte die hilfreichste Lösung für den Westen sein, vorausgesetzt, der Putsch scheitert.“ Der deutsche Botschafter in Indonesien wusste im Voraus, dass die indonesische Armeeführung nur auf einen Vorwand wartet, der es ihr ermöglicht, die Kommunisten zu vernichten. Die darauffolgende Entmachtung der Kommunisten wurde in westlichen Medien als positives Ereignis dargestellt. Das Time Magazine nannte es die beste Nachricht aus Asien seit Jahren. Bei der antikommunistischen Säuberung kam es zu einem Massenmord. Mehrere hunderttausend Kommunisten, gemässigte Linke, Gewerkschafter und ihre Familienmitglieder wurden getötet. Einige Schätzungen gehen von über einer Million Tote aus. Zivilisten und paramilitärische Gruppen, die vom Militär angestachelt wurden, beteiligten sich an dem Massenmord. Es kam zu Massenhinrichtungen, vielen Vergewaltigungen und brutaler Folter. Mehr als eine Million Menschen wurden inhaftiert. Die antikommunistische Säuberung wurde vom General Suharto angeführt. Sukarno war 1966 gezwungen, seine Macht an Suharto abzugeben, der zum neuen Präsidenten wurde und eine Diktatur errichtete. Sukarno musste nicht ins Gefängnis, aber stand in seinem Wochenendpalast in den Bergen unter Hausarrest. Er kehrte nie zur Macht zurück und starb 1970.

Da Sukarno und Suharto ähnliche Namen sind, sollten die Leser in diesem Beitrag darauf achten, die beiden nicht zu verwechseln.

Die USA und Grossbritannien unterstützten die antikommunistische Säuberung über ihre Geheimdienste und nahmen dabei die Massenmorde in Kauf. US-Beamte gaben die Namen Tausender Mitglieder der Kommunistischen Partei an das indonesische Militär weiter. Daher ist der Vorwurf, die USA hätten die Massenmorde aktiv unterstützt, gut begründet. Der damalige US-Botschafter in Indonesien, Marshall Green, sagte: „Ich weiss, dass wir viel mehr Informationen [über die Kommunistische Partei] hatten als die Indonesier selbst.“ Ein US-Diplomat in Indonesien sagte später: „Sie haben wahrscheinlich viele Menschen getötet und ich habe wahrscheinlich viel Blut an meinen Händen, aber das ist nicht alles schlecht. Es gibt Zeiten, in denen man im entscheidenden Moment hart zuschlagen muss.“ Die USA, Grossbritannien und Australien führten zur Zeit der Massenmorde geheime antikommunistische Propagandaoperationen in Indonesien durch. Diese Propagandaoperationen zielten darauf ab, Sukarno zu diskreditieren und die Indonesier anzustacheln, gewaltsam gegen die Kommunisten vorzugehen. Sukarno und die Kommunistische Partei hatten sich bei den britischen Kolonialisten unbeliebt gemacht, weil sie die britische Kolonie Malaysia, ein Nachbarstaat von Indonesien, militärisch angreifen liessen und weil kommunistische Demonstranten die britische Botschaft in Indonesien niederbrannten. Übrigens gehört Malaysia bis heute zu den Commonwealth-Staaten, die eng mit Grossbritannien verbunden sind. Malaysia ist eine Monarchie.

Vermutlich hatte auch Deutschland und sein Geheimdienst BND die Zerschlagung der Kommunistischen Partei Indonesiens unterstützt, was erst vor ein paar Jahren bekannt wurde. 2024 ist bestätigt worden, dass die Niederlande und ihr Geheimdienst Suhartos Diktatur unterstützten und ihm halfen, politische Gegner zu verfolgen. Suhartos Vorgänger Sukarno war wie gesagt Anführer der Bewegung gewesen, die dazu führte, dass Indonesien unabhängig von den Niederlanden wurde. 1957 liess Sukarno niederländische Unternehmen verstaatlichen und Zehntausende Niederländer wurden aus Indonesien vertrieben. Nach Suhartos Machtübernahme konnte das niederländische Grosskapital zurückkehren. Drei Jahre nach seiner Machtübernahme besuchte Suharto die Königsfamilie der Niederlande. Der niederländische Geheimdienst beobachtete indonesische Regimegegner, die in den Niederlanden im Exil lebten. Auch niederländische Menschenrechtsaktivisten, die Suhartos Diktatur kritisierten, wurden beobachtet. Dabei kam es zu einer Zusammenarbeit zwischen dem niederländischen und indonesischen Geheimdienst.

Sukarno und die Kommunisten hatten ausländisches Kapital enteignet, was den Grossinvestoren und Grosskonzernen aus dem Ausland natürlich nicht gefiel. Der neue Präsident Suharto öffnete sein Land für westliche Investoren. Unter seiner Führung wurde Indonesien kapitalistischer. Er wandte sich von den verbündeten kommunistischen Ländern ab und ging ein Bündnis mit dem Westen ein. Internationale Ölkonzerne waren an Indonesiens Erdöl interessiert. Bei den marktwirtschaftlichen Reformen von Suharto spielte die sogenannte „Berkeley-Mafia“ eine wichtige Rolle. Die Berkeley-Mafia war eine Gruppe von indonesischen Ökonomen, die in den USA ausgebildet wurden. Bei ihrem Studium erhielten sie finanzielle Unterstützung von der Ford Foundation. Die US-amerikanische Stiftung zeigte damals immer grösseres Interesse an Projekten in der Dritten Welt.

Suhartos Vorgänger Sukarno hatte den Plan entworfen, eine Alternative zu den Vereinten Nationen (UN) zu gründen, da die UN damals noch stark vom Westen dominiert wurde. Diese Alternative wurde CONEFO genannt. Sukarno wollte, dass sich die Länder der Dritten Welt zusammenschliessen, damit sie eine Chance haben, sich gegen den westlichen Imperialismus durchzusetzen. Vor allem sozialistische Staaten zeigten Interesse an dem Vorhaben. Sukarno hatte Streit mit der UN. Er sorgte dafür, dass Indonesien 1965 aus der UN und ihren Sonderorganisationen austrat. Als er im darauffolgenden Jahr entmachtet wurde und Suharto an die Macht kam, wurde die CONEFO aufgelöst. Indonesien trat darauf wieder der UN bei.

Sukarno liess 1963 die Theosophische Gesellschaft verbieten (bei der sein Vater Mitglied gewesen war). Die Gesellschaft war aber weiterhin aktiv, was anscheinend toleriert wurde. 1962 erliess Sukarno ein Verbot der Freimaurerei. Auch den Rotary Club und den Lions Club, zwei freimaurerähnliche Organisationen, belegte er mit einem Verbot. Offenbar sah er die Freimaurer als eine subversive, prowestliche Gruppe. Die indonesische Freimaurerei war ein Produkt der Kolonialisierung. Sukarno hatte sich mit seinem Handeln also bei gleich mehreren einflussreichen Kreisen unbeliebt gemacht; bei den antikommunistischen Geostrategen in den USA, beim Grosskapital, beim britischen und niederländischen Königreich, bei der UN und bei den Freimaurern.

Freimaurerei in Indonesien

Während der Kolonialisierung brachten Europäer die Freimaurerei nach Asien. In Indonesien wurde die Freimaurerei im 18. Jahrhundert von niederländischen Kolonisten eingeführt. Im 19. Jahrhundert wurden die ersten Einheimischen in indonesische Freimaurerlogen aufgenommen. Einer der ersten war Abdul Rachman, der 1844 zum Freimaurer wurde. Er war ein Urenkel des Sultans von Pontianak (Alkadrie-Dynastie). 1836 wurde der Adlige Raden Saleh aufgenommen, der als der erste indonesische Freimaurer gilt. Er heiratete erst eine in Indonesien lebende Europäerin und danach eine Cousine des Sultans Hamengku Buwono VI. Raden Saleh reiste zweimal nach Europa. Er lebte zehn Jahre in den Niederlanden, wo er Malerei studierte. In Deutschland freundete er sich mit dem Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha an. Der Herzog war ein Schwager der britischen Queen Victoria, die Raden Saleh bei einem Besuch in Deutschland kennenlernte. Herzog Ernst war Grossmeister einer Freimaurerloge in Deutschland. Er war mit vielen Freimaurern aus dem europäischen Hochadel verwandt.

In Indonesien hatten die Freimaurer auch im 20. Jahrhundert einflussreiche Mitglieder, nicht nur Niederländer, sondern auch Indonesier. Die einheimischen Mitglieder hatten ein gutes Verhältnis zu den Niederländern und vertraten einen aufgeklärten, moderaten Islam, während erzkonservative Muslime die Freimaurerei als Teufelswerk ansahen und nicht von niederländischen Christen regiert werden wollten. Es wird spekuliert, ob die niederländischen Kolonialherren die Freimaurerei nutzten, um eine brüderliche Beziehung zu den indonesischen Eliten aufzubauen, so wie es auch die britischen Freimaurer in ihren Kolonien taten, oft mit grossem Erfolg. Die Niederländer ernannten viele einheimische Freimaurer zu Regenten, die hohe Beamte der Kolonie waren. Einheimische Freimaurer übernahmen eine führende Rolle bei Budi Utomo. Diese Organisation bestand im frühen 20. Jahrhundert. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der Schaffung des Nationalbewusstseins, das dazu führte, dass sich die verschiedenen einheimischen Ethnien als ein indonesisches Volk ansehen. Viele der Mitglieder von Budi Utomo gehörten zur Elite und einige kamen aus dem Adel. Mehrere Fürsten aus der Paku Alam-Dynastie waren Freimaurer, darunter der 1998 verstorbene Fürst Paku Alam VIII. Sein Vater, Paku Alam VII., war nicht nur Freimaurer, sondern auch Mitglied der Theosophischen Gesellschaft, genau wie Pakubuwana XI. Wie bereits erwähnt wurde, war Sukarnos offizieller Vater ebenfalls Theosoph und Sukarno wäre über seinen angeblichen Vater ein Bruder von Pakubuwana XI. gewesen. Der Adlige Wiranatakusumah V. soll Freimaurer gewesen sein. Er wurde 1945 der erste Innenminister Indonesiens. Ein weiterer bedeutender Freimaurer war Radjiman Wedyodiningrat, einer der Gründerväter Indonesiens. Auch ein Sultan von Kutai trat den Freimaurern bei.

Präsident Sukarno liess 1962 die Freimaurerei verbieten. Auch in der folgenden Suharto-Diktatur war die Organisation verboten. Im Jahr 2000 erliess Präsident Abdurrahman Wahid (wird in der Quelle Gus Dur genannt) ein Dekret, dass die Freimaurerei legalisierte. So viel bekannt ist, sind aber bis heute keine Logen in Indonesien aktiv. Es soll weniger als hundert Freimaurer in Indonesien geben, die Mitglied in Logen in Singapur, Australien, Philippinen und den Niederlanden sind.

Suharto regierte bis 1998 diktatorisch über Indonesien. Er war einer der grössten Kleptokraten seiner Zeit. 1997 galt er als der sechstreichste der Welt mit einem Vermögen im Wert von 16 Milliarden US-Dollar. Transparency International schätzte sein Vermögen auf 35 Milliarden Dollar. Mehrere Milliarden, die von Suhartos Familie veruntreut wurden, sollen auf Bankkonten in der Schweiz und Österreich gelandet sein.

In Suhartos Regierung gab es Adlige. Der wichtigste war Sultan Hamengkubuwono IX., der in den 70er-Jahren als Vizepräsident der zweithöchste Politiker war. Er gehörte bereits zu Sukarnos Regierung und gilt als einer der Gründerväter Indonesiens. Laut Wikipedia war Suhartos Mutter entfernt mit der Hamengkubuwono Familie verwandt. Suhartos Frau Siti Hartinah, bekannt als Tien, gehörte zur Aristokratie und trug einen Adelstitel. Sie war eine Enkelin des Herrschers Mangkunegara III. Wie bereits erwähnt wurde, war auch Sukarnos Familie mit dieser Fürstenfamilie verschwägert.

Suharto war 1998 gezwungen zurückzutreten, nachdem es zu grossen Protesten gekommen war. Indonesien wurde in den folgenden Jahren demokratisiert. Suharto starb 2008.

Suhartos Nachfolger als Präsident war sein Weggefährte Jusuf Habibie. Habibie war bis Ende 1999 Präsident. Seine Mutter kam aus dem Adel. Sein Bruder war Botschafter im britischen und niederländischen Königreich.

Sukarnos Nachkommen

Nach Suhartos Rücktritt kam für Sukarnos Kinder endlich die Gelegenheit, hohe politische Ämter anzustreben. Die Tochter Megawati Sukarnoputri (*1947) hatte dabei am meisten Erfolg. Sie war von 2001 bis 2004 Präsidentin von Indonesien. Sie gehört bis heute zur Führung der Partei PDI-P. Bei den letzten Parlamentswahlen 2024 war diese die stärkste Partei. Joko Widodo, der von 2014 bis 2024 Präsident war, ist Politiker der PDI-P.

Megawati nahm 2022 an der Hochzeit von Widodos Sohn teil. Die Hochzeit fand im Mangkunegaran-Palast statt. Es ist der Palast der Fürstenfamilie von Mangkunegara. Wie bereits erwähnt wurde, heiratete Megawatis Schwester den Fürsten Mangkunegara IX.

Mangkunegara X., das heutige Oberhaupt der Dynastie, hat zwei Halbgeschwister, die ein gutes Verhältnis zu ihrer Tante Megawati haben. Der Halbbruder wurde als Kind von Megawati betreut. Wie bereits erwähnt wurde, war auch Suhartos Frau mit der Mangkunegara-Dynastie verwandt.

Megawati nahm 2016 an der Krönung von Fürst Paku Alam X. teil. Bei der Zeremonie sass sie neben Sultan Hamengkubuwono X. Eine indonesische Zeitung schreibt, dass Megawati im Palast der Paku Alam-Dynastie geboren wurde. Damals lebte ihr Vater Sukarno für eine Weile im Palast. (Sukarno wird in der Quelle Bung Karno genannt. Pura Pakualaman ist der Palast der Paku Alam-Dynastie.)

Die Paku Alam Familie stammt von den Sultanen von Mataram ab, genau wie die anderen drei wichtigen Adelsdynastien Indonesiens.

Megawati traf in ihrer Funktion als Präsidentin auch ausländische Monarchen.

Nach Megawati war Susilo Bambang Yudhoyono von 2004 bis 2014 Präsident von Indonesien. Sein adliger Vater war ein Nachkomme von Sultan Hamengkubuwono II. Yudhoyono nahm 2013 an der königlichen Hochzeit von Hamengkubuwono X. teil. Als er Präsident war, ernannte er seinen Schwager zum Chef der Armee. Yudhoyonos Sohn Agus ist Minister in der derzeitigen Regierung. Der Sohn Edhie heiratete die Tochter von Hatta Rajasa. Rajasa hatte in Yudhoyonos Regierung mehrere Ministerposten inne.

Megawatis Vermögen wurde 2009 auf 14 Millionen US-Dollar geschätzt.

Megawatis Schwester Rachmawati (1950–2021) gründete eine eigene Partei, die aber keinen Erfolg hatte. Auch ihre Schwester Sukmawati, die wie gesagt in die Hocharistokratie heiratete, gründete nach Suhartos Sturz eine Kleinpartei. Der Bruder Guruh hatte von 1999 bis 2024 einen Sitz im Parlament und gehört zu Megawatis Partei PDI-P.

Megawatis Tochter Puan Maharani ist ebenfalls Politikerin der PDI-P. Puan war von 2014 bis 2019 Kulturministerin. Seit 2019 ist sie Vorsitzende des Repräsentantenhauses. Sie traf hochrangige Aristokraten.

Puan Maharani wurde 2018 vorgeworfen, Bestechungsgelder in Höhe von 500 000 US-Dollar angenommen zu haben. Ihr Mann Hapsoro „Happy“ Sukmonohadi geriet 2023 in Verdacht, in einen Korruptionsfall verwickelt zu sein. Hapsoro ist Geschäftsmann. Er ist Anteilseigner von mehreren Unternehmen, die im Bereich Hotels und Immobilien sowie im Öl- und Gasgeschäft aktiv sind.

Megawati und Puan Maharani besuchten im Februar 2025 Papst Franziskus im Vatikan. Sie schenkten ihm ein Gemälde der Jungfrau Maria.

Diah „Pinka“ Hapsari, eine Tochter von Puan Maharani, wurde 2024 ins Repräsentantenhaus gewählt. Sie und ihr Bruder Praba studierten in England an der SOAS University. SOAS steht für School of Oriental and African Studies. Die britische Zeitung The Telegraph bezeichnet sie als das weltweit führende Zentrum für das Studium von Themen, die Asien, Afrika und den Nahen Osten betreffen. Aristokraten und hohe Politiker aus Asien und Afrika hatten an der Universität studiert.

Rukmini Sukarno (1942–2009) war eine Tochter von Sukarno. Erst lebte sie in Europa und dann in den USA. Sie heiratete den amerikanischen Schauspieler Frank Latimore. Sie freundete sich mit dem Bruder von Wallace Muhammad an. Muhammad gründete die Nation of Islam, eine religiöse Bewegung (manche sagen Sekte), die aus Afroamerikanern besteht. Rukmini Sukarno gründete in den USA ein Schifffahrtsunternehmen, mit dem Ziel, der grösste Rohstofflieferant Indonesiens zu werden, was aber scheiterte. 1986 wurde Rukmini in den USA wegen Veruntreuung zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.

Der neue Präsident Prabowo

2024 wurde Prabowo Subianto zum Präsidenten von Indonesien gewählt. Er war zuvor Verteidigungsminister. Im Januar 2025 führte Prabowo Indonesien als zehntes Vollmitglied in die BRICS-Staatengemeinschaft. Der Vizepräsident unter Prabowo ist Gibran Rakabuming Raka, ein Sohn des vorherigen Präsidenten Joko Widodo.

Prabowo heiratete 1983 eine Tochter des Diktators Suharto und seiner adligen Frau. 1998 trennte sich Prabowo von seiner Frau. Prabowo wird vorgeworfen, dass er in Suhartos Diktatur in Menschenrechtsverletzungen involviert war. Prabowos Vermögen wurde 2009 auf 160 Millionen US-Dollar geschätzt. Er kontrolliert mehrere Unternehmen. Sein Bruder Hashim Djojohadikusumo ist ebenfalls Unternehmer und gehört zu den reichsten Männern Indonesiens. Sein Vermögen wurde im Jahr 2020 auf 685 Millionen Dollar geschätzt. Ihre Schwester heiratete Soedradjad Djiwandono, der in den 90er-Jahren Chef der indonesischen Zentralbank war, also als Suharto noch regierte. Prabowos Vater Sumitro (Soemitro) war Minister in Suhartos Diktatur. Sumitros Vater Margono war Gründer und erster Chef der Bank Negara, einer der grössten Banken Indonesiens. Margono kam aus der Aristokratie und trug einen Adelstitel. Dadurch ist also auch der neue Präsident Prabowo adliger Abstammung und sein Sohn Didit ist über die Mutter aus der Suharto Familie ein Nachkomme des Fürsten Mangkunegara III.

Ende 2024 machte in Indonesien in den sozialen Medien das Gerücht die Runde, dass Prabowos Sohn Didit ein romantisches Verhältnis mit der Politikerin Pinka Haprani hat, die eine Enkelin von Megawati und eine Urenkelin von Sukarno ist.

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass Indonesien seit seiner Gründung fast durchgehend von Präsidenten mit familiären Verbindungen zum Adel regiert wurde. Bei mindestens sechs der acht Präsidenten war dies der Fall.

Übrigens: KGPH Puger ist ein Sohn des Fürsten Paku Buwono XII. Er ist Mitglied der Royal Confraternity of Saint Teotonio (RCST), einer internationalen Bruderschaft. Noch zwei weitere Familienmitglieder gehören zur RCST. Zu den Mitgliedern der RCST zählen Königsfamilien aus Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Asien. (Mehr dazu)

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